Diakonie warnt vor Lücken in Sterbebegleitung

Mona HopfingerMona Hopfinger
Zerbrochene Brücke mit einer Decke auf einem Teil, daneben ein Dokument mit den Jahreszahlen 2022 und 2026
© Mit KI (Gemini) generiert

Sterbende Menschen werden verlegt, weil Betreuungszeiten ablaufen – die Diakonie kritisiert das System und fordert würdevolle Begleitung am Lebensende für alle, unabhängig vom Wohnort.

Eine hochbetagte Frau in Kurzzeitpflege liegt im Sterben. Doch ihre Betreuungszeit ist abgelaufen – sie muss verlegt werden. Die Diakonie nimmt diesen Fall zum Anlass, um auf gravierende Mängel in der Begleitung am Lebensende hinzuweisen.

„Einen sterbenden Menschen zu übersiedeln, weil das System keinen Spielraum kennt, ist unmenschlich und widerspricht dem Palliativgedanken“, betont Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. Wer im Sterben liege, brauche vertraute Menschen, Ruhe und verlässliche Versorgung. Jedes Pflegeangebot müsse auch am Lebensende würdevolle Begleitung ermöglichen.

Spezialisierte Versorgung ausgebaut – Grundversorgung vernachlässigt

2022 wurde ein Fonds für die Hospiz- und Palliativversorgung eingerichtet. Die Diakonie bemängelt fehlende Transparenz bei der Mittelverwendung. Soweit nachvollziehbar, sei die spezialisierte Versorgung für schwerstkranke Menschen mit komplexen Symptomen ausgebaut worden – was die Organisation begrüßt.

Gleichzeitig klafft laut Moser eine eklatante Lücke in der palliativen Grundversorgung durch Hausärzte, mobile Hauskrankenpflege und Pflegeeinrichtungen: „Für Menschen, die zu Hause oder im Pflegeheim sterben, sind offenbar nur Restmittel vorgesehen.“

Personalmangel verschärft die Situation

Weil Menschen heute länger zu Hause gepflegt werden, verbringen sie oft nur kurze Zeit im Pflegeheim. Etwa die Hälfte lebt dort weniger als ein Jahr. Damit gewinnt Palliativpflege und Sterbebegleitung in Pflegeeinrichtungen an Bedeutung – doch die Möglichkeiten schwinden.

Qualifizierte Pflegekräfte fehlen, Personalschlüssel verschlechtern sich, Ärzte sind für Pflegeheime oft nicht verfügbar. „Wenn die Pflegekräfte zu wenig Zeit haben und wenn die Unterstützung von Ärzten und Ärztinnen, die Schmerzen behandeln können, fehlt, dann wird Sterben im letzten Zuhause, dem Pflegeheim, zum Problem“, warnt Moser. Sie befürchtet eine Entwicklung zurück zum Sterben im Krankenhaus – ein grober Rückschritt.

Evaluierung und Rechtsanspruch gefordert

Die Diakonie verweist auf die im Hospiz- und Palliativfondsgesetz für 2026 festgeschriebene Evaluierung des Fonds sowie den im Regierungsprogramm vorgesehenen Ausbau der Versorgung. Beides sei derzeit unklar.

„Der allgemeine Spardruck darf das Sterben in Würde nicht gefährden“, so Moser. Menschen bräuchten die Gewissheit, bis zuletzt menschlich und kompetent begleitet zu werden. Ziel müsse ein Rechtsanspruch auf Hospiz- und Palliativleistungen sein – unabhängig von Lebensort, Alter und Erkrankung.

Quelle: https://www.diakonie.at/news-stories/pressemitteilung/allerheiligen-menschen-am-ende-ihres-lebens-nicht-herumschieben

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