BORG Mistelbach bei EU-Planspiel in Straßburg

Mathias FischerMathias Fischer
Jugendliche im EU-Parlament Straßburg mit Namensschildern und Sitznummern 68 und 69.
© BORG Mistelbach

Fünf Schülerinnen und Schüler des BORG Mistelbach haben Ende Juni am „Parlement européen des lycéens“ in Straßburg teilgenommen. Über 520 Jugendliche aus 35 europäischen Schulen schlüpften dabei in die Rolle von EU-Parlamentariern und Ministerinnen.

Von 21. bis 24. Juni 2026 waren fünf Jugendliche aus den sechsten und siebten Klassen des BORG Mistelbach beim achten „Parlement européen des lycéens“ (PEL) in Straßburg dabei. Begleitet von ihrer Französischlehrerin Prof. Fastabend reisten sie gemeinsam mit Schülerinnen, Schülern und zwei Lehrkräften der Deutsch-Slowakischen Begegnungsschule aus Bratislava an. Die Busfahrt dauerte zehn Stunden.

Zehn Monate lang hatten sich die Teilnehmenden auf das Planspiel vorbereitet, bei dem sie die Rollen von Abgeordneten und Mitgliedern des EU-Rats übernehmen. Insgesamt nahmen mehr als 520 Schülerinnen und Schüler von 35 Schulen aus ganz Europa teil, darunter 54 verschiedene Nationalitäten. Bereits am Ankunftsabend trafen die Jugendlichen auf Gleichaltrige, die sie aus Online-Teamsitzungen während der Vorbereitung kannten.

Debatten über Neurotechnologien und Wasserresilienz

Im Zentrum des Planspiels standen echte Gesetzesentwürfe der EU-Kommission. Die Jugendlichen erarbeiteten in Fraktionen und Ausschüssen Änderungsanträge und verteidigten diese in Debatten. Ein Thema war ein europäischer Rahmen für Neurotechnologien und Gehirn-Computer-Schnittstellen, der neuronale Daten und die mentale Privatsphäre schützen soll.

Ein weiterer Ausschuss befasste sich mit einer Strategie zur Wasserresilienz, die Mitgliedstaaten verpflichten würde, Wasserverluste in Leitungen bis 2030 auf fünf Prozent zu senken. Im Verteidigungsausschuss wurde über die strategische Autonomie Europas diskutiert, einschließlich der Idee eines ständigen EU-Hauptquartiers für Auslandseinsätze in Saarbrücken.

Hochrangige Grußworte zur Eröffnung

Die Bedeutung des Projekts zeigte sich an den Grußworten zur Eröffnung. Unter anderem sprachen die Europaabgeordnete Fabienne Keller und hochrangige Vertreterinnen und Vertreter des Europäischen Parlaments. Wiederholt wurde betont: Demokratie lebe vom Zuhören und Mitmachen, die Zukunft Europas liege in den Händen der jungen Generation.

Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlandes und Bevollmächtigte für die deutsch-französischen Kulturbeziehungen, wurde besonders deutlich. Wie Europa in Zukunft aussehe, sei keine Selbstverständlichkeit: „Zukunft passiert nicht einfach“, sagte sie. Demokratie bedeute, einander zuzuhören und andere Meinungen auszuhalten.

Die Welt werde unübersichtlicher – Nationalismus, schwindende Liberalität, soziale Ungerechtigkeit, dazu Klima und die Zukunft der Wirtschaft. All das brauche Antworten, betonte Rehlinger an die Jugendlichen gerichtet: „eure Antworten“. Für das Saarland sei Europa keine abstrakte Idee, sondern Alltag. Europa funktioniere nur, wenn Menschen sich beteiligen und das Gefühl haben, selbst etwas bewegen zu können.

Mehrsprachigkeit als demokratische Legitimität

Juan Carlos Jiménez Marín, Generaldirektor für Logistik und Dolmetschen am Europäischen Parlament, sprach über die Bedeutung von Sprachen. Mehrsprachigkeit sei Teil der demokratischen Legitimität der EU – alle hätten das Recht, in ihrer eigenen Sprache zu sprechen und zu verstehen, was warum entschieden wird.

Sprachen bauten Brücken, sie erforderten Dialog und Zusammenarbeit. Gerade Kriege und internationale Spannungen verlangten nicht weniger, sondern mehr Gespräch und die Bereitschaft, fremde Perspektiven zu verstehen.

Die fünf Jugendlichen aus Mistelbach erlebten dies direkt: Zwischen Englisch, Deutsch und Französisch wechselten sie ständig und trainierten so ihre Sprachenflexibilität. Bei den hochsommerlichen Temperaturen in Straßburg lernten auch jene ohne Französischkenntnisse Vokabeln wie „la canicule“, „il fait chaud“ und „j'ai soif“.

Botschafterinnen und Botschafter der europäischen Idee

Jutta Schulze-Hollmen vom Europäischen Parlament betonte, die Anwesenden stünden für Dialog, Zukunft und Demokratie. Jede und jeder Einzelne sei eine Stimme für die Bürgerinnen und Bürger Europas. Ihr Programm für die kommenden Tage fasste sie in fünf Worten zusammen: zuhören, lernen, nachdenken, debattieren, entscheiden.

Heike Winzent, Präsidentin des saarländischen Landtags, verwies darauf, dass das PEL seit seiner Gründung 2019 Schulen, Mitgliedstaaten und hunderte junge Menschen zusammenbringe. Es entwickle ein echtes Verständnis dafür, wie europäische Gesetzgebung entsteht. Der Erfolg der EU werde heute von vielen Seiten angegriffen – Meinungsfreiheit und transparente Politik seien jedoch durch die europäischen Verträge geschützt. Die Teilnehmenden seien Botschafterinnen und Botschafter der europäischen Idee.

Neben der politischen Arbeit entstanden in Straßburg neue Freundschaften. Jugendliche mit 54 verschiedenen Nationalitäten hörten einander zu, debattierten und stellten fest, wie viel sie verbindet. Die fünf Schülerinnen und Schüler aus Mistelbach haben Europa nicht als ferne Institution, sondern als gelebte Erfahrung kennengelernt.

Quelle: https://www.borgmistelbach.ac.at/2026/07/02/demokratie-zum-anfassen-schuelerinnen-und-schueler-des-borg-tagen-im-europaeischen-parlament

Jugendliche sitzen in einem prunkvollen Saal mit goldenen Verzierungen.
© BORG Mistelbach
Schülergruppe mit Dokumenten vor EU-Parlaments-Rednerpult in Straßburg
© BORG Mistelbach

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