Degot warnt vor Provinzialisierung des steirischen herbst

Pia ProdingerPia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Intendantin des Grazer Kunstfestivals, Ekaterina Degot, äußert Bedenken zur Zukunft der Veranstaltung. Bei der Programmvorstellung am Dienstag sprach sie von Warnsignalen und der Gefahr, dass das international bedeutende Festival an Bedeutung verlieren könnte.

Ekaterina Degot, deren Intendanz Ende 2027 endet, präsentierte am Dienstag das Programm der diesjährigen Ausgabe des steirischen herbst im aktuellen Festivalhauptquartier in einem ehemaligen Gasthaus am Grazer Griesplatz. Dabei machte die Intendantin deutlich: „Ich mache mir Sorgen um den steirischen herbst“.

Das Festival gehöre nicht ausschließlich Graz, den Eigentümern und dem lokalen Publikum, betonte die aus Russland stammende Kunsthistorikerin und Kuratorin. Vielmehr handle es sich um ein sehr wichtiges internationales Festival. Degot sieht die Gefahr einer Provinzialisierung und befürchtet, möglicherweise nicht nur die erste, sondern auch die letzte ausländische Intendantin der Veranstaltung zu sein.

Festivalmotto „Red Flags“

Das Motto der diesjährigen Ausgabe lautet „Red Flags“ – ein Begriff, der ursprünglich aus der Datingszene stammt und mittlerweile als Sinnbild für Warnsignale aller Art steht. Diese würden von Menschen oft als böses Omen wahrgenommen und führten zu einer „Paralysierung des Denkens“, erklärte Degot. Dadurch erhielten rechte politische Strömungen die Möglichkeit, Denkfreiheit für sich zu reklamieren. Mit dem heurigen Festival wolle man sich mit dieser Problematik auseinandersetzen und „peu à peu“ Denkmöglichkeiten erweitern.

Dass das Festival während ihrer Intendanz bereits zum zweiten Mal seine Zelte auf dem Griesplatz aufschlägt, brachte sie mit dem „kosmopolitischen Charakter“ des Grazer Innenstadtbezirks in Verbindung. Graz fühle sich hier mehr nach London an als Geidorf oder St. Peter.

Programm von 24. September bis 18. Oktober

Die Eröffnung findet am 24. September statt – mit einer Rede Degots, einer Performance auf dem Karmeliterplatz sowie der internationalen Premiere der Tanzperformance „Angelic Conversations“ des britisch-polnischen Choreografen Alex Baczyński-Jenkins in der Helmut-List-Halle. Das Festival dauert bis 18. Oktober.

Die Hauptausstellung ist von 26. September bis 15. November im Haus Griesplatz 34 zu sehen. Im Rahmen des Partnerprogramms gibt es steiermarkweit weitere 29 Ausstellungen. Neben zahlreichen Performances und Theateraufführungen – viele davon Eigenproduktionen – gibt es wie jedes Jahr das „Herbstkabarett“, ein erweitertes Vermittlungsprogramm und das in das Festival eingebettete ORF-Musikprotokoll. Dieses findet heuer unter dem Titel „Supernova“ von 3. bis 11. Oktober statt. Ö1 widmet dem steirischen herbst einen Podcast.

Quelle: APA

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