Bis zu 200 Ärzte-Stellen am AKH Wien gefährdet

Mona HopfingerMona Hopfinger
Finanzlücke: 15,5 Mrd. Euro, 200 Ärzte in Gefahr, Krankenhaus, Stethoskop, Bücher, Doktorhut
© Mit KI (Gemini) generiert

Geplante Budgetkürzungen an der Medizinischen Universität Wien bedrohen rund 200 ärztliche Vollzeitäquivalente. Die Ärztekammer und die MedUni warnen vor massiven Folgen für die Patientenversorgung, Forschung und Ausbildung.

Die angekündigten Einsparungen bei Österreichs öffentlichen Universitäten könnten an der Medizinischen Universität Wien zum Wegfall von etwa 200 ärztlichen Vollzeitäquivalenten führen. Davon wären nicht nur Forschung und Lehre betroffen, sondern unmittelbar auch die Versorgung von Patientinnen und Patienten im AKH Wien.

Für die Finanzierungsperiode 2028 bis 2030 sind für die öffentlichen Universitäten derzeit circa 15,5 Milliarden Euro geplant – die Universitätenkonferenz hatte 18 Milliarden Euro gefordert. Die MedUni Wien wäre von dieser Differenz besonders stark betroffen.

Gesamtes ärztliches Personal des AKH betroffen

Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, betont: „Wer bei der Universitätsmedizin spart, spart nicht an einem isolierten Forschungsbetrieb, sondern auch bei der ärztlichen Ausbildung und der medizinischen Versorgung der Bevölkerung.“ Weniger ärztliche Stellen würden zwangsläufig zu geringeren Behandlungskapazitäten, längeren Wartezeiten und steigendem Druck auf andere Wiener Spitäler führen.

Die MedUni Wien beschäftigt derzeit 1.700 Ärztinnen und Ärzte für den Betrieb des AKH Wien und stellt damit das gesamte ärztliche Personal. Rund 85 Prozent des Budgets der Universität fließen in diesen Bereich.

Markus Müller, Rektor der MedUni Wien, warnt: „Einsparungen in der derzeit diskutierten Größenordnung würden daher unmittelbar unsere drei Kernaufgaben treffen: Forschung, Lehre und Patientenversorgung.“ Die in den vergangenen Jahren erreichte internationale Spitzenposition dürfe nicht durch kurzfristige Budgetmaßnahmen gefährdet werden.

Hochspezialisierte Versorgung in Gefahr

Thomas Szekeres, Ehrenpräsident der Ärztekammer Wien und Facharzt am AKH, erklärt, dass durch Einsparungen bei Struktur und Personal auch die hochspezialisierte Versorgung bedroht sei, die es in dieser Form nur am Universitätsklinikum gebe. Die Bundesregierung betone zwar eine Verbesserung des Gesundheitssystems als Ziel, mit den Einsparungen beim Universitätsbudget werde aber genau das Gegenteil erreicht.

Auch der Forschungsstandort sei gefährdet. Medizinische Spitzenforschung finde in einem globalen Wettbewerb um die besten Köpfe statt. Wer Forschungsbudgets kürze und wissenschaftliche Dienstposten abbaue, schwäche die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts, so Szekeres. Die Gefahr sei groß, dass hochqualifizierte Forscherinnen und Forscher Wien verlassen oder sich gar nicht erst für Wien entscheiden.

Als weltweit 20. der besten Spitäler wird das AKH Wien geführt, die MedUni Wien zählt global zu den 200 besten Universitäten. Budgetkürzungen und Personalabbau würden diese Platzierungen unweigerlich gefährden, mahnt Szekeres.

Ausbildungskapazitäten unter Druck

Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer Wien, weist darauf hin, dass schon heute Ärztinnen und Ärzte fehlen. Umso wichtiger sei es, die Ausbildungskapazitäten nicht zu reduzieren, sondern auszubauen. Die heute ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte seien jene, die morgen für die Versorgung dringend gebraucht würden.

Ärztliche Ausbildung finde wesentlich im klinischen Alltag statt. Weniger ärztliches Personal bedeute daher auch weniger Zeit für Anleitung, Betreuung und Ausbildung des Nachwuchses. Wien müsse für junge Ärztinnen und Ärzte ein attraktiver Ausbildungs- und Arbeitsort bleiben, so Maldonado-González.

Forderung nach gemeinsamem Gipfel

Die Ärztekammer fordert einen gemeinsamen Gipfel von Wissenschaftsministerium, Medizinischer Universität Wien, Stadt Wien und den Vertreterinnen und Vertretern der Ärzteschaft. Um die Leistungsfähigkeit der Universitätsmedizin langfristig zu sichern, müsse jetzt gehandelt werden, appelliert Präsident Steinhart.

Notwendig sei eine gemeinsame Lösung, die anerkenne, dass die Medizinische Universität Wien gleichzeitig Forschungsstandort, Ausbildungsstätte und Teil der öffentlichen Gesundheitsversorgung ist. Der medizinische Nachwuchs in Österreich brauche die Sicherheit, gut ausgebildet zu werden. Ärztinnen und Ärzte müssten sich darauf verlassen können, dass hier Forschung und Arbeit auf Spitzenniveau möglich sind.

Quelle: https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/2026/news-im-oktober-2026/einsparungen-bei-der-meduni-wien-gefaehrden-patientinnenversorgung-spitzenmedizin-und-forschungsstandort

Worüber spricht Alsergrund morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.