Caritas fordert Anerkennung der Sozialbetreuung

Pia ProdingerPia Prodinger
Soziale Betreuung: Diplom, Qualifizierung, Kalender und Parkszene mit älteren Menschen
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Caritas warnt vor einem rein medizinischen Zugang zur Betreuung älterer Menschen. Bis 2050 werden in Österreich rund 750.000 Menschen Pflegegeld beziehen, während bis zu 70.000 Fachkräfte fehlen. Eine Umfrage zeigt: 90 Prozent der Auszubildenden wollen im Beruf bleiben.

Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler betont, dass die Herausforderung nicht rein medizinisch eingeordnet werden dürfe. Die meisten Menschen – besonders im Alltag, in Familien oder bei Demenz – benötigten Betreuung und keine medizinische Pflege. „Wer nur nach Pflegepersonal sucht, verkennt die Lebensrealität der Menschen“, so Tödtling-Musenbichler.

Die Caritas-Präsidentin kritisiert die Verengung der Debatte auf Pflegegeldstufen und Krankheiten. „Alter ist nicht die Summe von Defiziten. Es geht um Fähigkeiten, Talente und Lebensqualität“, erklärt sie. Ein Spaziergang im Wald, Museumsbesuche oder das Zusammenleben mit Demenz seien keine Luxusgüter, sondern die Basis für ein würdevolles Leben.

Sozialbetreuung erhält Selbstständigkeit

Im Langzeitsetting stehe der Erhalt der Selbstständigkeit im Vordergrund. Die Altenarbeit als Teil der Sozialbetreuung biete Zeit und Kompetenzen für diese Beziehungsarbeit. Menschen mit Demenz benötigten in den ersten Jahren meist keine Spritzen oder Behandlungspläne, sondern Orientierung, Halt und verlässliche Begleitung.

Trotzdem würden Gesetzgeber und Bundesländer diese Realität ignorieren und Fachkräfte der Sozialbetreuung in Personalschlüsseln und Tarifsystemen diskriminieren, kritisiert die Caritas.

Umfrage zeigt hohe Motivation

Eine aktuelle Befragung unter 575 Auszubildenden an Caritas-Schulen für Berufsausbildung im Bereich Sozialbetreuung und Pflege zeigt die Motivation der angehenden Fachkräfte. 89,4 Prozent der Befragten wollen langfristig im Beruf bleiben.

Als Hauptgründe für die Ausbildung nannten 26 Prozent die Freude an der Arbeit mit Menschen, 16 Prozent eigene Vorerfahrungen und ebenfalls 16 Prozent den Wunsch, einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

Beim Reformbedarf forderten 24 Prozent mehr Personal, 21 Prozent echte gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung sowie 20 Prozent bessere Arbeitsbedingungen und verlässlichere Dienstpläne.

Praktikum als Feuerprobe

Auszubildender Bernhard Novak beschreibt in der Befragung die Herausforderungen: „Ich bekomme in meiner Arbeit so viel von den Menschen zurück. Wenn ich jemanden durch den Tag begleite und sehe, wie viel Lebensqualität das bringt, macht mich das sehr zufrieden“, erklärt er. Das Praktikum sei die eigentliche Feuerprobe. Die Teams auf den Stationen stünden unter großem Druck und müssten die Anleitung zusätzlich in ihren Arbeitsalltag unterbringen. Ohne extra Zeitfenster sei das für alle eine enorme Belastung.

Ernst Sandriesser, Direktor der Caritas Kärnten und Vertreter der Caritas-Schulträgerin, hebt die Doppelqualifikation der Absolventinnen und Absolventen hervor. Die in die Ausbildung integrierte Pflegeassistenz sei ein zusätzlicher Vorteil. Als Träger von 51 Senioren- und Pflegeeinrichtungen und großer Schulträgerin mit 20 Schulstandorten und 4.400 Auszubildenden in ganz Österreich kenne die Caritas die Praxis aus erster Hand.

Die Organisation könnte morgen mehr Klassen eröffnen und damit dem Fachkräftemangel stärker entgegenwirken. Es fehlten jedoch die Praktikumsplätze und die nötige finanzielle Unterstützung für die Schulinfrastruktur, so Sandriesser.

Vier Forderungen an die Politik

Die Caritas richtet vier konkrete Forderungen an die Politik:

  1. Altenarbeit gesetzlich anrechnen: Bundesländer müssen ihre Personalschlüssel und Tarife anpassen, damit Pflege und Sozialbetreuung Hand in Hand zusammenarbeiten können.
  2. Ausbildungsfinanzierung absichern: Umsteigerinnen und Umsteiger brauchen verlässliche finanzielle Unterstützung für die gesamte Ausbildungszeit statt jährlicher Unsicherheit.
  3. Praktikumsplätze ausbauen und finanzieren: 50 Prozent der Ausbildung finden in der Praxis statt und erfordern Anleitung. Die Praxisanleitung müsse bezahlt werden.
  4. Schulinfrastruktur unterstützen: Die Caritas-Schulen bilden für alle Träger und für Landeseinrichtungen aus. Sie benötigen finanzielle Unterstützung für ihre Infrastruktur, beispielsweise für Schulgebäude, Klassenräume und digitale Ausstattung.

„Ältere Menschen brauchen Betreuung und Pflege, um ein gelungenes Leben zu führen. Nutzen wir das große Potenzial der Sozialbetreuung, damit das System und die vielen Pflegefachkräfte nicht noch mehr überlastet werden“, fasst Tödtling-Musenbichler zusammen.

Quelle: OTS

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