Buhrufe für Mars-„Ariadne“ bei Salzburger Festspielen

Die zweite Opernpremiere der Salzburger Festspiele sorgte für gemischte Reaktionen: Regisseur Ersan Mondtag verlegte Richard Strauss' „Ariadne auf Naxos“ auf den Mars. Das Konzept überzeugte nicht alle – am Ende überwogen die Buhs die Bravorufe.
Bei den Salzburger Festspielen wurde Richard Strauss' Oper „Ariadne auf Naxos“ in einer ungewöhnlichen Inszenierung präsentiert. Ersan Mondtag, der sein Debüt beim Festival gab, verlegte das Geschehen auf den roten Planeten Mars. Die Umsetzung des Konzepts blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. Nur vereinzelte Bravorufe mischten sich am Ende in einen Sturm von Buhrufen.
Das Werk von Strauss und seinem Librettisten Hugo von Hofmannsthal stellt für Regisseure eine besondere Herausforderung dar, da es musikalisch und narrativ komplex verschiedene Zeitebenen verschneidet. Mondtag löste sich von dieser Chronologie, indem er die Handlung in die Zukunft verlegte. Die im Vorfeld angekündigte Anspielung auf Silicon-Valley-Milliardäre und deren Fantasien von Erdzerstörung und Zivilisationsneuanfang wirkte bei einem Stück, in dem der Milliardär selbst nie auf der Bühne erscheint, konstruiert.
Vom Wüstenhöhle bis zum verendeten Elefanten
Während der Ouvertüre wurde ein Einspielerfilm im Stil von „Dune“ gezeigt. Im Vorspiel, das in einer höhlenartigen Wüstenhalle spielte, blieb der Mars noch weitgehend Behauptung. Erst im zweiten Teil, in dem die bestellte Opera buffa und seria als Mash-up aufgeführt werden, entfaltete der Berliner Regisseur, der auch für Bühne und Kostüm verantwortlich zeichnete, seine volle Bildsprache.
Der Tanzmeister Jonas Hacker erinnerte optisch an das ESC-Duo Jedward. Kate Lindsey als Komponist war gestylt wie Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec. Eine der Nymphen schwebte im Michelin-Männchen-Look durch die Decke, während das Wachpersonal in hautfarbenen Strampleren und Helmen an Wehrmachtssoldaten erinnerte. Die leidende Ariadne sang neben einem verendeten oder schlafenden Elefanten, einem Löwen und einem Affen.
Nilsson und Dai als Publikumslieblinge
Christina Nilsson, die die Rolle von der ausgestiegenen Elīna Garanča übernommen hatte, überzeugte mit satter, voller Höhe. Lediglich bei einigen tiefen Stellen hatte sie Mühe. Ihr Gegenpart Zerbinetta wurde von der chinesischen Koloratursopranistin Ziyi Dai gesungen, die bei ihrem Salzburg-Debüt mit der Koloraturarie „Großmächtige Prinzessin“ zum Publikumsliebling wurde.
In der Inszenierung musste sie dabei anstelle der Prinzessin Ariadne den Komponisten ansingen, der sich für sie zur Frau wandelte. Währenddessen trieben es ihre Liebhaber mit Tänzern, die immer wieder die Bühne bevölkerten.
Nilsson und Dai standen an der Spitze des am Ende umjubelten Sängerensembles. Dieses sah sich neben der Mars-Welt noch mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert: Obwohl Strauss die Oper nur für eine Kammerbesetzung von drei Dutzend Musikern schrieb, kreierte er dank entsprechender Instrumentierung einen überraschend fetten Sound. Manfred Honeck am Pult der Wiener Philharmoniker gab Stoff und übertönte stellenweise immer wieder die Sänger.
100 Jahre nach der ersten Salzburg-Inszenierung
Die Produktion markierte einen deutlichen Kontrast zur ersten Salzburger Festspiel-Inszenierung des Werks im Jahr 1926, als einmal sogar Strauss selbst am Pult stand. Mit dieser Interpretation hätte das damalige Team wohl nicht gerechnet. Den Buhrufen nach zu urteilen hätte so mancher Opernfreund des Jahres 2026 das Leadingteam am liebsten auf den Mars geschossen.
Weitere Aufführungen finden am 7., 10., 14., 24. und 28. August im Haus für Mozart statt.
Quelle: APA
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