Drei Jugendliche sprangen auf fahrenden ICE in Kühnsdorf

Pia ProdingerPia Prodinger
ICE-Zug fährt durch eine Landschaft mit Rapsfeld und blauen Wolken.
© Deutsche Bahn AG / Wolfgang Klee

Am Samstagabend kletterten drei Jugendliche am Bahnhof Kühnsdorf auf einen abfahrenden ICE und hielten sich außen an den Waggons fest. Die ÖBB verurteilen das lebensgefährliche Trainsurfing scharf, so der ORF.

Drei Jugendliche sind am Samstagabend am Bahnhof Kühnsdorf auf einen abfahrenden ICE gesprungen und hielten sich außen an den Waggons fest. Die ÖBB verurteilten die Aktion in einer Aussendung scharf. Das sogenannte Trainsurfing sei illegal und stelle eine massive Gefährdung des eigenen Lebens sowie der Sicherheit anderer Menschen dar.

Züge bewegen sich mit hohen Geschwindigkeiten und wiegen mehrere Tonnen. Zudem stehen Bahnanlagen unter einer Spannung von 15.000 Volt, wie die ÖBB mitteilten. Bereits die Annäherung an stromführende Anlagen könne schwerste, oft tödliche Verletzungen verursachen. Im September vergangenen Jahres starb ein 15-Jähriger in Maria Saal, nachdem er auf einen Güterzug geklettert war und in den Stromkreis geriet.

Soziale Medien verstärken riskantes Verhalten

Die Zunahme solcher Vorfälle hängt auch mit sozialen Medien zusammen, erklärte Valerie Hase, die an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt dazu forscht. Mutproben seien zwar nicht neu, über soziale Medien verbreiteten sie sich jedoch viel schneller und weiter. „Wie viele Formen von riskanten Verhalten geht es beim Trainsurfing um die Suche nach Anerkennung und Bestätigung“, sagte die Forscherin. Nicht umsonst seien es vor allem junge Männer, die sich daran beteiligten.

Plattform-Algorithmen verstärkten das Phänomen zusätzlich, da gefährliche Inhalte besonders viel Reichweite erhielten. „Soziale Medien bieten dann einen Anreiz dafür, riskantes Verhalten einzugehen“, so Hase. Aufsehen erregende Inhalte sorgten für Klicks, und Algorithmen förderten deren Verbreitung. Dort schaue nicht nur der Freundeskreis zu, sondern potenziell die ganze Welt. Zudem fänden Jugendliche Communities, die solches Verhalten nicht kritisierten, sondern feierten oder sogar Tipps dafür gäben.

Plattformen nehmen Schutzpflicht nicht ernst genug

Die Videos vom Samstagabend wurden bereits tausendfach geklickt. Versuche der Plattformen, solche Inhalte zu sperren, liefen ins Leere, sagte Hase. Digitale Plattformen könnten die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Menschen Risiken eingingen. „Soziale Medien haben in jedem Fall die Verantwortung, Kinder und Jugendliche zu schützen“, betonte die Forscherin. Diese Verantwortung würden sie nicht genügend wahrnehmen. Nicht ohne Grund würden Social-Media-Verbote oder die Einschränkung bestimmter Plattform-Designs immer wieder diskutiert.

Die ÖBB übergaben Videoaufzeichnungen an die Polizei und behalten sich rechtliche Schritte vor. Alarmierend sei zudem, dass bereits zur Jahresmitte die Zahl der Trainsurfing-Vorfälle des gesamten Vorjahres nahezu erreicht wurde.

Quelle: https://kaernten.orf.at/stories/3363520/

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