Dürre bringt Bauern im Bezirk Melk in Existenznot
Die schwerste Trockenheit seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat landwirtschaftliche Betriebe im Bezirk Melk an den Rand des Ruins gebracht. Verdorrte Felder, Futtermangel und Notschlachtungen bedrohen die regionale Lebensmittelversorgung.
Die extreme Dürre hat heuer im Bezirk Melk zu massiven Ernteausfällen geführt. Die Felder lieferten kaum Ertrag, die Wiesen sind braun. Dem Vieh fehlt das Futter, weshalb viele Tiere geschlachtet werden müssen. Durch die Notkeulungen ist der Fleischpreis verfallen. Zahlreiche bäuerliche Betriebe stehen vor dem wirtschaftlichen Aus.
Die Selbstversorgung mit Lebensmitteln ist dadurch ins Wanken geraten. Die Bauern benötigen nun Unterstützung durch bewussten Einkauf regionaler Produkte in Hofläden und direkt bei den Produzenten, um die akute Not zu lindern.
Klimaanpassung reicht nicht aus
Landwirtschaftliche Betriebe setzen bereits verschiedene Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel um. Dazu zählen begrünte Böden, trockenheitsresistentere Pflanzensorten, Ammoniakreduktion, Humusaufbau zur CO2-Speicherung sowie Investitionen in Kühl- und Lüftungstechnik für Stallgebäude.
Dennoch ist es für Einzelbetriebe sehr schwierig, einer so flächendeckenden und langanhaltenden Dürre entgegenzuwirken. Unterstützungsmaßnahmen sind notwendig, um die Produktionskosten zu decken. Der Futtermangel zwingt betroffene Landwirte zur Reduktion oder Aufgabe der Tierhaltung. Andere Betriebe müssen teuer Futter zukaufen oder befürchten große Ernteausfälle bei Herbstkulturen wie Soja, Kürbis und Mais.
Appell zum Zusammenhalt
Johannes Zuser, Obmann der Bezirksbauernkammer Melk, appelliert an den Zusammenhalt: „Die Betroffenheit auf den Betrieben ist enorm. Die Kombination aus Trockenheit, Hitze und steigenden Produktionskosten bringt uns Bäuerinnen und Bauern an unsere Grenzen!“
Durch bewussten Einkauf österreichischer Erzeugnisse könne den Landwirten Wertschätzung für ihre tägliche Arbeit entgegengebracht werden. Dies sichere die Wertschöpfung im eigenen Land. Durch direkten Kontakt beim Einkauf in Hofläden werde der Dank für heimische Lebensmittel gerne angenommen. Zuser zeigt sich begeistert vom Aufruf zum Kauf rot-weiß-rot produzierter Lebensmittel.
Existenzbedrohung am Dammererhof
Wie stark die Situation einzelne Betriebe trifft, zeigt sich am Dammererhof. Silke und Josef Dammerer führen einen Rindermastbetrieb mit rund 65 Tieren und setzen ausschließlich auf Fleischproduktion. Das Rindfleisch wird direkt ab Hof vermarktet, zusätzlich finden sich im Hofladen Produkte von mehr als 30 Produzenten aus der Region.
Für Silke Dammerer ist die Treue der Konsumenten entscheidend: „Die Kunden können uns helfen, indem sie den heimischen Produkten treu bleiben. Es muss nicht immer etwas von irgendwo aus dem Ausland sein“, betont sie. Niedrige Erzeugerpreise, hohe Betriebsmittelkosten etwa für Diesel und die teils massiven Ernteausfälle setzen die Betriebe unter Druck. Besonders für tierhaltende Betriebe wird die Situation zunehmend existenzbedrohend.
Am Dammererhof wird möglichst viel selbst produziert: Kukuruz, Gras und Getreide stammen vom eigenen Betrieb, lediglich Donausoja wird zugekauft. Die Kreislaufwirtschaft sei für die Landwirtschaft in Niederösterreich besonders wichtig, erklärt Silke Dammerer. Eine große Unterstützung seien Konsumenten und Gastronomie, die bewusst zu heimischen Produkten greifen. Dadurch werde der Markt für regionale Lebensmittel entlastet und die Wertschöpfung bleibe in der Region.
„Jeder Betrieb, der zusperrt, sperrt nicht wieder auf“, gibt Josef Dammerer zu bedenken. Für die Familie geht es nicht nur um die aktuelle Dürre, sondern um die langfristige Sicherung der heimischen Lebensmittelversorgung.
Kritik an pauschaler Schuldzuweisung
Dammerer weist darauf hin, dass die Landwirtschaft beim Thema Klimawandel häufig pauschal kritisiert werde. Die Treibhausgasemissionen der österreichischen Landwirtschaft seien seit 1990 um rund 15 Prozent gesunken. Insgesamt entfielen rund zehn Prozent der Treibhausgasemissionen auf die Landwirtschaft, wobei die Bindung von Treibhausgasen durch Pflanzen dabei noch nicht eingerechnet sei.
Besonders kritisch könnte die Situation werden, wenn die Betriebe im Frühjahr erneut in eine trockene Saison starten und über den Winter nur wenig Niederschlag fällt. „Wenn wir im Frühjahr wieder in eine Trockensaison starten, wird es enorm brenzlig – auch für jene Betriebe, die sich jetzt noch über Wasser halten konnten“, warnt Silke Dammerer.
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