Caritas und VinziWerke warnen vor steigender Obdachlosigkeit

Hilfsorganisationen rechnen mit einem schwierigen Winter. In Graz wurden am Donnerstag die Maßnahmen zur Winternothilfe präsentiert – mit 35 zusätzlichen Schlafplätzen und einem Kältetelefon, das bis März erreichbar ist.
Hohe Kosten für Wohnen, Energie und Lebensmittel verschärfen die Lage wohnungsloser Menschen. Caritas und VinziWerke stellten am Donnerstag in Graz ihre Winterhilfe vor und appellierten an Solidarität. „Die Not steigt weiterhin“, sagte Amrita Böker von den VinziWerken. Caritasdirektorin Nora Tödtling-Musenbichler warnte: „Die Gefahr steigt, dass wir mehr Menschen auf der Straße sehen werden.“
Böker berichtete von steigender Auslastung in den Notschlafstellen und bei Grundversorgungsangeboten. Zugleich würden die Problemlagen komplexer und der Beratungsaufwand größer.
„Soziale Kälte können wir verhindern“
Tödtling-Musenbichler kritisierte Diskussionen über Kürzungen bei der Sozialhilfe angesichts steigender Wohn- und Heizkosten. „Winterliche Kälte können wir nicht verhindern. Soziale Kälte, die Menschen in die Wohnungslosigkeit treibt, sehr wohl“, betonte sie. Hilfe sei möglich, wenn öffentliche Hand und Zivilgesellschaft zusammenarbeiteten – wie in Graz durch Stadt, Land Steiermark, VinziWerke, Caritas und zahlreiche Freiwillige.
Bürgermeisterin Elke Kahr unterstrich: „Ein warmer und sicherer Zufluchtsort ist kein Privileg, sondern ein menschliches Grundbedürfnis.“ Sie dankte den Mitarbeitern des Sozialamts, der Caritas und der VinziWerke für ihren Einsatz.
35 zusätzliche Winternotplätze
Die Caritas hat ihre Winternothilfe neu organisiert. Von November bis Ende März stehen 35 zusätzliche Schlafplätze in den Notschlafstellen Arche 38 (für Männer) und FranzisCa (für Frauen, auch mit Kindern) bereit. Tagsüber können Betroffene die Bahnhofmission und das Marienstüberl nutzen. Auch die VinziWerke stocken ihre Kapazitäten mit Notbetten auf.
In der Arche 38 am Eggenberger Gürtel gibt es ganzjährig 31 reguläre Plätze, vier für Menschen mit Tier und sieben in der Notschlafstelle Plus – im Winter kommen 25 Plätze dazu. In der FranzisCa in der Georgigasse stehen ganzjährig 20 Plätze zur Verfügung, im Winter zehn weitere. In Leoben betreibt die Caritas eine Notschlafstelle mit zwölf Plätzen.
Kältetelefon bis März aktiv
Das Kältetelefon der Caritas ist von November bis Ende März unter 0676 880 15 8111 von 18 bis 24 Uhr erreichbar. Wer in Graz einen Schlafplatz im Freien bemerkt, kann anrufen. Über 50 Freiwillige fahren dann mit einem vom Autohaus Gady zur Verfügung gestellten Fahrzeug zu den Betroffenen und bieten Unterbringung in einer Notschlafstelle an.
Wer das ablehnt, erhält ein Notpaket mit Schlafsack, Decke, Kleidung, warmem Tee und Snacks. Im vergangenen Winter gingen 808 Anrufe ein. Die Teams trafen 458-mal Menschen im Freien an, verteilten 408-mal Tee und Snacks, übergaben 86 Materialpakete und vermittelten 19 Personen in Notschlafstellen. Die Winternotschlafstelle verzeichnete rund 4800 Nächtigungen bei nahezu 95 Prozent Auslastung.
Tödtling-Musenbichler würdigte die Anrufer: „Ein Anruf beim Kältetelefon zeugt von Aufmerksamkeit und Zivilcourage. Das ist es, was unsere Gesellschaft zusammenhält.“ Gerade in Zeiten raueren Umgangs mit Menschen in Not sei diese Menschlichkeit wichtiger denn je.
Worüber spricht Graz morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.