Burgenland Energie steigert Eigenversorgung auf 75 Prozent

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Burgenland Energie hat fünf Jahre nach dem Start ihrer Unternehmensstrategie „Change“ den Anteil der selbst erzeugten Energie von 50 auf rund 75 Prozent erhöht. Gleichzeitig verdoppelte das Unternehmen seine Erzeugungskapazität und seinen Unternehmenswert auf 1,6 Milliarden Euro.

Seit dem Start der Strategie „Change“ im Jahr 2021 hat die Burgenland Energie ihre erneuerbare Erzeugungskapazität mehr als verdoppelt. Der Eigenversorgungsgrad des Bundeslandes stieg von rund 50 auf etwa 75 Prozent des Energiebedarfs. Der Unternehmenswert wuchs im selben Zeitraum von rund 800 Millionen Euro auf 1,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen bezeichnet sich heute als größtes erneuerbares Energieunternehmen Österreichs.

Stephan Sharma, Vorstandsvorsitzender der Burgenland Energie, erklärt: „Unser Ziel war von Beginn an klar: Wir wollen das Burgenland für seine Menschen, Unternehmen und Gemeinden bis 2030 energieunabhängig und klimaneutral machen.“ Die Energieunabhängigkeit sei keine Vision mehr, sondern bereits in Umsetzung.

Ausbau trotz Krisen vorangetrieben

Als die Strategie 2021 startete, deckte das Burgenland etwa die Hälfte seines Energiebedarfs aus eigener Produktion. Das Ziel: die Abhängigkeit von Energieimporten bis 2030 gegen null zu bringen und die CO2-Emissionen im Energiebereich von damals rund zwei Millionen Tonnen pro Jahr massiv zu reduzieren. Trotz der Energiekrise nach dem Ukraine-Krieg, globaler Lieferengpässe und verzögerter gesetzlicher Rahmenbedingungen wurde der Ausbau fortgesetzt.

Die Burgenland Energie hat nach eigenen Angaben in den vergangenen fünf Jahren mehr zusätzliche erneuerbare Erzeugungskapazität geschaffen als einzelne österreichische Bundesländer im selben Zeitraum. Grundlage dafür ist der massive Ausbau von Windkraft, Photovoltaik und Speichern.

Österreichweite Meilensteine bei erneuerbaren Energien

Das Unternehmen setzte mehrere Projekte um, die über das Burgenland hinaus Maßstäbe gesetzt haben. Das größte Wind-Repowering-Programm Österreichs wurde abgeschlossen, bei dem bestehende Anlagen durch leistungsstärkere Windkraftanlagen ersetzt wurden. Erstmals in Österreich wurde bei Windrädern das rote blinkende Nachtlicht mit einer Sensorsteuerung und Infrarotlicht ausgeschaltet.

In Schattendorf entstanden Österreichs erste kombinierte Wind- und Photovoltaikanlagen, die mittlerweile zum Marktstandard geworden sind. In Nickelsdorf errichtete die Burgenland Energie Österreichs erste Photovoltaikanlage mit 100 MW Leistung – zu einem Zeitpunkt, als die größte PV-Anlage des Landes rund 20 MW hatte.

In Andau, Tadten und Wallern entstand eine der größten europäischen kombinierten Agri-Wind-Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 240 MW. Die Anlage verbindet erneuerbare Stromerzeugung aus Wind und Photovoltaik mit Bio-Landwirtschaft, Biodiversität und der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, Gemeinden und Unternehmen.

Speicherinfrastruktur in allen Regionen

Parallel zum Ausbau der erneuerbaren Erzeugung wurde die Speicherinfrastruktur aufgebaut. Erstmals in der Energiegeschichte des Bundeslandes gibt es in jeder Region einen eigenen großen Batteriespeicher. Speicher im Nord-, Mittel- und Südburgenland sind bereits umgesetzt. Bis 2027 sollen insgesamt zehn große Speicherprojekte mit einem Speichervolumen von mehr als 700 MWh realisiert werden. Damit kann die erneuerbare Energie auch dann genutzt werden, wenn keine Wind- oder PV-Erzeugung vorhanden ist.

Wasserstoffprojekt auf Eis gelegt

Das Projekt „Wasserstoff Burgenland“, das für Unternehmen fossile, ausländische Gasimporte durch grünes Gas aus Österreich ersetzen soll, ist genehmigungsreif fertig entwickelt. Das technische Engineering sowie die Einreichungsunterlagen sind fertiggestellt. Für die Umsetzung fehlen jedoch noch bundesgesetzliche Rahmenbedingungen, wie das GWG. Daher wurde das Projekt on hold gesetzt.

Das Projekt ist seit 2022 Teil der österreichischen Netzinfrastrukturplanung, wie ÖNIP und AGGM Langfristplanung sowie im Wasserstoffbeirat der österreichischen Bundesregierung. Sharma betont, dass es sich um ein öffentliches Projekt handelt, das über öffentliche Gaspipelines Industrieunternehmen in Burgenland und Österreich mit grünem Gas versorgen soll.

70.000 Menschen in Energiegemeinschaft

Der Umbau des Energiesystems beschränkt sich nicht auf große Erzeugungsanlagen. Das Produktportfolio wurde seit 2021 von klassischen Energietarifen auf Energieunabhängigkeitsprodukte für Haushalte, Unternehmen und Gemeinden ausgerichtet. In den vergangenen fünf Jahren wurden rund 17.000 Energieunabhängigkeitsprojekte in ganz Österreich – vom Burgenland bis Vorarlberg – umgesetzt.

Mit dem „Fanclub Burgenland Energieunabhängig“ entstand nach Unternehmensangaben Europas erste Energiegemeinschaft für eine gesamte Region. Mittlerweile sind rund 70.000 Menschen Teil dieser Energieunabhängigkeitsbewegung. Österreichweit wurden für Unternehmen wie ÖAMTC, ÖBB, Borealis, Ströck, Krone, Samariterbund oder ORF Energieunabhängigkeitsprojekte umgesetzt.

Weitere 1.500 MW bis 2030 geplant

Bis 2030 soll das Burgenland die Energieunabhängigkeit und Klimaneutralität erreichen. Dafür ist die nächste Ausbauphase bereits geplant. Insbesondere im Mittelburgenland sollen weitere Windkraft-, Photovoltaik- und Speicherprojekte umgesetzt werden. In Summe ist bis 2030 eine zusätzliche Leistung von über 1.500 Megawatt vorgesehen.

Sharma erklärt abschließend: „Wir haben in fünf Jahren gezeigt, dass Energieunabhängigkeit umsetzbar ist. Jetzt geht es darum, diesen Weg konsequent fortzusetzen. Unser Ziel für 2030 steht: ein energieunabhängiges und klimaneutrales Burgenland und eine Energieinfrastruktur, die Wertschöpfung und Sicherheit für kommende Generationen schafft.“

Quelle: OTS

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