Diakonie fordert Ausbau von Tageszentren für Demenzkranke

Mona HopfingerMona Hopfinger
Seniorenbetreuerin Elisabeth Müller bedient Handmixer in einem Gemeinschaftsraum in Wien
© diakonie.at

Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September verlangt die Diakonie Österreich einen flächendeckenden Ausbau der Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz. Direktorin Maria Katharina Moser kritisiert die regionalen Unterschiede bei Verfügbarkeit und Kosten.

Tagesbetreuung könne die Lebensqualität von Menschen mit Demenz nachweislich verbessern und den Krankheitsverlauf verlangsamen, betont Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich, zum Welt-Alzheimertag. Die weitverbreitete Ansicht, bei Demenz könne man nichts machen, sei falsch.

Gemeinschaft, Bewegung, Singen, Vorlesen, kreatives Gestalten und ein strukturierter Alltag würden Menschen mit Demenz helfen, ihre Fähigkeiten länger zu bewahren, aktiv zu bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, erklärt Moser.

Positive Effekte wissenschaftlich belegt

Eine Wirkungsanalyse der Tagesbetreuung des Diakoniewerks in Wels, die von Master-Studierenden der FH Oberösterreich durchgeführt wurde, belegt positive Auswirkungen auf soziale Teilhabe, Demenzverlauf und Lebensqualität. Betroffene erleben Gemeinschaft statt Isolation und können durch den Erhalt ihrer Fähigkeiten länger in ihrer vertrauten Umgebung wohnen.

Auch pflegende Angehörige profitieren erheblich: 89 Prozent der Befragten geben an, emotional oder zeitlich entlastet zu werden, 68 Prozent gewinnen mehr Zeit für sich. Die Tagesbetreuung erleichtert zudem die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.

Die Wirkung reiche bis ins Pflege- und Sozialsystem, unterstreicht Moser. Tagesbetreuung könne Heimeintritte verzögern. Die Analyse beziffert die geringeren Kosten für die öffentliche Hand bei einem um sechs Monate späteren Heimeintritt mit rund 19.700 Euro pro Person.

„Was Menschen mit Demenz guttut, ist auch vernünftig für das Budget“, betont die Diakonie-Direktorin. Wer bei präventiven Angeboten spare, riskiere später höhere Kosten.

Große regionale Unterschiede bei Kosten

In Österreich gibt es rund 260 Tageszentren. Verfügbarkeit und Kosten unterscheiden sich je nach Region stark: Abhängig vom Wohnort kostet die Tagesbetreuung für dieselbe Person zwischen 25 und 80 Euro pro Tag. Außerdem sind nicht alle Zentren auch für Menschen mit Demenz offen.

Ob ein Mensch mit Demenz regelmäßig ein Tageszentrum besuchen kann, dürfe nicht von der Postleitzahl und vom Geldbörsel abhängen, kritisiert Moser. Zwei bis drei Tage Tagesbetreuung pro Woche müssten sich alle Menschen in Österreich leisten können.

Vier-Punkte-Forderung der Diakonie

Die Diakonie fordert vier Verbesserungen: Verfügbarkeit (österreichweiter Ausbau, vergleichbare Versorgungsdichte), Zugänglichkeit (gesicherter Transport, bessere Information), Leistbarkeit (Kostenkorridor für zwei bis drei Tage/Woche, kostendeckende Führung) und Demenz-Kompetenz (qualifiziertes Personal, Finanzierung für Begleitung und Beratung).

„Tagesbetreuung wirkt – jetzt muss die Pflegepolitik handeln“, so Moser. Tageszentren seien unverzichtbar für die Langzeitpflege und müssten verfügbar, zugänglich, leistbar und demenzkompetent werden.

Quelle: https://www.diakonie.at/news-stories/pressemitteilung/welt-alzheimertag-tageszentren-sind-unverzichtbarer-teil-guter-demenzbetreuung

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