Drei Viertel fahren ohne Schutzkleidung im Ortsgebiet

Pia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

Fast 700.000 Motorräder sind mittlerweile in Österreich unterwegs – siebenmal so viele wie in den 1970er-Jahren. Doch viele Fahrende unterschätzen die Gefahr: 45 Prozent tragen keine angemessene Schutzausrüstung, so das Kuratorium für Verkehrssicherheit.

Die Zahl der Motorräder auf Österreichs Straßen ist stark gestiegen. Waren um 1970 noch rund 113.000 Zweiräder zugelassen, sind es heute beinahe 700.000. Besonders Maschinen bis 125 ccm Hubraum verzeichnen einen deutlichen Zuwachs. Während manche auf Mopeds als Alternative zu spritfressenden Autos setzen, nutzen andere Cruiser mit großem Hubraum für die Freizeit. In Städten wächst zudem der Anteil elektrischer Modelle.

Verletzungsrisiko 37-mal höher als im Auto

Viele Neulinge auf Zweirädern unterschätzen jedoch das Unfallrisiko, warnt Klaus Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Das Verletzungsrisiko beim Motorradfahren sei 37-mal höher als bei Autolenkern. „Wenn man die gleiche Strecke hernimmt, sind bereits 37 Motorradfahrer verletzt und dann wird einmal der erste Autolenker verletzt“, erklärte Robatsch.

45 Prozent der Motorradfahrenden tragen keine angemessene Schutzkleidung. Im Ortsgebiet sind es sogar 76 Prozent. Zwar werde der Helm schon getragen, doch bei Handschuhen, Schutzjacken und Stiefeln werde oft gespart – vor allem bei hohen Temperaturen. Die Verletzungen passierten trotzdem, und diese seien dann oft sehr schwer, so Robatsch.

Fehlende Protektoren können vor Gericht Folgen haben

Während der Helm beim Motorradfahren Pflicht ist, gilt alles weitere als Ergänzung – eine sinnvolle allerdings, betont Stefan Riedler, der Motorradbekleidung verkauft. Eine gute Jacke zeichne sich durch vernünftige Protektoren aus. Klasse zwei sei das Nonplusultra, guten Abriebschutz böten etwa Jacken der „Klasse AA“.

Ausreichende Protektoren können auch im Rechtsfall schützen. Obwohl nur der Helm Pflicht ist, kam es in Vorarlberg bereits dazu, dass ein Motorradfahrer bei einem unverschuldeten Unfall weniger Schmerzengeld erhielt, weil er neben einem Helm nur Turnschuhe und Jeans trug.

Fahrsicherheitstrainings stark nachgefragt

Das Interesse an Fahrsicherheitskursen boomt. In den beiden steirischen ÖAMTC-Trainingszentren verzeichnet Leiter Andreas Aigner deutliche Zuwächse. Im vergangenen Jahr habe es in Kalwang ein Plus von 21 Prozent gegeben, in Lebring sogar von 30 Prozent. Insgesamt hätten über 4.000 Personen auf zwei Rädern trainiert. Neben Führerscheinneulingen kämen auch viele, die lange Zeit nicht gefahren sind.

Quelle: https://steiermark.orf.at/stories/3362923/

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