Burgenland legt KI-Leitlinien für Schulen vor

Die Private Pädagogische Hochschule Burgenland und die Bildungsdirektion präsentieren Empfehlungen zum Einsatz Künstlicher Intelligenz im Unterricht. Der Rahmen gilt für alle Schulformen und wurde rechtlich geprüft.
Für burgenländische Schulen liegt nun ein Orientierungsrahmen zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz vor. Thomas Leitgeb und Michael Leitgeb haben im Auftrag der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland und der Bildungsdirektion Burgenland Empfehlungen erarbeitet, die von der Volksschule bis zur Berufsschule anwendbar sind.
Generative KI-Werkzeuge werden von Schülerinnen und Schülern bereits im Alltag genutzt, oft ohne pädagogische Begleitung. Schulen müssen daher klären, wie sich solche Technologien sinnvoll einbinden lassen, welche Tools datenschutzrechtlich erlaubt sind und wie Leistungsbeurteilungen fair bleiben.
Fünf Prinzipien als Grundlage
Die Empfehlungen basieren auf fünf Grundprinzipien: Eigenleistung, Datenschutz, Fairness, Transparenz und die Entscheidungshoheit des Menschen. Die pädagogische Verantwortung verbleibt bei der Lehrkraft, nicht beim Algorithmus. Als Grundlage dienten internationale Forschung, der geltende Rechtsrahmen, die KI-Leitlinien des PH-Verbunds Süd-Ost sowie eine Studie mit Schulleitungen und Schulqualitätsmanagerinnen und -managern.
Altersgerechter Aufbau von KI-Kompetenz
Der Umgang mit KI wird in einem Stufenmodell entwicklungsorientiert aufgebaut:
- Volksschule: Lehrkräfte zeigen spielerisch, dass Computer nach Regeln funktionieren und Fehler machen können. Kinder nutzen KI nicht selbst.
- Mittelschule und AHS-Unterstufe: Schrittweise, angeleitete Einführung in datenschutzkonformen Umgebungen.
- AHS-Oberstufe: Übergang zu eigenständiger, kritischer Nutzung mit klaren Regeln für die abschließende Arbeit.
- BMHS, Polytechnische Schulen und Berufsschulen: Berufsfeldbezogener Einsatz mit professioneller Qualitätskontrolle.
- Sonderschulen und inklusive Settings: KI als assistives Werkzeug im Sinne des Universal Design for Learning.
Kritisches Prüfen als Kernkompetenz
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Fähigkeit, KI-Ausgaben kritisch zu hinterfragen. Schülerinnen und Schüler sollen mittels Vergleichsdidaktik lernen, Werkzeuge und Prompts zu vergleichen, Ergebnisse mit Fachquellen abzugleichen und gezielt nach Fehlern zu suchen. Grundwissen wird durch KI nicht überflüssig, sondern dringlicher, heißt es in den Empfehlungen.
Regeln für Leistungsbeurteilung
Vor jeder Aufgabe müssen Lehrkräfte festlegen, ob und wie KI verwendet werden darf. KI-Detektionstools gelten nicht als verlässlicher Beweis. Bei Verdacht auf Täuschung steht das Gespräch an erster Stelle. Bei erwiesener Täuschung greift die gesetzliche Rechtsfolge der Nichtbeurteilung, nicht automatisch die Note „Nicht genügend“.
Für den Fall, dass KI gegen Personen eingesetzt wird, etwa durch Deepfakes, beschreiben die Empfehlungen ein klares Vorgehen im Rahmen des schulischen Kinderschutzkonzepts.
Rechtliche Prüfung und Praxismaterialien
Die Empfehlungen wurden am Rechtsstand vom 20. Oktober 2026 geprüft. Berücksichtigt wurden unter anderem die KI-Verordnung der EU in der Fassung des Digital-Omnibus, die Datenschutz-Grundverordnung, das Schulunterrichtsgesetz und die Leistungsbeurteilungsverordnung, die Schulordnung 2024 sowie die Prüfungsordnungen für AHS und BMHS.
Für jeden Schultyp gibt es ein einseitiges Schultypenblatt als Kopiervorlage für Konferenzzimmer, Klassen und Elternabende. Ein Quickguide, Dos and Don'ts für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler sowie eine Checkliste für Schulleitungen erleichtern die Umsetzung am Standort.
Transparenz und Weiterentwicklung
Die Empfehlungen verlangen, den Einsatz von KI offenzulegen. Diesen Grundsatz wenden die Autoren auch auf das Dokument selbst an: Ein Logbuch dokumentiert, bei welchen Arbeitsschritten KI unterstützt hat.
Das Dokument versteht sich als lebendes Dokument und wird jährlich aktualisiert. Rückmeldungen aus der Schulpraxis sind ausdrücklich erwünscht.
Zitation: Leitgeb, T., & Leitgeb, M. (2026). Empfehlungen für KI-Leitlinien an burgenländischen Schulen. PPH Burgenland. https://doi.org/10.5281/zenodo.23494163
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