BMW feiert 60 Jahre 02-Reihe: Vom 1600-2 zum Kultmodell

Pia ProdingerPia Prodinger
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Vor sechs Jahrzehnten startete BMW mit dem 1600-2 eine Erfolgsgeschichte. Der kompakte Zweitürer und seine Nachfolger prägten das Image der Marke nachhaltig und legten den Grundstein für den heutigen 3er.

1966 brachte BMW den 1600-2 auf den Markt – einen kompakten Zweitürer, der das sportliche Profil der Münchner Marke entscheidend formte. In einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs traf das Fahrzeug den Nerv einer Generation, die nach Mobilität und Fahrspaß suchte. Der später in 1602 umbenannte Wagen basierte technisch auf der Neuen Klasse, übersetzte deren Eigenschaften aber in ein kompakteres, sportlicheres Format.

Das Konzept ging auf: Der 1600-2 demokratisierte das BMW-Fahrerlebnis, ohne an Qualität einzubüßen. Mit rahmenlosen Scheiben und coupéhafter Linienführung wirkte er agil und präsent. 1968 folgte der 1600 ti mit 77 kW/105 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von rund 175 km/h. Von diesem Modell entstanden knapp 9.000 Exemplare, was es später zu einem gesuchten Sammlerstück machte.

Der 2002 wird zum Bestseller

Anfang 1968 erschien der BMW 2002, der sich mit über 330.000 verkauften Einheiten zum mit Abstand beliebtesten Modell der Baureihe entwickelte. Von insgesamt 827.535 produzierten 02-Limousinen trug fast jede vierte die Bezeichnung 2002 – ein Beleg für die zentrale Rolle dieses Modells innerhalb der Familie.

Der Erfolg hatte Gründe: Der 2002 verband Alltagstauglichkeit mit sportlicher Leistung. Die Variante 2002 ti brachte es auf 88 kW/120 PS, der 2002 tii legte 1971 mit mechanischer Kugelfischer-Benzeineinspritzung und 96 kW/130 PS nach. Fast 40.000 Käufer entschieden sich trotz höheren Preises für den tii, der als „Wolf im Schafspelz“ galt.

Zur Popularität trug auch die Präsenz im Alltag bei: Rennfahrer Hans-Joachim Stuck, Fernsehmoderatorin Petra Schürmann und Fußballer Gerd Müller fuhren 02-Modelle. In TV-Krimis wie „Tatort“ und „Der Kommissar“ war der Wagen ebenfalls zu sehen. Parallel sammelten Rennversionen Erfolge bei Bergrennen, Rallyes und in der Deutschen Rennsport-Meisterschaft.

2002 turbo: Europas erster Serien-Turbo

Im September 1973 stellte BMW auf der Frankfurter IAA den 2002 turbo vor – den ersten europäischen Serienwagen mit Abgasturbolader. Mit 125 kW/170 PS und über 210 km/h Spitze verschob das Modell die Maßstäbe in der Kompaktklasse. Der Frontspoiler mit spiegelverkehrtem „turbo“-Schriftzug wurde zum ikonischen Detail.

Allerdings kam der 2002 turbo mitten in der Ölkrise auf den Markt, was seine Verkaufszahlen begrenzte. Technisch wies er weit über die Baureihe hinaus: Gruppe-5-Versionen mit mehr als 368 kW/500 PS zeigten im Motorsport das Potenzial der Turbo-Technologie. 1983 gewann Nelson Piquet mit Brabham BMW die Formel-1-Weltmeisterschaft – mit einem Turbotriebwerk, dessen technische Wurzeln bis zum 1600-2 zurückreichten.

Cabrios, Touring und Experimente

Neben den Limousinen entstanden Sonderversionen: Baur fertigte in Stuttgart Cabriolets in Handarbeit – zunächst auf Basis des 1600, ab 1971 auf Grundlage des 2002. Bis Anfang 1976 entstanden insgesamt nur 4.199 Exemplare.

Mit dem 02 Touring brachte BMW 1971 nach einem Entwurf von Paul Bracq eine „Kombi-Limousine“ in Serie. Mit steilerer Windschutzscheibe und großer Heckklappe wirkte der Wagen wie ein früher Sportkombi – ein Konzept, das seiner Zeit voraus war. Auch der BMW 2002 GT4 von Pietro Frua und der BMW 2002 ti Garmisch von Marcello Gandini zeigten die Experimentierfreude dieser Jahre. 2019 rekonstruierte BMW den verschollenen Garmisch, 2016 zeigte der Hersteller mit dem BMW 2002 Hommage eine moderne Interpretation des 2002 turbo.

Vom 02 zum 3er

Die 02-Reihe machte den Claim „Freude am Fahren“ auf der Straße erlebbar. Mit geringem Gewicht, fahrerorientierter Ergonomie und direkter Rückmeldung rückten die Modelle die fahrende Person ins Zentrum. 1975 startete mit dem BMW 3er (E21) der offizielle Nachfolger. Er übernahm die sportliche Grundidee und verband sie mit mehr Komfort. Daraus entwickelte sich eine weltweite Erfolgsgeschichte mit inzwischen mehr als 20 Millionen Kunden.

Die Produktion der BMW 02-Limousine endete im Juli 1977. Der 1502 blieb nach dem Start des 3er noch als günstiger Einstieg im Programm und markierte das letzte Kapitel der Reihe. Von März 1966 bis Juli 1977 liefen die 02-Limousinen vom Band.

Spätestens 2007, als auch die letzten 02-Typen das Oldtimeralter erreichten, gehörte die Baureihe fest zur Klassikerszene. BMW Group Classic hält die Verbindung mit Archivarbeit, Restaurationen und Ersatzteilversorgung lebendig. 60 Jahre nach dem Debüt des 1600-2 zeigt sich: Die 02-Reihe brachte Fahrfreude in kompaktes Format, machte Innovation sichtbar und schuf die Grundlage für den heutigen 3er.

Quelle: https://www.bmwgroup.com/de/news/allgemein/2026/60-jahre-bmw-02.html

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