Burgenland kritisiert Bund wegen Renaturierungsplan

Die burgenländische Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner wirft der Bundesregierung vor, den nationalen Wiederherstellungsplan zu verzögern und inhaltlich zu verwässern. Österreich hätte den Entwurf am 1. September an die EU-Kommission übermitteln müssen.
Österreich hätte seinen Entwurf für den nationalen Wiederherstellungsplan bis zum 1. September an die Europäische Kommission übermitteln sollen. Dennoch gibt es weiterhin Diskussionen über Datengrundlagen, Berechnungsmethoden und noch nicht vergebene Aufträge. Die burgenländische Landeshauptmann-Stellvertreterin und Umweltlandesrätin Anja Haider-Wallner übt deshalb deutliche Kritik an der Bundesregierung.
„Ein belastbarer Plan zeigt, welche Renaturierungsmaßnahmen Österreich braucht und welche Mittel dafür notwendig sind. Mit einem lückenhaften Plan schwächt die Bundesregierung ihre eigene Position in Brüssel und riskiert ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich“, erklärte Haider-Wallner.
Diskussionen über Daten und Berechnungen
Seit etwa einem Jahr arbeiten die Bundesländer an ihren fachlichen Beiträgen für den Wiederherstellungsplan. Besonders umstritten ist dabei die Naturschutz-Arbeitsgruppe zu Artikel 4 der EU-Verordnung. Ursprünglich war vorgesehen, das Umweltbundesamt mit den Arbeiten zu beauftragen. Auf Initiative des Umweltministeriums wurden jedoch zusätzlich das Bundesforschungszentrum für Wald sowie die HBLFA Raumberg-Gumpenstein eingebunden. Seither wird über die verwendeten Datengrundlagen und Methoden gestritten.
Auch bei der Finanzierung und Vergabe wesentlicher Grundlagenarbeiten sieht Haider-Wallner erhebliche Verzögerungen. Obwohl die Finanzierung bereits im September 2025 zugesagt worden sei, erfolgte die Beauftragung des ersten Arbeitspakets erst im Februar 2026. Der zweite zentrale Teil sei nach wie vor ausständig.
„Der Bund hält sich nicht an die eigenen Fristen und blockiert damit offensichtlich einen sinnvollen Renaturierungsplan“, kritisierte die Landesrätin.
Kritik an geänderten Berechnungsmethoden
Besonders kritisch bewertet Haider-Wallner die Änderung bei der Berechnung des Renaturierungsbedarfs. Im österreichischen Waldbiodiversitätsbericht waren im Februar 2026 noch rund 40 Prozent der geschützten Waldlebensräume in einem guten Zustand ausgewiesen worden. In einer wenige Monate später veröffentlichten Überarbeitung lag dieser Wert plötzlich bei 93 Prozent. Grund dafür sei eine geänderte Berechnungsmethode.
„Wenn der Anteil der Wälder in gutem Zustand innerhalb weniger Monate von 40 auf 93 Prozent steigt, ohne dass sich die Natur entsprechend verändert hat, muss man sich fragen, wie dieses Ergebnis zustande kommt. Auf dem Papier sinkt dadurch der Renaturierungsbedarf drastisch, aber eben nur auf dem Papier“, sagte Haider-Wallner.
Nach Ansicht der Umweltlandesrätin ist eine verlässliche Datengrundlage auch für die bevorstehenden Budgetverhandlungen auf EU-Ebene entscheidend. Nur mit einer realistischen Darstellung des tatsächlichen Renaturierungsbedarfs könne Österreich die dafür erforderlichen Mittel gegenüber der Europäischen Union begründen.
Renaturierung als Antwort auf Dürreschäden
Mit Blick auf die aktuellen Dürreschäden von mindestens einer Milliarde Euro bundesweit, davon 65 Millionen Euro im Burgenland, unterstrich Haider-Wallner die Bedeutung von Renaturierungsmaßnahmen. Wasserrückhalteflächen, gesunde Böden, Moore und funktionierende Ökosysteme könnten dazu beitragen, Wasser länger in der Landschaft zu halten und die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und Extremwetterereignissen zu machen.
„Renaturierung ist gerade jetzt eine Investition in eine zukunftsfitte Landwirtschaft. Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen Klimaanpassung, gesunde Böden und Planungssicherheit, keine Schönrechnung des Problems durch das Ministerium“, betonte die Landeshauptmann-Stellvertreterin.
Sollte die Bundesregierung eine Fristverlängerung für die Übermittlung des Wiederherstellungsplans beantragen, müsse diese Zeit genutzt werden, um einen fachlich fundierten und belastbaren Plan auszuarbeiten, erklärte Haider-Wallner abschließend.
Mit der EU-Wiederherstellungsverordnung sollen geschädigte Ökosysteme in Europa schrittweise verbessert und wiederhergestellt werden. Laut Angaben befürworten 76 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher dieses Vorhaben, im Burgenland liegt die Zustimmung demnach bei 88 Prozent. Intakte Ökosysteme gelten als wichtige Grundlage für Artenvielfalt, Wasserversorgung, fruchtbare Böden und den Schutz vor Extremwetterereignissen.
Quelle: https://burgenland.gruene.at/news/bundesregierung-sabotiert-nationalen-renaturierungsplan
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