CloudHQ plant drei Rechenzentren in Leopoldsdorf

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Das US-Unternehmen CloudHQ will in Leopoldsdorf im Bezirk Bruck an der Leitha drei Rechenzentren errichten. Die Gebäude sollen jeweils die Größe eines Fußballfeldes haben und eine Anschlussleistung von 150 Megawatt erhalten, so der ORF.

Das amerikanische Unternehmen CloudHQ hat seine Pläne für ein Rechenzentrum in Leopoldsdorf im Bezirk Bruck an der Leitha vorgestellt. Geplant sind drei Gebäude im Industriegebiet, die jeweils etwa die Fläche eines Fußballfeldes einnehmen werden. Die Anschlussleistung soll 150 Megawatt betragen.

Die Gebäude werden rund 25 Meter hoch sein, vergleichbar mit einem siebenstöckigen Wohnhaus. Andreas Graf-Matzner, bei CloudHQ für die Expansion nach Österreich verantwortlich, räumte ein: „Es sind hohe Gebäude, da gibt es nichts zu beschönigen, aber es gibt auch andere Gebäude im Ort mit derselben Höhe.“ Auf drei Stockwerken sollen Datenhallen mit Servern und Büros untergebracht werden.

Eigene Stromleitung und Photovoltaik

Die Stromversorgung erfolgt über eine eigene, unterirdisch verlegte Leitung vom rund drei Kilometer entfernten Umspannwerk der APG Süd. CloudHQ finanziert diese Leitung selbst. Zusätzlich erhält das Areal ein eigenes Umspannwerk. Auf den Dächern der Gebäude soll eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von etwa 1.200 Kilowatt installiert werden.

Die Kühlung funktioniert über einen geschlossenen Wasserkreislauf, ähnlich einem Heizungssystem. Pro Gebäude werden 230.000 Liter Wasser einmalig eingefüllt. Graf-Matzner betonte bei einem Pressegespräch am Donnerstagvormittag: „Solange wir keine Leckage haben, befüllen wir das nie wieder.“

Abwärmenutzung noch ungeklärt

Mit der Abwärme könnten private Haushalte, Betriebe oder ein Freibad beheizt werden, erklärte Graf-Matzner. Die Verteilung sei jedoch „Sache des örtlichen Nahwärmebetreibers“ und liege nicht im Einflussbereich von CloudHQ. Am Donnerstag fanden erste Gespräche mit der EVN statt. Für den Energieversorger müsse eine Versorgung auch wirtschaftlich sinnvoll sein. Einige Zuhörer kritisierten, dass solche Gespräche nicht bereits im Vorfeld geführt wurden.

Kritik an Informationspolitik

Die Pläne für das Rechenzentrum sorgen seit dem Sommer für Diskussionen. Der Widerstand in Leopoldsdorf ist bisher geringer als in Kronstorf, es gibt aber Gegenstimmen. Kritik richtet sich vor allem an die Gemeinde, die bereits seit einem Jahr von den Plänen wusste. Bei der Informationsveranstaltung am Donnerstagabend, die durchaus hitzig verlief, bemängelten Bürgerinnen und Bürger die Informationspolitik sowie fehlende Gutachten zu Lärm-, Schall- und Wärmeemissionen.

Graf-Matzner verwies auf ein Wärmegutachten, wonach ein „nachweisbarer Einfluss bis in eine Höhe von 60 Metern ausgeschlossen werden kann“. Wenn überhaupt seien Temperaturänderungen von weniger als einem Kelvin zu erwarten. Auch beim Schall liege man unter den gesetzlichen Grenzwerten.

Unternehmen setzt auf Transparenz

Graf-Matzner zeigte teilweise Verständnis für die Bedenken der Bevölkerung, diese würden aber auf „Missverständnissen“ und „viel Unwissenheit“ beruhen. Die Branche habe jahrelang unter dem Radar gelebt und arbeite bewusst sehr verdeckt, da man mit sensiblen Daten umgehe. Man sei aber dabei, das zu ändern: „Transparenz schafft tatsächlich auch Verständnis dafür.“

CloudHQ wurde 2016 gegründet und beschäftigt weltweit etwa 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Unternehmen kümmert sich um Bau, Klimatisierung, Stromversorgung, Sicherheit und Instandhaltung von Rechenzentren. Die IT-Dienstleistungen selbst werden nicht erbracht, die Rechenleistung wird vermietet.

Milliarden-Investition und UVP-Verfahren

Wer die Rechenzentren in Leopoldsdorf künftig nutzen wird, wollte Graf-Matzner nicht verraten. Zu den bisherigen Kunden zählen US-Firmen wie Oracle, Microsoft, Amazon oder Facebook. Insgesamt investiert CloudHQ eine Milliarde Euro in die Gebäude samt Technik. Im Unterschied zu anderen Betreibern will das Unternehmen die Rechenzentren langfristig nicht verkaufen.

Wann der Bau beginnt, hängt vor allem von der Dauer des Umweltverträglichkeitsverfahrens ab. CloudHQ hatte dieses Verfahren im Juli selbst angestoßen. Im September teilte die Abteilung Umwelt- und Anlagenrecht im Amt der NÖ Landesregierung mit, dass eine solche Prüfung notwendig ist. Graf-Matzner betonte, man akzeptiere das und könne deshalb nicht konkret über den weiteren Zeitplan sprechen.

Arbeitsplätze und Gemeindeabgabe

CloudHQ zahlt neun Millionen Euro an die Gemeinde, etwa für den Kanalanschluss und ein neues Naherholungsgebiet. Wie viele Arbeitsplätze entstehen, ist noch offen. Graf-Matzner nannte eine Spanne von 50 bis 150, je nachdem ob ein Betrieb alle drei Gebäude nutzt oder drei verschiedene. Benötigt würden etwa Betriebstechniker, IT-Spezialisten oder Sicherheitsmitarbeiter.

Graf-Matzner warb um Verständnis für Rechenzentren als „Basis der Digitalisierung“, die den Wirtschaftsstandort stärken würden. Ohne diese habe man einen Wettbewerbsnachteil. Die Rechenleistung werde täglich genutzt, vom Streaming über Onlinehandel und Videokonferenzen bis hin zu Kartenzahlungen, industrieller Produktion oder autonomem Fahren.

Die Offenheit des Unternehmens besänftigte die Besucherinnen und Besucher, deren Zahl aus Platzmangel auf knapp 100 Personen begrenzt war, nur marginal. Mehrere Zuhörer würdigten, dass man nun erstmals mit Informationen an die Bevölkerung herangetreten ist. Viele wünschten sich aber noch Veränderungen – es soll nicht die letzte Infoveranstaltung gewesen sein.

Quelle: https://noe.orf.at/stories/3373478/

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