Dürre in Niederösterreich: Wasser wird zur Überlebensfrage

Mathias FischerMathias Fischer
Wasser fließt in Hände vor unscharfem Hintergrund mit grüner Vegetation
© Gizem Gökce / Pexels (Symbolbild)

Die extreme Trockenheit des Jahres 2026 stellt die niederösterreichische Landwirtschaft vor massive Herausforderungen. Besonders im Osten des Bundeslandes fehlen seit Monaten rund 50 Prozent der üblichen Niederschläge. Das Kompetenzzentrum Bewässerung zeigt, wie groß der Handlungsbedarf mittlerweile ist.

Die anhaltende Hitze und Trockenheit zählen heuer zu den schwersten der vergangenen Jahrzehnte. Ganz Niederösterreich ist betroffen, besonders dramatisch ist die Lage in Ostösterreich. Dort liegt das Niederschlagsdefizit seit Monaten bei rund 50 Prozent. In manchen Regionen sind seit Jahresbeginn insgesamt nur etwa 145 Millimeter Niederschlag gefallen – ein historisch niedriger Wert.

Die Folgen sind in allen Bereichen der Land- und Forstwirtschaft deutlich spürbar. Wasser ist zu einer der zentralen Zukunftsfragen für die heimische Landwirtschaft und damit für die regionale Versorgungssicherheit geworden, wie das Kompetenzzentrum Bewässerung zeigt.

Alle Produktionsbereiche betroffen

Von Ackerbau über Gemüse-, Obst- und Weinbau bis hin zu Grünland, Tierhaltung und Forstwirtschaft – die anhaltende Trockenheit trifft sämtliche Produktionsbereiche. Lokale Gewitter bringen zwar kurzfristig Entlastung, können das großflächige und tiefreichende Bodenwasserdefizit jedoch nicht ausgleichen.

Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, betont die schwierige Situation: „Die Betroffenheit auf den Betrieben ist enorm. Die Kombination aus Trockenheit, Hitze und steigenden Produktionskosten bringt viele Bäuerinnen und Bauern an ihre Grenzen.“ Die Betriebe würden sich seit Jahren Schritt für Schritt an die Folgen des Klimawandels anpassen. Damit sie auch künftig hochwertige heimische Lebensmittel produzieren können, brauchen sie jedoch verlässliche Rahmenbedingungen und langfristige Perspektiven.

LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf unterstreicht die Bedeutung für die bäuerlichen Betriebe: „Versorgungssicherheit beginnt mit der Verfügbarkeit von Wasser, denn ohne Niederschläge kein Pflanzenwachstum. Deshalb braucht es den konsequenten Ausbau von Bewässerungssystemen für die Landwirtschaft.“ Wasser in der Region zu halten, gewinne angesichts zunehmender Trockenperioden immer mehr an Bedeutung.

Viele Bausteine für die Anpassung

Die Landwirtschaft passt sich seit vielen Jahren schrittweise an die Folgen des Klimawandels an. Die Betriebe setzen dabei verschiedenste Maßnahmen um: Humusreiche Böden als natürliche Wasserspeicher, vielfältige Fruchtfolgen, standortangepasste Sorten, moderne Technik und ein effizienter Wasserrückhalt sind ebenso Teil der Strategie wie eine Bewässerung dort, wo sie notwendig und fachlich sinnvoll ist.

Gleichzeitig wird laufend an einer weiteren Effizienzsteigerung der Bewässerungstechnik gearbeitet, um Wasser gezielt, bedarfsgerecht und ressourcenschonend einzusetzen. Genau hier setzt das Kompetenzzentrum Bewässerung an. „Im Kompetenzzentrum wird das Wissen aus Wasserwirtschaft und Landwirtschaft gebündelt und dient sowohl den Gemeinden als auch den Bäuerinnen und Bauern als Beratungsstelle“, so Pernkopf.

Expertise aus drei Jahrzehnten Wassermanagement

Das Kompetenzzentrum wurde 2020 auf Initiative des Landes Niederösterreich und der Landwirtschaftskammer Niederösterreich gegründet und ist in die Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal eingebettet. Diese verfügt über mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung im nachhaltigen Wassermanagement und sichert mit dem Marchfeldkanalsystem den größten zusammenhängenden Grundwasserkörper Österreichs.

Auf dieser Expertise aufbauend begleitet das Kompetenzzentrum landwirtschaftliche Betriebe in ganz Niederösterreich bei der Entwicklung nachhaltiger Bewässerungslösungen. Seit seiner Gründung wurden bereits rund 180 Anfragen und Projekte begleitet – von Fragen der Wasserherkunft über Speicherteiche, Leitungs- und Pumpsysteme bis hin zu Bewässerungstechnik, Fördermöglichkeiten sowie wasser- und naturschutzrechtlichen Verfahren.

Darüber hinaus bündelt das Kompetenzzentrum wissenschaftliches Know-how, entwickelt neue Lösungen gemeinsam mit Forschungseinrichtungen weiter und arbeitet an innovativen Methoden – etwa der satellitengestützten Abschätzung des Bewässerungsbedarfs. Gleichzeitig werden Möglichkeiten einer überregionalen Wasserversorgung für besonders betroffene Regionen geprüft.

Auffällig ist, dass inzwischen immer mehr Anfragen aus Regionen kommen, die bis vor wenigen Jahren noch über ein ausreichendes Wasserdargebot verfügten – etwa aus dem Waldviertel.

Der Leiter des Kompetenzzentrum Bewässerung, Franz Steiner, erklärt: „Das Marchfeldkanalsystem sichert die Wasserversorgung in einer der trockensten Regionen Österreichs. Seit dem Jahr 1992 fließt Wasser von der Donau in der Region und erfüllt eine Vielzahl von Funktionen.“ Vorrangig errichtet für die Sicherung des größten zusammenhängenden Grundwasserkörpers und der nachhaltigen Nutzung des Grundwassers vor allem für die Landwirtschaft in der Region.

Die Bedeutung des Marchfeldkanalsystems und des Kompetenzzentrums Bewässerung nehme aufgrund von Wetterextremen und des Klimawandels stetig zu. Man sehe den steigenden Bedarf an einer gesicherten Wasserversorgung in landwirtschaftlich bedeutenden Produktionsgebieten und damit verbunden das Erfordernis, nachhaltige Bewässerungssysteme zu etablieren und zu nutzen, so Steiner.

Investitionen in Wasserinfrastruktur gefordert

Langfristig führt kein Weg am Ausbau einer nachhaltigen Wasserinfrastruktur vorbei. „Die aktuelle Dürre zeigt deutlicher denn je: Wasser ist zu einer der zentralen Zukunftsfragen für die Landwirtschaft geworden. Wer Versorgungssicherheit ernst nimmt, muss heute in eine sichere Wasserversorgung investieren“, so Pernkopf und Mayr. Die Bäuerinnen und Bauern leisteten ihren Beitrag, könnten diese Herausforderung aber nicht alleine stemmen.

Eine gesicherte Wasserversorgung ist nicht nur für die Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung. Sie sichert regionale Wertschöpfung, stärkt die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln und ist damit eine Investition in die Zukunft Niederösterreichs.

Quelle: OTS

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