Cosmó und Hanna Niedrist über Demokratie und Teilhabe

Mathias FischerMathias Fischer
Illustration einer Gruppe von Menschen, die mit Megafonen und Sprechblasen kommunizieren, vor dem Reichstagsgebäude in Berlin, 50 Jahre in der Zukunft.
© Mit KI (Gemini) generiert

Im Rahmen des Jahresschwerpunkts „teilhaben teilsein“ hat die Parlamentskorrespondenz mit jungen Persönlichkeiten über demokratische Beteiligung gesprochen. ESC-Teilnehmer Cosmó, Influencerin Hanna Niedrist und die Bundesjugendvertretung berichten über ihre Sicht auf Mitbestimmung.

Das Parlament widmet sich heuer mit dem Schwerpunkt „teilhaben teilsein“ der demokratischen Beteiligung junger Menschen. Die Parlamentskorrespondenz führte dazu Gespräche mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Nach Schauspielerin Kristina Sprenger und Schauspieler Cornelius Obonya im ersten Teil kommen nun junge Menschen selbst zu Wort.

Benjamin Gedeon, bekannt als Cosmó, Hanna Niedrist alias austriasginger und die Vorsitzenden der Bundesjugendvertretung sprechen über ihre Vorstellungen von Teilhabe, ihr Engagement und notwendige Rahmenbedingungen für Beteiligung.

Freiheit zu kommunizieren und mitzugestalten

Für den 20-jährigen Sänger Cosmó, der Österreich im Mai beim Eurovision Song Contest mit dem Lied „Tanzschein“ vertrat, bedeutet Demokratie die Freiheit, miteinander zu kommunizieren. „Ich erlebe Demokratie, wenn Menschen zuhören, diskutieren, Kompromisse finden und einander ernst nehmen“, erklärt der in Budapest geborene Künstler, der im Alter von zwei Jahren ins Burgenland übersiedelte. Teilhabe heißt für ihn, nicht nur zuzuschauen, sondern mitzugestalten. Als junger Mensch wolle er das Gefühl haben, dass seine Meinung relevant ist und er etwas bewegen kann.

Hanna Niedrist ist in den sozialen Medien als austriasginger bekannt. Die Influencerin hat über 271.000 Follower und mehr als 20 Millionen Likes auf Tiktok sowie 50.000 Follower auf Instagram. Neben Mode- und Lifestyle-Content thematisiert die 25-Jährige auch den Kontrast zwischen Stadt- und Landleben. Demokratie bedeutet für sie „Alle gemeinsam“ und nicht „Jeder einzeln“. „Es bedeutet für mich außerdem Mitspracherecht und Selbstbestimmtheit. Glücklicherweise darf ich das in meinem Alltag ständig erleben, mitbestimmen und für meine Ideale einstehen“, sagt sie. Demokratische Teilhabe heiße, dass die Stimmen aller Menschen gehört werden und in Entscheidungen einfließen. Das bedeute aber auch, dass jeder Mensch Verantwortung trägt, sich einzubringen.

Vielfalt und Mitbestimmung in der Bundesjugendvertretung

Die Bundesjugendvertretung (BJV) vertritt die Interessen von rund 3 Millionen Menschen unter 30 Jahren in Österreich. Das vierköpfige Vorsitzteam besteht aus Moritz Mittermann (Junge Volkspartei), Lejla Visnjic (Sozialistische Jugend), Anna Schwabegger (Pfadfinderinnen und Pfadfinder Österreichs) und Ahmed Naief (Muslimische Jugend Österreich).

Für den 23-jährigen Moritz Mittermann ist Demokratie die Staatsform, die es ihm ermöglicht, selbstbestimmt und frei in einem Rechtsstaat zu leben, aktiv seine Meinung zu äußern und sich in politische Prozesse einzubringen. Lejla Visnjic (26) betont das Thema Vielfalt. „Wir müssen alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht, Alter oder Einkommen, Teil unserer demokratischen Gesellschaft werden lassen. Gerade als nicht-österreichische Staatsbürgerin weiß ich, wie wichtig es ist, dass ehrenamtliche Arbeit genauso als Teilhabe verstanden wird, wie der Gang zur Wahl“, sagt sie.

Engagement im Alltag und in der Öffentlichkeit

Politisches Engagement muss für Hanna Niedrist nicht immer offensichtlich sein. Es könne auch unterschwellig in das tägliche Schaffen einfließen. „Ich engagiere mich subtil, mache Menschen mit meinen Videos Mut, für sich selbst einzustehen, auch über unangenehme Themen offen zu sprechen und durch Kommunikation Tabuthemen zu brechen“, erklärt sie.

Auch Cosmó versucht, Themen anzusprechen, die junge Menschen betreffen, und Räume zu schaffen, in denen sie sich gesehen und verbunden fühlen. Als Beispiel nennt er einen Besuch an einer Wiener Schule im Rahmen von „Frag das ganze Land - on tour“ mit Ö3.

Die 24-jährige Anna Schwabegger ist bei der Bundesjugendvertretung als Vorsitzende engagiert, um sich für die Interessen von Kindern und Jugendlichen einzusetzen. Die Anliegen von Kindern und Jugendlichen müssten ernst genommen werden. „Auch in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei den Pfadfinderinnen und Pfadfindern kann ich immer wieder sehen, dass man Demokratie im Kleinen und Großen erlebbar und sichtbar machen kann und sollte“, so Schwabegger.

Einfache Zugänge und chancengerechte Formate

Beteiligung brauche einfache Zugänge, echte Wertschätzung und das Gefühl, dass Mitreden auch wirklich etwas verändert, meint Cosmó. „Ich glaube, Politik und Beteiligung wirken oft zu kompliziert oder weit weg. Es braucht mehr verständliche Kommunikation, mehr direkte Formate und mehr Vertrauen in junge Menschen“, sagt er.

Ahmed Naief (30) von der BJV findet es wichtig, dass Beteiligungsformate für alle chancengerecht gestaltet sind. „Junge Menschen sind verschieden und brauchen deshalb auch unterschiedliche Rahmenbedingungen, um sich gut einbringen zu können“, sagt er. Es funktioniere besonders gut, junge Menschen genau da abzuholen, wo sie sind. Politische Bildung und Medienbildung sollten ein fester Bestandteil der Schullaufbahn sein. Für Lejla Visnjic ist beim Thema Beteiligung noch viel Luft nach oben. Ihr ist wichtig, dass der Zugang zur österreichischen Staatsbürgerschaft einfacher wird, damit mehr junge Menschen wählen gehen können.

„Politik muss erlebbar und nahbar sein, es darf nicht verstaubt und alt und langweilig wirken. Menschen wollen mitbestimmen und dabei sein, aber oft nur, wenn es auch mit Spaß verbunden ist“, sagt Hanna Niedrist. Man sollte mehr Wert auf die Meinung von jungen Menschen legen und gegenüber neuen Ideen offen sein. Verbesserungspotenzial sieht sie in der Kommunikation und in der Transparenz. „Besonderen Handlungsbedarf sehe ich, wenn es darum geht, mehr online umzusetzen und die Menschen da zu erreichen, wo sie sich die meiste Zeit aufhalten: im Internet“, so Niedrist.

Visionen für die nächsten 50 Jahre

„50 Jahre in der Zukunft sehen wir eine Welt, in der junge Menschen mitbestimmen und sich einbringen können. Sie müssen sich nicht in Prozesse reinreklamieren, sondern sind fester Teil von politischen Entscheidungsfindungsstrukturen“, sagen die vier Vorsitzenden der BJV. In ganz Österreich gebe es dann Kindergemeinderäte, Schülerinnen- und Schülerparlamente und Jugendvertrauensräte. „Wenn junge Menschen ihre Stimmen einbringen, werden sie gehört und ihre Ratschläge und Ansichten werden ernst genommen“, so Mittermann, Visnjic, Schwabegger und Naief.

Cosmó würde sich in erster Linie wünschen, dass die Beteiligungsmöglichkeiten in Zukunft digitalisiert werden. Hanna Niedrist kann nicht abschätzen, wie die Beteiligung von jungen Menschen in 50 Jahren aussieht. „Wichtig ist mir nur, dass die Stimmen gehört werden und junge Menschen mehr in die aktive politische Rolle gebracht werden“, sagt sie.

Unter dem Titel „teilhaben teilsein“ rückt das Parlament die gesellschaftspolitische Teilhabe von jungen Menschen in den Mittelpunkt. Mehr Informationen zum Jahresschwerpunkt 2026 finden sich unter www.parlament.gv.at/jahresschwerpunkt.

Quelle: PK

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