Bürgerinitiativen kämpfen gegen Hochspannungsleitung

Pia ProdingerPia Prodinger
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Ein Zusammenschluss von 16 Bürgerinitiativen hat sich am Freitag in Klagenfurt gegen den geplanten 380-kV-Netzausbau in Kärnten ausgesprochen. Die Vertreter kritisieren das Projekt als unnötig und befürchten massive Eingriffe in die Landschaft.

Vertreter von 16 zusammengeschlossenen Bürgerinitiativen haben am Freitag in Klagenfurt ihre Ablehnung des von Austrian Power Grid (APG) und der Kärnten Netz GmbH geplanten 380-kV-Netzausbaus bekundet. Das Bauvorhaben sei überflüssig, beeinträchtige die Landschaft massiv und führe zu erheblichen Wertverlusten bei den Immobilien der Anrainer, lautete die Kritik.

Anwalt Wolfgang List äußerte Zweifel daran, ob sich die Republik das milliardenteure Projekt überhaupt leisten könne. Die Kosten würden über die Netzkosten auf die Konsumenten abgewälzt. Es gebe zu wenige öffentlich zugängliche Unterlagen, weshalb unklar bleibe, warum das Projekt überhaupt verfolgt werde. List kündigte an, unter anderem den Rechnungshof einschalten zu wollen.

Eberhard Burkel vom Verein „Lebensraum Kärnten ohne Hochspannungs-Stromfreileitungen“, ein emeritierter Physikprofessor aus Deutschland und Anrainer am Ossiacher Tauern, verwies auf den Landschaftsschutz in der Kärntner Landesverfassung. „Wir sind nicht damit einverstanden, dass die Landschaft verschandelt wird“, sagte er. Die geplanten Masten seien ähnlich hoch wie der Pyramidenkogel-Turm.

Befürchtungen wegen Natureingriff und Wertverlust

Christa Hintermann von der Bürgerinitiative „Gegenstrom 380kV“ erklärte, sie habe sich bereits gegen Windräder auf Bergen engagiert, „jetzt kommt dasselbe mit dieser Monsterleitung“. Mit einem Folder wollen die Bürgerinitiativen gegen die „Stromautobahn von Lienz nach Völkermarkt“ mobilisieren. Befürchtet werden massive Natureingriffe, Bodenversiegelung, neue schwerlasttaugliche Straßen und Rangierflächen, Schäden für die Biodiversität, erhöhte Brandgefahr, elektromagnetische Felder und Lärm. Die Trasse verläuft großteils durch Waldgebiete.

Unternehmensberater Peter Unterluggauer sieht keinen Bedarf an einer neuen Hochspannungsleitung. Er zweifelt auch daran, dass die Industrie den Netzausbau benötige. Die „unnötige Leitung“ solle eingespart werden, um die Netzkosten zu entlasten. Die APG verfüge bereits über große Kapazitätsreserven, bestehende Trassen könnten durch technische Optimierung ihre Kapazitäten verdoppeln.

APG verteidigt Projekt als notwendig

Die neue Trasse zwischen Lienz in Osttirol und Obersielach in Kärnten soll 192 Kilometer lang werden und spätestens 2035 in Betrieb gehen. Sie soll das Stromnetz in Österreich stabiler machen. Die Kelag-Tochter Kärnten Netz verlegt über einen Großteil der Strecke eine 110-kV-Leitung mit. Aktuell laufen die Detailabstimmungen zur Trasse.

APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner erklärte am Freitag in einer Aussendung: „Mit dem Projekt Netzraum Kärnten schließen wir die einzige Lücke, die es im 380-kV-Versorgungsring Österreichs noch gibt.“ Auch für Kärnten sei die Leitung essenziell, damit die Industrie ihre Prozesse dekarbonisieren könne und Zugang zu preisgünstigem Strom habe, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Quelle: APA

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