Demokratiebildung im Fokus beim QMS-Tag in Eisenstadt

Beim vierten QMS-Tag der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland diskutierten Schulleiter:innen und Pädagog:innen am 22. September 2026 über demokratische Kultur im Schulalltag. Im Kultur Kongress Zentrum Eisenstadt standen Führung, Beteiligung und Verantwortung im Mittelpunkt.
Alfred Lehner, Bildungsdirektor für Burgenland, Jürgen Neuwirth, Leiter des Pädagogischen Dienstes der Bildungsdirektion Burgenland, und Sabine Weisz, Rektorin der PPH Burgenland, eröffneten die Veranstaltung. Sie hoben die Relevanz von Demokratiebewusstsein, Medienkompetenz, Beteiligung und Verantwortung für Schulen hervor.
Demokratie als Lebensform
Die Politikwissenschafterin und Demokratieberaterin Tamara Ehs, Autorin des Essays „Verteidigung der Demokratie“, hielt eine der beiden Keynotes. Sie unterstrich, dass Demokratie weit mehr sei als ein politisches System und Wahlen. „Sie ist auch eine Gesellschafts- und Lebensform, die im Alltag durch Meinungsfreiheit, Beteiligung, Solidarität und die Akzeptanz unterschiedlicher Positionen gestaltet werden muss“, erklärte Ehs.
Angesichts der sinkenden Zufriedenheit mit der Demokratie, besonders bei jungen Menschen, betonte sie die Wichtigkeit politischer Bildung. Diese müsse an den Fragen und Lebenswelten Jugendlicher ansetzen und ihnen konkrete Beteiligungsmöglichkeiten bieten. Neben Sachwissen seien Kompetenzen in Debattenführung, Meinungsfreiheit, Medienkompetenz und gesellschaftlicher Teilhabe erforderlich. Ziel sei es, junge Menschen zur aktiven Mitgestaltung demokratischer Prozesse zu befähigen.
Schule als Ort gelebter Demokratie
Michael Hammer, Professor für Fachdidaktik Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung an der Pädagogischen Hochschule Steiermark, konzentrierte sich auf die Schule als Ort gelebter Demokratie und auf die Rolle von Schulführung. Er stellte partizipative Führung, transparente Entscheidungsprozesse und geteilte Verantwortung in den Mittelpunkt.
Bildung als Schutzfaktor für Demokratie
Rektorin Sabine Weisz verwies auf den weltweiten Druck auf liberale Demokratien seit 2016. „Diese Entwicklung zeigt sich nicht nur in den Medien, sondern auch in Wahlergebnissen immer deutlicher. Umso klarer wird: Bildung ist ein entscheidender Schutzfaktor für Demokratie“, sagte Weisz.
Mit Blick auf die Ergebnisse der Jugendstudie 2025 nannte sie alarmierende Zahlen: Während 2020 noch 70 Prozent der 14- bis 18-Jährigen mit der Demokratie zufrieden waren, seien es 2025 nur noch 42 Prozent. Gleichzeitig interessierten sich 49 Prozent der Jugendlichen für Politik, während sich 56 Prozent eine starke Hand wünschten. Bildungseinrichtungen müssten dieses Interesse abholen und Demokratie nicht nur unterrichten, sondern auch erlebbar machen – durch wertschätzende Diskurse und vielfältige Mitbestimmungsmöglichkeiten.
Bildungsdirektor Alfred Lehner betonte: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Haltung, die gelernt und gelebt werden muss. Gerade in Zeiten von großer gesellschaftlicher Veränderung ist es unsere Aufgabe im Bildungsbereich, Beteiligung zu ermöglichen, unterschiedliche Perspektiven zu beleuchten und junge Menschen zu ermutigen, ihre Stimme einzusetzen und gemeinsam Verantwortung für unsere Gesellschaft zu übernehmen.“
Jürgen Neuwirth erklärte, gute Führung bedeute heutzutage, alle Menschen einzubeziehen, eine Vertrauensbasis zu schaffen und Verantwortung zu teilen. Der QMS-Tag 2026 mache deutlich, wie Demokratie, Führung, Beteiligung und Verantwortung miteinander verbunden seien. Schulen seien Orte, an denen sichtbar werde, wie wichtig es sei, demokratische Kultur nicht nur zu thematisieren, sondern auch aktiv zu leben.
Praxisorientierte Workshops am Nachmittag
Am Nachmittag beschäftigten sich die Teilnehmer in praxisnahen Workshops noch genauer mit den Themen. Dabei ging es unter anderem um demokratische Schulführung, Shared Leadership, kooperatives Lernen, kollegiale Hospitation und das Zusammenspiel von Sprache, Macht und Manipulation. Andre Wolf von Mimikama sprach über Narrative und manipulative Kommunikationsstrategien in sozialen Medien.
Karina Toth und Jürgen Frentz von der PPH Burgenland moderierten den vierten QMS-Tag.
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