Caritas warnt vor Kinderarmut in Vorarlberg

Mathias FischerMathias Fischer
Mutter mit Kind im Wartezimmer einer Arztpraxis in Österreich
© caritas-vorarlberg.at

Die Caritas Vorarlberg schlägt Alarm: Rund 10.000 Menschen im Bundesland leben in manifester Armut, darunter überdurchschnittlich viele Kinder. Caritasdirektor Walter Schmolly kritisiert geplante Kürzungen bei der Sozialhilfe und ruft zu Spenden auf.

Vor Beginn der kalten Jahreszeit macht die Caritas Vorarlberg auf die prekäre Lage armutsbetroffener Familien aufmerksam. „Mit Armut darf sich eine Gesellschaft nicht abfinden“, betont Caritasdirektor Walter Schmolly. Armut raube Menschen und vor allem Kindern Chancen und lege ihnen Stolpersteine in den Weg.

Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebenssituation von 1.000 armutsbetroffenen Menschen in Vorarlberg direkt zu verbessern. Armut zeige sich nicht nur bei Obdachlosen, sondern auch dort, wo ständiger Verzicht auf Notwendiges, finanzielle Sorgen und die Angst herrschten, den eigenen Kindern nicht das Nötigste bieten zu können. Hohe Kosten für Wohnen, Energie und Lebenshaltung brächten Familien, Alleinerziehende, Mindestpensionisten und Menschen mit geringem Einkommen an ihre Grenzen.

Kritik an geplantem Sozialhilfegesetz

Schmolly übt scharfe Kritik an der Bundespolitik. Die Regierung habe sich zwar vorgenommen, Kinderarmut zu halbieren, lege nun aber ein Sozialhilfegesetz vor, das das Gegenteil bewirke. „Die Unterstützung für das erste Kind einer Familie in Vorarlberg, die auf Sozialhilfe angewiesen ist, wird um 90 Euro, beziehungsweise um 22 Prozent gekürzt werden“, so der Caritasdirektor. Der verbleibende Betrag sei weit von den realen Kosten eines Kindes entfernt.

Mit Blick auf Advent und Weihnachten appelliert die Caritas an die Vorarlberger Bevölkerung, ein Zeichen für solidarischen Zusammenhalt zu setzen. Die Politik agiere in diesem Thema mutlos und nehme Sparmaßnahmen auf dem Rücken von Kindern in Kauf.

10.000 Menschen in manifester Armut

Laut Erhebungen von Statistik Austria und der Nachfrage an Beratungsstellen ist die Zahl der Menschen in manifester Armut leicht rückläufig. Dennoch müssen in Vorarlberg noch rund 10.000 Personen täglich mit schweren Entbehrungen leben – sie können sich eine warme Wohnung, ausreichend Lebensmittel und Kleidung nicht leisten. Darunter seien überdurchschnittlich viele Kinder.

In den ersten drei Quartalen haben 2.400 Haushalte mit mehr als 5.000 Personen in den Caritas-Beratungsstellen Hilfe gefunden. Die Teuerung der letzten Jahre wirke in diesen Familien in aller Härte nach. Vor allem der tägliche Einkauf sowie Wohn- und Energiekosten überforderten die kleinen Haushaltsbudgets.

Spenden für Winterhilfe gesucht

Besonders schwer seien für betroffene Familien die Wintermonate und die Advent- und Weihnachtszeit. Die Caritas will in den nächsten Wochen weiteren 1.000 Familien rasch und unbürokratisch helfen. „Wir sind dafür aber auf Spenden angewiesen. Jeder Beitrag hilft“, bedankt sich Schmolly bei allen Unterstützern.

Spenden können auf das Caritas-Spendenkonto bei der Raiffeisenbank Feldkirch überwiesen werden: IBAN AT32 3742 2000 0004 0006, Kennwort: Inlandshilfe. Online-Spenden sind unter www.caritas-vorarlberg.at möglich.

Armut in Österreich: Die Fakten

Österreichweit leben 261.000 Menschen in absoluter Armut. Fast jeder Fünfte ist armuts- oder ausgrenzungsgefährdet – der höchste Wert seit Beginn der Messungen. Über 40.000 Menschen wandten sich im vergangenen Jahr an die Sozialberatungsstellen der Caritas.

Arbeit schützt nicht immer vor Armut: 361.000 Menschen (9 Prozent) müssen trotz Erwerbsarbeit mit einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle auskommen. In den letzten zehn Jahren stiegen die monatlichen Wohnkosten in Österreich um 35 Prozent, bei Mietwohnungen im Schnitt sogar um 40 Prozent.

Über 21.000 Personen in Österreich sind als obdach- und wohnungslos registriert. Die Dunkelziffer liegt laut Schätzungen mindestens doppelt so hoch. Alleinerziehende und alleinlebende Frauen müssen im Mittel einen fast doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für das Wohnen aufwenden wie die Gesamtbevölkerung.

Quelle: https://www.caritas-vorarlberg.at/ueber-uns/news/detail/news/101002-mit-armut-darf-sich-eine-gesellschaft-nicht-abfinden

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