BOKU-Forscherin erhält Kapp-Preis für Sozialpolitik

Katharina Bohnenberger vom Institut für Soziale Ökologie an der BOKU wurde für ihre Dissertation ausgezeichnet. Sie untersucht, wie soziale Absicherung und Klimaschutz zusammenwirken können.
Am 23. Oktober erhielt Katharina Bohnenberger auf der Jahrestagung der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) in Karlsruhe den Kapp-Forschungspreis 2026. Ausgezeichnet wurde ihre Arbeit „Welfare systems within planetary boundaries: Essays on ecological work and social policy“. Die Wissenschafterin forscht am Institut für Soziale Ökologie der BOKU University.
Sozialstaat und Umwelt zusammendenken
Bohnenbergers Forschung verbindet zwei Bereiche, die oft getrennt behandelt werden: Sozialpolitik und Klimaschutz. Ihre zentrale Frage lautet, wie sich Menschen absichern lassen, ohne natürliche Ressourcen weiter zu belasten. Denn staatliche Leistungen und Regelungen beeinflussen, wie gearbeitet, gewohnt und konsumiert wird – und damit auch den Ressourcenverbrauch.
Die Dissertation analysiert, wie verschiedene Formen sozialer Sicherung – von Geldleistungen über Gutscheine bis zu öffentlichen Diensten – ökologische Ziele unterstützen können. Ein Beispiel: Öffentlicher Verkehr sichert Teilhabe und reduziert gleichzeitig die Autoabhängigkeit. Ihr Ansatz heißt „Sustainable Welfare“ – ein gutes Leben innerhalb planetarer Grenzen.
„Soziale Sicherheit und der Schutz unserer Lebensgrundlagen gehören zusammen. Der Sozialstaat kann mehr, als die Folgen von Krisen abzufedern: Er kann nachhaltiges Leben und Arbeiten für alle ermöglichen. Dafür müssen wir Sozial-, Arbeits- und Umweltpolitik gemeinsam denken“, so Bohnenberger.
Bewertungssystem für nachhaltige Arbeit
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der ökologischen Dimension von Erwerbsarbeit. Bohnenberger entwickelte ein System, das über die simple Einteilung in „grüne“ und andere Branchen hinausgeht. Bewertet werden Produkte und Dienstleistungen, Tätigkeiten, produktionsbedingter Verbrauch sowie der Einfluss der Arbeitsbedingungen auf den Alltag. So entscheiden etwa Arbeitszeiten und -orte mit darüber, ob Beschäftigte öffentlich anreisen können.
Darauf aufbauend untersucht die Arbeit acht Strategien für eine ökologische Arbeitsmarktpolitik – darunter die Umstellung auf nachhaltige Produkte, Weiterbildung und eine Neuverteilung von Arbeitszeit. Die Analyse zeigt Wege auf, wie der ökologische Wandel sozial gerecht gestaltet werden kann.
Jury würdigt systematische Erschließung
Die Jury hob hervor, dass die Dissertation Wohlfahrtsstaat, Arbeit und Sozialpolitik als zentrale Handlungsfelder eines Wandels innerhalb planetarer Grenzen erschließt. Besonders gewürdigt wurden die Weiterentwicklung von „Sustainable Welfare“ sowie die Systematisierungen nachhaltiger Wohlfahrt, Beschäftigung und ökologischer Arbeitsmarktpolitik.
Vergeben wird er von der VÖÖ gemeinsam mit der Selbach-Umwelt-Stiftung und der anstiftung.
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