Burg Rappottenstein gibt trauernden Familien Kraft

Auf der Burg Rappottenstein im Waldviertel finden Familien in Krisensituationen Halt. Seit 2011 wurden dort mehr als 370 Familien mit über 700 Kindern betreut, so der ORF.
Vor 15 Jahren verloren Julia und Stefanie Muthsam ihren Vater bei einem Baggerunfall. Damals war Julia zehn, ihre Schwester Stefanie acht Jahre alt. In dieser schweren Zeit fand die Familie Unterstützung auf der Burg Rappottenstein im Waldviertel.
Barbara Wohlmuth, die Mutter der beiden, beschreibt den Ort als Kraftplatz. Man könne Distanz zum Alltag gewinnen und müsse sich nicht um Kleinigkeiten kümmern. „Man kann einmal ganz tief eintauchen in die Trauer und geht nachher erleichtert nach Hause“, erinnert sie sich.
Die beiden Schwestern verbrachten die Zeit gemeinsam mit einer weiteren Familie, die ebenfalls einen Verlust erlitten hatte. Für sie war es wichtig zu wissen, dass das Gegenüber ihre Situation versteht. „Der Ort hat uns einfach verstanden. Wir haben uns nicht begründen müssen“, erzählt Julia Muthsam. Die Tränen seien geflossen, ohne dass jemand gefragt habe, warum sie traurig seien.
Individuelles Programm für jede Familie
Die Kinderburg bietet Familien in Ausnahmesituationen Raum zum Abschalten, Trauern und Zusammensein. Gespräche, Spiele, Aktivitäten mit Tieren oder Zeit in der Natur gehören zum Angebot. Das Programm wird individuell gestaltet, nach dem Prinzip: So viel Betreuung wie nötig, so viel Freiraum wie möglich.
Für Stefanie Muthsam war die Rückkehr nach langer Zeit sehr emotional. Beim Betreten der Räumlichkeiten sei alles wieder hochgekommen, erzählt sie.
Bettina Hohl, die vor 15 Jahren die Kinderburg leitete, zeigt sich bewegt. Aus den kleinen Mädchen seien junge Frauen geworden, die erfolgreich sind und mit beiden Beinen im Leben stehen. Die Erinnerungen an den Aufenthalt seien sowohl beim Betreuungsteam als auch bei der Familie noch lebendig.
Über 700 Kinder seit 2011 betreut
Seit 2011 wurden auf der Burg Rappottenstein mehr als 370 Familien mit insgesamt über 700 Kindern begleitet. Cornelia Seper, Leiterin der Kinderburg, betont die Notwendigkeit eines solchen Ortes. Im Alltag gehe vieles unter, man finde nicht die Zeit, sich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen. Hier sei der Blick von außen möglich.
Die Grundidee ist auch nach 15 Jahren unverändert: Menschen wie Familie Muthsam in schwierigen Lebensphasen Kraft zu geben. Das Rote Kreuz arbeitet dafür mit der Familie Abensperg und Traun zusammen, der die Burg gehört.
Der Aufenthalt wird großteils über Spenden finanziert, die unter anderem über ein jährliches Benefizkonzert oder andere Veranstaltungen gesammelt werden. Am 5. September findet die Benefizausfahrt „Ride for Kids“ zugunsten der Kinderburg statt.
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