David Salle zeigt KI-Kunst in Venedig

Der amerikanische Maler David Salle stellt erstmals solo in Venedig aus. In der Galleria Palazzo Cini konfrontiert er traditionelle Malerei mit künstlicher Intelligenz und nutzt Algorithmen, um seine eigenen Werke neu zu interpretieren.
In der Galleria Palazzo Cini in Venedig präsentiert der US-Künstler David Salle seine erste Einzelausstellung in der Lagunenstadt. Unter dem Titel „Painting in the Present Tense“ verbindet er klassische Malerei mit künstlicher Intelligenz. Die Schau wird von Luca Massimo Barbero kuratiert und von der Galerie Thaddaeus Ropac unterstützt.
Der Palazzo, einst Wohnsitz des Politikers Vittorio Cini aus dem 20. Jahrhundert, beherbergt heute eine bedeutende Sammlung italienischer Kunst vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. In diesem historischen Umfeld setzt Salle auf technologische Innovation.
Algorithmen treffen auf Kunstgeschichte
Salle gilt als Pionier der Pictures Generation – einer Künstlergruppe, die Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre in New York entstand und für ihre kritische Auseinandersetzung mit Medienkultur bekannt wurde. Für seine Venedig-Ausstellung trainierte er ein eigenes KI-Modell mit seinen Tapestry Paintings aus den Jahren 1989 bis 1991.
Diese Werke basierten ursprünglich auf russischen Wandteppichen aus dem 18. Jahrhundert, die ihrerseits italienische Ölgemälde aus dem 16. Jahrhundert neu interpretierten. Durch den Einsatz von KI fügte Salle dieser jahrhundertealten visuellen Kette eine weitere Ebene hinzu. „Ich wusste, dass mehr aus den Tapestries herauszuholen war. Dann kam die Maschine und machte es schnell“, erklärt der Künstler.
Gegenwart trifft Vergangenheit
Der Kontrast zwischen generativer Technologie und Venedigs historischer Kulisse ist bewusst gewählt. „Present tense bedeutet einfach, dass wir Gemälde mit den Augen von heute betrachten“, sagt Salle. Venedig sei kunsthistorisch eine Schichttorte, in der alles ineinander übergreife. Die Vergangenheit gebe der Gegenwart Gewicht, Kontinuität sei alles.
Mit seinem Ansatz stellt Salle die Frage, wie Malerei im digitalen Zeitalter funktioniert. Die Ausstellung zeigt, dass Geschichte auf Leinwand niemals statisch ist, sondern durch neue Technologien ständig neu interpretiert werden kann.
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