Curie und Oppenheimer im fiktiven Dialog über Schuld

Die Physikerin Marie Curie und der Atomphysiker J. Robert Oppenheimer sind einander nie begegnet. Ein literarischer Text lässt die beiden Wissenschafter nun aufeinandertreffen und über die Folgen ihrer Entdeckungen reflektieren.
Im Rahmen der Drehtüre hat Julie Auchet einen Text verfasst, der zwei der bedeutendsten Wissenschafter des 20. Jahrhunderts in einem fiktiven Gespräch zusammenführt. Marie Curie, die Pionierin der Radioaktivitätsforschung, trifft auf J. Robert Oppenheimer, der als „Vater der Atombombe“ in die Geschichte einging. Historisch haben sich die beiden nie getroffen.
Begegnung in einem staubigen Raum
Die Szene spielt in einem maroden, staubbedeckten Raum. Curie sitzt auf einem gewebten Stuhl, ihr Blick ist auf eine gebrechliche Tür gerichtet. Als sich der Türknauf bewegt und die Tür aufschwingt, tritt Oppenheimer ins Licht – erkennbar an seinem grauen Haar und der eisblauen Iris.
„Die Zeit ist freundlich zu dir gewesen, Marie. Sie hat dich vergessen“, sagt er. Curie antwortet leise: „Vergessen ist ein Luxus. Man trägt die Folgen trotzdem weiter.“
Wissen als Last
Oppenheimer nimmt auf dem wackligen Tischrand Platz und spricht von Beschwertheit. „Wissen ist schwerer, als wir damals dachten“, sagt er. Curie erinnert sich an ihre Arbeit mit Radium, das sie ohne Schutz in den Händen hielt. Sie habe nicht gewusst, dass es sie langsam töten würde – und noch weniger, dass es andere schneller töten könnte.
Oppenheimer gesteht: „Ich wusste es. Oder zumindest hätte ich es wissen müssen. Und trotzdem habe ich weitergerechnet.“ Er spricht davon, wie aus Formeln Feuer wurde und aus Theorie eine Sonne auf Erden entstand.
Schuld und Hoffnung
Curie erhebt sich mühsam und tritt näher an ihn heran. „Schuld ist kein Ende. Sie ist nur ein Zustand. Die Frage ist, was wir mit ihr tun“, sagt sie. Auf Oppenheimers Frage, was sie getan habe, antwortet sie: „Ich habe gelehrt. Ich habe geteilt. Und ich habe gehofft, dass Wissen eines Tages vorsichtiger behandelt wird als Macht.“
Ein weiterer dumpfer Glockenschlag hallt durch den Raum. Oppenheimer steht auf und sagt leise: „Vielleicht ist das der einzige Trost, der uns bleibt.“
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