Dirigent Herbert Blomstedt mit 99 Jahren gestorben

Der Dirigent Herbert Blomstedt ist im Alter von 99 Jahren verstorben. Über vier Jahrzehnte prägte er die Salzburger Festspiele mit seinen Interpretationen und stand zuletzt 2024 am Pult.
Eine der bedeutendsten Dirigentenpersönlichkeiten der Gegenwart ist tot: Herbert Blomstedt starb im Alter von 99 Jahren. Die Salzburger Festspiele würdigen den Künstler, der dem Publikum mehr als vier Jahrzehnte lang musikalische Höhepunkte bescherte.
„Herbert Blomstedt gehörte zu jenen Künstlern, deren Autorität keiner großen Geste bedurfte. Seine Bescheidenheit, seine menschliche Zugewandtheit und seine kompromisslose Hingabe an die Musik waren ebenso beeindruckend wie seine künstlerische Größe“, erklärt das Direktorium der Salzburger Festspiele. Bis ins hohe Alter habe er mit bemerkenswerter geistiger und körperlicher Frische auf dem Podium gestanden.
Autorität ohne große Gesten
Blomstedt zeichnete sich durch eine seltene Kombination aus künstlerischer Souveränität und persönlicher Bescheidenheit aus. Ohne äußeren Nachdruck zog er Orchester in seinen Bann. Seine Interpretationen lebten von außerordentlicher Genauigkeit im Umgang mit der Partitur und zugleich von einer Unmittelbarkeit, die Musik stets neu erscheinen ließ.
Wer ihn auf dem Podium erlebte, begegnete einem Dirigenten, der mit freundlicher Ernsthaftigkeit und wachem Blick mit den Musikern kommunizierte. Nach enthusiastisch gefeierten Konzerten konnte es vorkommen, dass er beschwingt die Stufen des Podiums hinunterhüpfte – die Freude am Musizieren wurde zu seinem Markenzeichen.
Debüt 1976 in Salzburg
Sein erstes Konzert bei den Salzburger Festspielen gab Blomstedt 1976 mit der Staatskapelle Dresden, deren Chefdirigent er damals war. 1990 gastierte das San Francisco Symphony Orchestra unter seiner Leitung in Salzburg, wo er mit Anton Bruckners Dritter Symphonie überzeugte.
Nach längerer Pause kehrte er 2010 mit dem Gustav Mahler Jugendorchester zurück. Im Jahr 2014 stand er bei den Festspielen zum ersten Mal vor den Wiener Philharmonikern. Er übernahm das Dirigat sehr kurzfristig von Riccardo Chailly. Der „Standard“ kommentierte: „Da Bruckners monumentale 8. Symphonie intendiert war, stellte es jedoch eine grobe Unhöflichkeit dar, Herbert Blomstedt als Ersatz zu bezeichnen.“
Letzter Auftritt mit 97 Jahren
Einen Höhepunkt bildete das Abschlusskonzert der Festspiele 2016 mit dem Gewandhausorchester Leipzig und Pianist András Schiff. Sein letzter Auftritt in Salzburg fand im Sommer 2024 statt: Mit den Wiener Philharmonikern dirigierte der damals 97-Jährige im Großen Festspielhaus unter anderem Felix Mendelssohns Lobgesang.
Insgesamt stand Blomstedt 18-mal bei den Festspielen am Pult, mit fünf verschiedenen Orchestern.
Bruckner und Beethoven als Schwerpunkte
Eine besondere Verbindung pflegte Blomstedt zur Musik Anton Bruckners. Seine Aufnahmen der Bruckner- und Beethoven-Werke gelten als Referenzaufnahmen. Er war tief gläubig. Daraus schöpfte er eine Haltung, die sein Musizieren stark prägte. Für ihn war Musik mehr, als eine Partitur perfekt zu spielen. Sie war eine Möglichkeit, sich mit dem Menschlichen und dem Übersinnlichen zu beschäftigen.
Am Großen Festspielhaus wird die schwarze Fahne wehen. Sie ist ein Zeichen der Trauer. Man erinnert sich dankbar an einen Künstler, dessen Musik in Salzburg weiter zu hören sein wird.
Quelle: https://www.salzburgerfestspiele.at/presse/mitteilungen/nachruf-zum-tod-von-herbert-blomstedt
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