Doskozil will Lenzing-Standort in Heiligenkreuz retten

Mathias FischerMathias Fischer
Austria Pet Food: Acht Männer in Anzügen stehen vor einem modernen Gebäude.
© Pfluegl, Landesmedienservice

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil kündigt Unterstützung für das Lenzing-Werk in Heiligenkreuz an. Das Land prüft alle wirtschaftlich sinnvollen Optionen, um die Arbeitsplätze am Standort zu sichern.

Das Burgenland will dem Lenzing-Standort in Heiligenkreuz unter die Arme greifen. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) hat angekündigt, sämtliche wirtschaftlich sinnvollen Möglichkeiten zur Unterstützung des Unternehmens zu prüfen. Das Land steht sowohl mit dem Mutterkonzern als auch mit dem Management vor Ort in engem Austausch.

„Wir werden alle Kräfte mobilisieren, um eine Zukunftslösung für diesen Standort und die Mitarbeiter zu schaffen. Dazu prüfen wir alle Optionen, die eine nachhaltige und langfristige Perspektive ermöglichen“, betonte Doskozil. Noch diese Woche will er sich mit Betriebsratsvorsitzendem Philipp Perl und Bürgermeister Eduard Zach treffen.

Der Landeshauptmann verweist darauf, dass aktive Standortpolitik nicht zusehen dürfe, wenn hunderte Arbeitsplätze, industrielle Wertschöpfung und regionale Leitbetriebe auf dem Spiel stünden. Das Burgenland verfüge über langjährige Erfahrung darin, Betriebe in entscheidenden Phasen erfolgreich zu begleiten – von Restrukturierungen über strategische Beteiligungen bis hin zu Förderungen.

Strategische Beteiligungen als Instrument

„Unser Ziel ist klar: Arbeitsplätze sichern, industrielle Wertschöpfung erhalten und Unternehmen Zukunftsperspektiven geben“, skizzierte Doskozil die Rolle des Landes. Es gebe Situationen, in denen strategische Beteiligungen oder gezielte Unterstützung durch die öffentliche Hand wirtschaftlich vernünftig seien – nicht aus Ideologie, sondern weil es um die Zukunft eines Unternehmens, um hochqualifizierte Arbeitsplätze und um ganze Regionen gehe.

Das Burgenland habe in den vergangenen Jahren mehrfach gezeigt, dass durch eine aktive Standort- und Wirtschaftspolitik Betriebe stabilisiert, Wachstum ermöglicht und Arbeitsplätze nachhaltig gesichert werden könnten. Mit erfolgreichen Ansiedlungen und der Weiterentwicklung von Unternehmen wie Zoerkler, Austria Pet Food, Lumitech, Vossen oder Tool-Tec habe das Burgenland seine Position als leistungsfähiger Industrie- und Produktionsstandort kontinuierlich ausgebaut.

Erfolgreiche Beispiele aus der Vergangenheit

Johannes Stipsits, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Burgenland, verwies auf die Kompetenz des Landes bei der Begleitung von Restrukturierungen, Expansionen und Standortentwicklungen. Jeder Unternehmensfall sei unterschiedlich und müsse individuell bewertet werden. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten aber, dass durch die Zusammenarbeit von Unternehmen, privaten Investoren und der öffentlichen Hand tragfähige Lösungen entstehen könnten.

Als Beispiele nannte das Land mehrere Fälle:

  • Bei Sanochemia in Neufeld konnte das Land ab 2019 in einer wirtschaftlich turbulenten Phase rund 120 Arbeitsplätze sichern. Das Land hatte sich beteiligt und stieg 2023 mit einem Gewinn von knapp zwei Millionen Euro erfolgreich aus. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen fast 200 Mitarbeiter.
  • Das Technologieunternehmen Lumitech wurde durch eine strategische Unternehmensbeteiligung durch den ATHENA-Fonds unterstützt. Damit gingen Investitionen in den Ausbau der Produktion und die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit am Standort Jennersdorf einher.
  • Die Aviation Academy Austria GmbH wurde mittels strategischer Beteiligung über den ATHENA-Fonds auf einen erfolgreichen Entwicklungs- und Wachstumskurs gebracht. Die Unternehmensbeteiligung ist nach wie vor aufrecht.
  • Nach der Insolvenz der Fassadenfirma Stangl entstand mit der LuST Malereibetrieb & Vollwärmeschutz GmbH in Pöttsching ein wirtschaftlich erfolgreiches Nachfolgeunternehmen. Zunächst konnten 45 Arbeitsplätze übernommen werden, heute beschäftigt der Betrieb rund 75 Mitarbeiter.
  • FENZ Software in Pinkafeld entwickelte sich mit Beteiligung des Landes über den ATHENA-Fonds zum führenden Anbieter im DACH-Raum und konnte Anfang 2024 an die internationale Softwaregruppe Everfield übergeben werden.
  • Bei Austria Pet Food GmbH in Pöttelsdorf tragen neben einer aufrechten Beteiligung über den ATHENA-Fonds auch Wirtschaftsförderungen zum laufenden Ausbau des Standorts bei. Die Investitionen sorgten für 50 neue Arbeitsplätze.
  • Die Firma Vossen in Jennersdorf konnte nach dem Konkurs des deutschen Mutterkonzerns 1997 durch Einspringen der seinerzeitigen Wirtschaftsservice Burgenland AG gerettet werden. 2024 wurde ein Rekordumsatz von mehr als 40 Millionen Euro erzielt, 2025 feierte das Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern sein 100-jähriges Bestehen.

Kritik an Bund und Wirtschaftsministerium

„Diese Beispiele zeigen: Aktive Standortpolitik wirkt“, betonte Doskozil. Ohne Intervention der öffentlichen Hand würden etliche dieser Unternehmen nicht so gut dastehen wie jetzt oder gar nicht mehr existieren. Zu bedauern sei allerdings, dass sich der Bund und speziell das Wirtschaftsministerium mittlerweile standortpolitisch nur mehr auf eine Zuschauerrolle beschränke und in den letzten Jahren allenfalls durch fragwürdige Privatisierungen wie bei der AUA aufgefallen sei.

Stipsits ergänzte, man sollte in schwierigen Situationen nicht reflexartig jede Form staatlicher Unterstützung ausschließen. Wenn es wirtschaftlich sinnvoll sei und Arbeitsplätze gesichert werden könnten, müsse die Politik Verantwortung übernehmen. Das Burgenland werde auch künftig ein verlässlicher Partner für seine Unternehmen und Beschäftigten sein.

Quelle: https://wirtschaftsagentur-burgenland.at/presseinformationen/doskozil-bekenntnis-zu-lenzing-werk-land-hat-erfahrung-als-impulsgeber-fuer-leitbetriebe

Worüber spricht Eisenstadt morgen?

Bald verfügbar: Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.