Demenztrainerin: „Zeit geben ist die größte Herausforderung“

Stefanie Eicher betreut im Haus für Senioren in Henndorf Menschen mit Demenz. Die ausgebildete Demenztrainerin erklärt, wie sie Betroffenen hilft, ihre Selbstständigkeit zu bewahren – und warum 20 Sekunden Stille oft schwer auszuhalten sind.
Stefanie Eicher arbeitet als Demenztrainerin im Haus für Senioren in Henndorf. Ihr Ziel: Menschen mit Demenz dabei unterstützen, ihre vorhandenen Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten oder verloren gegangene Fertigkeiten wieder zurückzugewinnen. Demenztrainer setzen unterschiedliche Methoden ein, um die Lebensqualität und Selbstständigkeit der Betroffenen zu fördern. Sie beraten zudem Pflegeteams und Angehörige.
Motivation: Lebensqualität mit Respekt und Würde
Eicher entschied sich bewusst für die Ausbildung, weil sie Menschen mit Demenz wertschätzend begleiten wollte. „Die Liebe zu meinem Beruf, die Neugier der Demenz-Diagnose und der Wunsch einen Mehrwert für die Menschen zu schaffen waren dabei eine große Motivation“, schildert sie. Für sie bedeute Demenztraining weit mehr als bloße Beschäftigung – es gehe darum, Menschen mit Respekt und Herz zu begegnen und ihnen Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.
20 Sekunden Stille aushalten
Der größte Aha-Effekt in ihrer Ausbildung war die Bedeutung von Zeit. Zwar wisse man, dass Menschen mit Demenz mehr Zeit benötigen, doch werde diese oft nicht gegeben. „Es ist eine Herausforderung, dass wir unser Arbeitstempo in unserer sehr schnelllebigen Gesellschaft anpassen“, so Eicher. Sie habe gelernt, Zeit bewusst zu geben und auch Stille auszuhalten.
Ein einfaches „Guten Morgen“ könne bis zu 20 Sekunden benötigen, bis die Information verarbeitet sei. Die Frage, ob man diese Stille aushalte, ohne die Begrüßung zu wiederholen, stelle sich im Alltag immer wieder.
Genauer hinschauen und zuhören
Mittlerweile fühle sie sich sicherer im Umgang mit Zeit. Sie habe gelernt, dass nicht alles perfekt sein müsse, um wertvoll für den Menschen mit Demenz zu sein. Vor allem achte sie mehr auf den Menschen hinter der Demenz. „So kommen die besten Verbindungen zu Stande, es schafft Vertrauen, Nähe und wertvolle Begegnungen“, erklärt die Demenztrainerin.
Erfolge im Alltag: Frühstück selbst herrichten
Im täglichen Einsatz versuche Eicher, das Gelernte einfließen zu lassen, um den Verlauf der Demenz positiv zu beeinflussen. Wiedererkennung, vertraute Abläufe und Verbindungen stärken stünden im Mittelpunkt. Kleine Erfolgserlebnisse und Lebensqualität in kleinen Schritten zu fördern, sei ihr wichtig.
Die Erfolge zeigen sich konkret: Eine Bewohnerin könne sich durch gezieltes Alltagstraining ihr Frühstück vom Buffet wieder selbst herrichten, sobald sie Eicher morgens sehe. Eine andere Bewohnerin habe nach genauer Anleitung wieder begonnen, sich selbst anzuziehen.
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