Dornbirn erforscht Schicksale von NS-Euthanasie-Opfern

Mona HopfingerMona Hopfinger
Bilder und Texte in einem Ausstellungsrahmen mit Fäden, Wien
© David Tiefenthaler

Das Stadtmuseum Dornbirn arbeitet die Biografien von 30 Menschen auf, die 1940/41 der NS-Euthanasie zum Opfer fielen. Die Wanderausstellung „Eingestickt“ wird 2027 um ihre Lebensgeschichten erweitert.

Die meisten der 30 Dornbirner Opfer waren Patientinnen und Patienten der „Gauanstalt Valduna“ und wurden 1941 in Hartheim ermordet. Ihre Namen und Biografien haben die Historiker Severin Holzknecht und Barbara Motter recherchiert. Die Erkenntnisse fließen in die Erweiterung der Wanderausstellung „Eingestickt“ ein, die am 5. März 2027 eröffnet wird.

Bürgermeister Markus Fäßler betont: „Die nationalsozialistischen Krankenmorde zeigen, wohin Ausgrenzung und die Abwertung menschlichen Lebens führen können. Diese Verbrechen begannen mit gesellschaftlicher Gleichgültigkeit und politischen Entscheidungen. Gerade heute müssen wir wachsam bleiben, wenn Menschen gegeneinander ausgespielt und demokratische Grundwerte infrage gestellt werden. Menschenwürde ist nicht verhandelbar.“

Fotografien und Erinnerungen gesucht

Mit dem „Büro für vergessene Menschen“ ruft das Stadtmuseum Angehörige und Bekannte auf, Erinnerungen zu teilen. Gesucht werden Fotografien, Dokumente und persönliche Geschichten, die helfen, die Biografien zu vervollständigen. Nach Anmeldung ist jeden Freitag von 10 bis 11 Uhr ein persönlicher Austausch möglich.

Zu den 30 namentlich bekannten Opfern zählen unter anderem Franziska Beer, Bruno Berti, Isabella Bohle, Rosalia Dür, Anna Edlinger, Rosa Ender, Josef Feuerstein, Anna Flatz, Agathe Fußenegger, Ida Geiger, Leopold Häfele, Maria Olga Hämmerle, Josef Huber, Rudolf Kalb, Anton Krepl, Anton Luger, Irma Micheli, Paula Ölz, Adolf Pasler, Pauline Rünzler, Frieda Salzmann, Ernestine Tamanini, Adelheid Thurnher, Frieda Thurnher, Hildegard Waibel, Erna Weber, Johann Weber, Heinrich Wehinger, Katharina Wohlgenannt und Andreas Wrobel.

Familienfoto als Ausgangspunkt

Entstanden ist die Ausstellung aus einem Familienfoto, das Ulrike Wieser von ihrer Großcousine Elfi Schlager entdeckte. Elfi war zehn Jahre alt, als sie gemeinsam mit 66 weiteren Bewohnern des St. Josef-Instituts in Mils/Tirol nach Hartheim gebracht und dort ermordet wurde. Wieser begann, die Familiengeschichte zu erforschen. Die Historikerin Melanie Dejnega erarbeitete die Biografien der ermordeten Menschen aus dem Milser Institut.

Kulturstadtrat Valentin Sottopietra erklärt: „Erinnerungskultur bedeutet, sich auch den schmerzhaften Kapiteln unserer Geschichte zu stellen und daraus Verantwortung für die Gegenwart abzuleiten. Kunst und Kultur machen das Verdrängte sichtbar und geben den Opfern ihre Individualität zurück. Jeder Name, den wir wieder ins Bewusstsein holen, ist ein Zeichen gegen das Vergessen.“

Sticken als Praxis gegen das Vergessen

Die Künstlerin Ulrike Wieser ergänzt Fotografien mit bunten Blumen und den Namen der Opfer. Die Installation zeigt rund 100 bestickte Fotografien. Für die Dornbirner Erweiterung werden auch Aufnahmen von Orten verwendet, die mit den Biografien verbunden sind. Da von den meisten Dornbirner Opfern voraussichtlich keine Porträtfotos vorhanden sind, sollen Bilder ihrer Geburts- und Wohnorte diese Lücken sichtbar machen.

Die Ausstellung von Wieser und Dejnega wird vom Stadtmuseum Dornbirn in Kooperation mit der Johann-August-Malin-Gesellschaft erweitert. Die Vermittlung begleitet der Studiengang „Soziale Arbeit“ der Fachhochschule Vorarlberg.

Quelle: https://aktuell.dornbirn.at/presseaussendung/2026-10-30-ausstellung-eingestickt-zur-erinnerung-an-menschen-die-1940-41-in-hartheim-ermordet-wurden

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