Drohnen und KI gegen Waldbrände: Österreichische Plattform startet 2027

Pia ProdingerPia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

Ein österreichisches Technologieunternehmen entwickelt eine digitale Plattform, die Drohnendaten, Sensoren und künstliche Intelligenz für Einsatzkräfte in Echtzeit bündelt. Ab 2027 soll das System Feuerwehren bei Waldbränden und anderen Katastrophen unterstützen.

Die Lagebild.one GmbH arbeitet an einer Plattform, die Informationen aus Drohnen, Sensoren, Karten und von Einsatzkräften in einem gemeinsamen digitalen Lagebild zusammenführt. Das System soll ab 2027 Feuerwehren, Katastrophenschutz und Rettungsorganisationen dabei helfen, bei Waldbränden, Hochwasser oder Personensuchen schneller einen Überblick zu gewinnen.

Das Unternehmen ist ein Joint Venture von DroneCorps und JOANNEUM RESEARCH. Gemeinsam überführen die Partner Technologie zur Datenaufnahme und Kommunikation in eine marktfähige Lösung für Einsatzorganisationen.

Wärmebilder und automatisierte Drohneneinsätze

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz von Drohnen bei Wald- und Vegetationsbränden. Aus der Luft lassen sich schwer zugängliche Gebiete rasch erfassen. Live- und Wärmebilder werden an alle Leitständen und Einsatzstandorte übertragen und ermöglichen einen umfassenden Überblick über das Einsatzgebiet. So können Brandherde oder Glutnester effizienter bekämpft werden.

Die Plattform soll automatisierte Drohnenmissionen ermöglichen, die Daten KI-unterstützt auswerten und auch die automatische Brandbekämpfung aus der Luft unterstützen. Das spanische Partnerunternehmen Drone Hopper bringt Erfahrung bei der Entwicklung von Schwerlastdrohnen ein. Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts WILDHOPPER wurde eine Drohnenplattform entwickelt, die bis zu 600 Liter Löschmittel transportieren und gezielt über Brandgebieten ausbringen kann.

Bei der Einbindung weiterer Drohnen-, Sensor- und Einsatzsysteme ist Lagebild.one herstellerunabhängig konzipiert und offen für unterschiedliche Technologien und Anbieter.

Informationen dort verfügbar machen, wo sie gebraucht werden

Raffael Dreiher, Geschäftsführer der Lagebild.one GmbH, erklärt: „Unser Ziel ist es, bestehende Informationen und Systeme so miteinander zu verbinden, dass daraus ein tatsächlich nutzbares Lagebild entsteht. Gerade in zeitkritischen Situationen kann es entscheidend sein, relevante Informationen schnell und übersichtlich dort zur Verfügung zu stellen, wo sie von den Einsatzkräften benötigt werden.“

Neben Waldbränden kann die Technologie künftig auch bei Hochwasser, Suchaktionen sowie weiteren Katastrophen- und Großschadenslagen eingesetzt werden.

Waldbrände als europäische Herausforderung

Stephen Grimm, Geschäftsführer von DroneCorps, betont die wachsende Bedeutung des Themas: „Wald- und Vegetationsbrände sind längst keine Herausforderung einzelner Regionen mehr. Auch in Europa werden extreme Wetterlagen und großflächige Brände zunehmend zu einem Thema für Einsatzorganisationen.“ Österreich verfüge über hervorragendes technologisches und wissenschaftliches Know-how. Mit Lagebild.one wolle man einen Beitrag leisten, dieses Wissen in konkrete Lösungen zu übersetzen, die auch international eingesetzt werden können.

Ein wesentlicher Fokus liegt auf der Zusammenarbeit mit internationalen Technologiepartnern und auf der Überführung österreichischer Forschungs- und Entwicklungsleistungen in konkrete Anwendungen für Einsatzorganisationen.

Von der Forschung zum Produkt

Matthias Rüther von JOANNEUM RESEARCH betont die technologische Grundlage der Entwicklung: Auf Basis der bisherigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten von JOANNEUM RESEARCH entstehe gemeinsam mit Lagebild.one nun eine Lösung mit hohem Praxisbezug. Anfang kommenden Jahres werde ein Produkt zur Verfügung stehen, das insbesondere für die Bekämpfung von Waldbränden einen konkreten Mehrwert biete und gleichzeitig das Potenzial für den internationalen Markt habe.

JOANNEUM RESEARCH bringt langjährige Erfahrung in den Bereichen Fernerkundung, Geoinformation, Sensorik und angewandte Forschung ein. DroneCorps ergänzt diese Kompetenzen um Erfahrungen rund um Drohnentechnologien, Produktentwicklung und die wirtschaftliche Weiterentwicklung innovativer Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, aus bestehenden Forschungsergebnissen ein praxistaugliches Produkt zu entwickeln, das sich an den tatsächlichen Anforderungen von Feuerwehren und anderen Einsatzorganisationen orientiert.

Quelle: OTS

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