Christlich-extremistische Strömungen in Österreich nehmen zu

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Extremistische Tendenzen im Namen des Christentums gewinnen auch in Österreich an Einfluss. Expertinnen warnen vor christlich-nationalistischen Bewegungen und sehen Handlungsbedarf bei der Priesterausbildung.

Nicht nur der politische Islam, sondern auch extremistische Strömungen im Namen des Christentums werden in Europa spürbarer. Das betonten Fachleute bei einem Online-Pressegespräch von „Diskurs. Das Wissenschaftsnetz“. Die Entwicklung betreffe neben den USA auch Europa und damit Österreich. Ein zentraler Faktor bei der Eindämmung des sogenannten (Neo)Integralismus sei die Priesterausbildung.

Der Begriff der „christlichen Rechten“ beschreibt Bündnisse von Akteuren aus Politik und Religion, die sich in bestimmten Bereichen gegen „gemeinsame Feinde“ zusammenschließen. Diese Allianzen seien oft finanzkräftig, international ausgerichtet und überkonfessionell organisiert, erklärte Sigrid Rettenbacher von der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz und der University of Portland. Man spreche dabei auch von einer „Ökumene des Hasses“.

Besorgniserregende Entwicklung in Österreich

Auch in Österreich würden christlich-nationalistische Strömungen wie der sogenannte (Neo)Integralismus an medialer Sichtbarkeit und politischem Einfluss gewinnen, sagte die Theologin Angelika Walser von der Universität Salzburg. Diese Entwicklung sei „in höchstem Maße besorgniserregend“, da sie mit einer scheinbar biblisch begründbaren Ablehnung von Menschen- und Freiheitsrechten bis hin zur Religionsfreiheit und insbesondere von Frauenrechten einhergehe. Diese Verzerrung der christlichen Botschaft stelle auch eine Gefahr für demokratische Gesellschaften dar.

Kritik an privaten Ausbildungsstätten

Im Zusammenhang mit diesen Tendenzen nannten die beiden Expertinnen auch die Priesterausbildung. Walser sprach dabei vor allem von „privaten Institutionen, wo man sein eigenes Süppchen kochen kann“. Konkret erwähnte sie die Philosophisch-Theologische Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz, wo es zu einer Kontroverse rund um den mittlerweile beurlaubten Dozenten Edmund Waldstein gekommen war. Auch die Katholische Hochschule ITI (International Theological Institute) in Trumau, wo dieser ebenfalls tätig war, wurde genannt.

Von politischer Seite erwähnte Rettenbacher die ÖVP-Abgeordnete Gudrun Kugler und deren Weltsicht. Aufgrund ihrer Nähe zu ultrakonservativen Netzwerken werde auch sie mit christlich-fundamentalistischen oder integralistischen Strömungen in Verbindung gebracht – vor allem durch ihre Haltung bei Themen wie Familie, Gender-Studies und Schwangerschaftsabbruch. Rettenbacher bezeichnete die ÖVP-Politikerin als „eine gewisse Autorität in diesem Bereich“.

Forderung nach klareren Reaktionen

Nicht ganz zufrieden zeigte sich die Expertin mit den offiziellen Reaktionen der Amtskirche in Österreich auf derartige Strömungen. Hier sei die deutsche Bischofskonferenz „stärker unterwegs“, befand Rettenbacher. Als ersten hohen katholischen Vertreter, der sich klar zu diesem Phänomen explizit geäußert hatte, nannte Rettenbacher Wiens Erzbischof Josef Grünwidl.

Als Antwort auf extreme Tendenzen innerhalb der katholischen Kirche sieht Walser unter anderem eine zeitgemäße Priesterausbildung. Vor allem in privaten Institutionen gebe es oft keine Begegnung mit den Disziplinen des 21. Jahrhunderts. Die Ausbildung führe in eine „Art von Bubble“. Auch dies sei mit ein Grund für eine gewisse „Naivität und Blindheit“.

Quelle: APA

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