Bundesheer digitalisiert Stellungsprozess bis Oktober

Das Bundesheer führt bis Herbst eine teilweise Digitalisierung der Stellung ein. Stellungspflichtige können künftig medizinische Befunde, Ausbildungsnachweise und persönliche Interessen vorab online hochladen.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) hat am Donnerstag in Klagenfurt die Digitalisierung des Stellungsprozesses angekündigt. Junge Männer, die zur Stellung müssen, können künftig über eine Plattform bereits vor dem eigentlichen Termin bei einer der sechs Stellungskommissionen Dokumente hochladen. Dazu zählen medizinische Befunde, aber auch Angaben zu Ausbildungen, persönlichen Interessen oder Kenntnissen.
Die Verteidigungsministerin betonte, dass die Grundwehrdiener die Basis für das Heer seien. Durch die Digitalisierung des Wehrdienstes werde ein modernes und zeitgemäßes Erscheinungsbild geboten. Bisher war es üblich, dass die jungen Männer Dokumente über Ausbildungen oder Vorerkrankungen in Papierform mitbringen mussten. Ab den kommenden Monaten sei dies digital möglich. Die Teilnahme an der digitalen Abwicklung bleibe freiwillig, so Tanner. Der Datenschutz spiele besonders bei sensiblen Daten wie medizinischen Befunden eine große Rolle.
Die Digitalisierung startete am 1. Juni in Kärnten. Bis Oktober soll sie auf alle Stellungskommissionen in Österreich ausgeweitet werden.
Vereinfachter Ablauf und Talente-Tool
Staatssekretär für Digitalisierung Alexander Pröll (ÖVP) hob eine bessere Datenqualität und einen vereinfachten, verbesserten Ablauf hervor. So könnten etwa Bahngutscheine für die Fahrt zur Musterung online verschickt werden. Herbert Binder, Abteilungsleiter für Personalapplikationen, erklärte, man habe nicht nur ein klassisches Papierformular digitalisiert, sondern den gesamten Prozess transformiert. Die Stellungspflichtigen würden per E-Mail an den Termin erinnert – ein Zettel, der mit der Post komme, werde leicht einmal verlegt.
Mit einem eigenen „Talente-Tool“ werden die jungen Leute zielgerichtet zu Informationen hingeführt und bekommen die Möglichkeiten aufgezeigt, die das Bundesheer bietet – vom Erwerb verschiedener Führerscheine bis hin zum Sanitätsdienst.
Vorab-Teilnahme als Herzstück
Die sogenannte „Vorab-Teilnahme an der Stellung“ sei das Herzstück, so Binder. Während künftige Rekruten derzeit mit einer Dokumentenmappe anreisen, könne dies künftig im Voraus erledigt werden. Wer beispielsweise angibt, an einer Allergie zu leiden, könne online gleich einen Nachweis anhängen. Es komme hin und wieder vor, dass dieser Nachweis bei der Stellung selbst vergessen werde.
Über die Plattform kann auch der Stellungstermin verschoben und können Atteste zur Begründung eingebracht werden. Zudem kann ein Wunschtermin für die Einberufung bekanntgegeben werden.
Eine Verkürzung der Stellungsprozedur selbst – derzeit eineinhalb Tage – ist vorerst nicht vorgesehen. Das Herzstück der Stellung sei die medizinische und psychologische Untersuchung, hieß es am Donnerstag. Von der Digitalisierung erwarte man sich jedoch eine verbesserte Datenqualität und einen vereinfachten Prozess.
Quelle: APA
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