Burgenland hat höchstes Defizit pro Kopf aller Länder

Pia ProdingerPia Prodinger
Burgenland: Finanzlast mit 1,9 Milliarden Euro Schulden und 84% Anstieg, Schuldenstand steigt.
© Mit KI (Gemini) generiert

Das Burgenland weist unter den Bundesländern die höchste Pro-Kopf-Verschuldung auf. Ein Wifo-Ökonom empfiehlt eine Konsolidierung des Budgets. Am Mittwoch debattiert der Landtag über die Landesfinanzen.

Im burgenländischen Landtag findet am Mittwoch eine von der ÖVP verlangte Sondersitzung zu den Landesfinanzen statt. Erstmals nach seiner Kehlkopf-Operation nimmt auch Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ), der auch Finanzreferent ist, wieder an einer Sitzung teil.

Wifo-Ökonom Hans Pitlik äußerte sich auf Anfrage der APA zur finanziellen Lage des Bundeslandes. Mit Blick auf die Pro-Kopf-Verschuldung der Bundesländer sei das Burgenland „kein finanzpolitischer Musterknabe“.

Schuldenstand seit 2019 um 84 Prozent gestiegen

Der öffentliche Schuldenstand des Burgenlands belief sich 2025 auf 1,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 84 Prozent seit 2019. „Das ist schon ordentlich“, so Pitlik. Er verwies allerdings darauf, dass in diesem Zeitraum die Covid-Pandemie und die Energiekrise bewältigt werden mussten, was zu höheren Schulden und Defiziten geführt habe. Entscheidend seien jedoch die Pro-Einwohner-Daten.

Laut Statistik Austria betrug die Pro-Kopf-Verschuldung im Burgenland zuletzt auf Landes- und Gemeindeebene 7.783 Euro. Auf Landesebene allein waren es 6.349 Euro. „Ich will nicht dramatisieren, aber da steckt eine ziemlich ordentliche Dynamik dahinter“, stellte Pitlik fest.

Höchstes Defizit pro Kopf auf Landesebene

Das Burgenland verzeichnete 2025 auf Landesebene ein Defizit von 722 Euro pro Kopf. Wien ausgeklammert, ist das das höchste Defizit pro Kopf aller Bundesländer auf Landesebene. Kritik an den Landesfinanzen sei daher nicht unberechtigt, so der Budgetexperte.

Verantwortlich für das höhere Defizit seien Einnahmenausfälle sowie „Projekte, die die Ausgabendynamik steigern“. Als Beispiele nannte Pitlik den Mindestlohn für Landesbedienstete und den Ankauf von Unternehmen durch das Land, „die am Markt sonst pleite gegangen wären“.

„Es ist unwahrscheinlich, dass Unternehmen unter staatlicher Führung gerettet werden. Das kann öffentliche Budgets auch in Zukunft belasten, davon muss man ausgehen. Der Staat war noch selten ein guter Unternehmer“, erklärte der Ökonom. Landeseigene Betriebe stünden zudem in Konkurrenz zu privaten Betreibern.

Budgetkonsolidierung notwendig

„Die relevante Größe ist die Pro-Kopf-Verschuldung und das Burgenland ist unter den Bundesländern mit dem höchsten Schuldenstand“, so Pitlik. Um gegenzusteuern, brauche es eine Konsolidierung des Budgets: „Weniger bis keine jährlichen Defizite, am besten Überschüsse.“

Die Erlöse aus dem Verkauf der Wohnbaudarlehen sollten „komplett dafür verwendet werden, die Schulden zu reduzieren“. „Tafelsilber“ seien die Wohnbaudarlehen jedenfalls nicht, da es sich um eine spezielle Subvention gehandelt habe.

Quelle: APA

Worüber spricht Eisenstadt morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.