Bürgerinitiativen kämpfen gegen Stromleitung in Kärnten

Rund 15 Bürgerinitiativen wehren sich gegen den geplanten Bau einer 380-kV-Stromleitung von Lienz nach Völkermarkt. Sie fordern einen sofortigen Planungsstopp und bezweifeln die Notwendigkeit des Projekts, so der ORF.
Mit dem Slogan „Keine Stromautobahn – von Lienz nach Völkermarkt“ traten am Freitag mehrere Bürgerinitiativen bei einer Pressekonferenz auf. Etwa 15 Initiativen haben sich zusammengeschlossen, um gegen die geplante Hochspannungsleitung zu protestieren. Ihr erklärtes Ziel ist der Schutz von Landschaft und Gesundheit.
Eine der Initiativen trägt den Namen „Gegenstrom“ und wurde in Arriach ins Leben gerufen. Sprecherin Christa Hintermann betonte die Verantwortung der Bevölkerung: „Wir als Bürger bürgen dafür und wir werden das bezahlen. Deshalb sehe ich es als unser Recht und unsere Pflicht an, dass wir uns zur Wehr setzen.“
Kosten und Nutzen werden infrage gestellt
Der Netzbetreiber Austrian Power Grid (APG) beziffert die Gesamtkosten des Projekts mit drei Milliarden Euro. Der auf Umweltrecht spezialisierte Anwalt Wolfgang List hält diese Summe für zu niedrig angesetzt. Selbst dieser Betrag sei jedoch nicht zu rechtfertigen, argumentierte der 70-Jährige. Er kritisierte, dass überall gespart werde, während eine Stromleitung gebaut werden solle, die den Tourismus schädige.
List machte deutlich, dass es ihm nicht um Trassenveränderungen oder Natura-2000-Gebiete gehe, sondern um die grundsätzliche Verhinderung des Projekts. In Schriftsätzen an die EU-Kommission und die Kärntner Landesregierung argumentierte er im Auftrag der niederösterreichischen Umweltorganisation „Pro Thayatal“, dass die Leitung schlicht nicht benötigt werde.
Zweifel an Bedarfsprognosen
Unternehmensberater Peter Unterluggauer stellte die Prognosen zum Strombedarf infrage. Selbst bei optimistischsten Annahmen werde der Strombedarf im APG-Netz bis 2040 maximal um 25 Prozent steigen und nicht um 100 Prozent, wie vom Netzbetreiber angenommen. Die Industrie sei daher auch ohne neue Leitung nicht gefährdet.
Die Bürgerinitiativen verlangen einen sofortigen Stopp der Planungen für die 380-kV-Leitung. Als Alternativen schlagen sie die Verstärkung bestehender Leitungen oder den Einsatz von Erdkabeln vor.
Netzbetreiber setzt auf Dialog
Die APG betonte, auf Information und Dialog mit der Bevölkerung zu setzen. Bisher habe es mehr als 1.000 persönliche Gespräche, acht Infomessen in den Gemeinden und tausende Besucher auf dem digitalen Infoportal gegeben. Man wolle gemeinsam Lösungen finden.
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