Dürre und Hitze setzen Lobau und Neusiedler See zu

Mona HopfingerMona Hopfinger
Austrocknung und Renaturierung eines Flusslaufs bei Rekordhitze von 41°C mit Frosch und Adler
© Mit KI (Gemini) generiert

Die extreme Trockenheit und Hitze des Sommers sowie der warme Herbstbeginn haben in Österreichs artenreichen Lebensräumen massive Schäden verursacht. Besonders betroffen sind die Lobau und der Seewinkel, obwohl beide als Nationalparks unter besonderem Schutz stehen.

Die Rekorddürre und außergewöhnliche Hitze der vergangenen Monate haben in Österreichs Artenvielfalt-Hotspots erhebliche Schäden angerichtet. Besonders deutlich zeigen sich die Folgen in der Lobau und in den Seewinkel-Regionen, die trotz ihres Nationalpark-Status stark leiden. Laut dem Ökologen Franz Essl lassen sich die Probleme auf zahlreiche andere Lebensräume übertragen. Für das Jahr 2026 setzt er „ein doppeltes Rufzeichen“ hinter die Erkenntnis, dass mehr Naturnähe erforderlich sei.

Von 19. bis 30. Oktober findet im armenischen Jerewan die 17. Weltnaturschutzkonferenz („CBD COP 17“) statt. Dabei geht es erneut darum, die rasch fortschreitende Verarmung der Artenvielfalt einzudämmen, die durch den Klimawandel und den umfassenden menschlichen Einfluss auf nahezu alle Lebensräume vorangetrieben wird. In Österreich zeigen sich die Veränderungen durch deutlich höhere Durchschnittstemperaturen, stärkere Verdunstung sowie klimawandelbedingte Trockenperioden im Wechsel mit mehr Starkregenereignissen.

Donau-Nebenarme in der Lobau über Monate trocken

Die extreme Dürre und Hitze des laufenden Jahres mit Temperaturrekorden jenseits der 41 Grad Celsius haben den Österreichischen Biodiversitätsrat (ÖBDR) bereits im August zu einer warnenden Stellungnahme („Von der Flut zur Dürre“) veranlasst. ÖBDR-Mitglied Essl sieht im Gespräch mit der APA Anfang Oktober noch erheblichen Handlungsbedarf, wenn es um die politisch-gesellschaftlichen Lehren aus den bisherigen Verwerfungen geht.

Von einer systematischen Aufarbeitung der Auswirkungen auf die Artenvielfalt könne derzeit noch keine Rede sein. Schlaglichtartig lasse sich aber „heuer sehr stark sehen, dass die Altwässer - also die Donau-Nebenarme - in der Lobau über Wochen und Monate trocken waren und es weiter sind“, so der Ökologe von der Universität Wien. Dies habe natürlich Folgen für die dortigen Artengemeinschaften. Abgeschwächt gelte das für viele ähnliche Flusslebensräume vor allem im Osten des Landes. Hier spielen seit Monaten extrem niedrige Flusswasserstände und vielerorts niedrige Grundwasserstände sehr ungünstig zusammen.

Verlandungsschub in den Donau-Auen

In der Lobau, die zum Nationalpark Donau-Auen gehört, spielt auch die Eintiefung der Donau eine Rolle. Sie schreitet wegen der vielen Donaukraftwerke weiter fort. An Stellen, an denen vor wenigen Jahren noch „Fische geschwommen sind, sieht man jetzt schon zum Teil Pflanzenbewuchs”, sagt der Forscher. Er spricht von einem „Verlandungsschub”. Das ist über mehrere Jahre und vor allem heuer immer wieder passiert. Auch wenn der Wasserstand jetzt wieder steigen würde, hätte sich die Lage verändert. Das betrifft die Aulandschaften, die Auwälder und die Lebensräume entlang des Flusses, die für die Artenvielfalt wichtig sind. „Das gilt sinngemäß auch für viele andere Gewässer, wie etwa die March”, betont Essl. Für Fische, Amphibien und sogar für den großen Seeadler wird das Überleben immer schwerer. Sehr lebendige und produktive Ökosysteme gehen zunehmend verloren, obwohl sie geschützt sind. In der Lobau leiden Pappeln und andere Bäume nicht nur heuer unter großem Trockenstress und verlieren früh ihre Blätter. Auch Sträucher wie der Hartriegel vertrocknen. Wer beim Auwald an einen überfluteten Lebensraum denkt, muss sein Bild heuer stark ändern, so Essl.

Neusiedler See kratzt am Tiefstwert von 2022

Auch der Neusiedler See kratzt im Herbst am Wasserstand-Tiefstwert aus dem Jahr 2022. Zwar hat sich der Pegel in den vergangenen Jahren stabilisiert, seit dem Frühling geht es aber wieder deutlich bergab. Die „Lacken” rund um den See sind größtenteils trocken. Das ist im Herbst nicht ungewöhnlich, aber heuer dauert diese Zeit schon sehr lange. Essl betonte: „Was beide geschützten Gebiete, die gewissermaßen zum Kernbestand der bekannten österreichischen Landschaften zählen, vereint, ist, dass dort die Auswirkungen des Klimawandels genauso sichtbar sind.” Obwohl beide Gebiete unter Naturschutz stehen, prägen auch Menschen sie stark. Dazu gehören der Bau an der Donau und die Wasserentnahme für die Landwirtschaft rund um den Neusiedler See. „Das verstärkt die negativen Auswirkungen in beiden Fällen deutlich”, sagte der Ökologe.

Renaturierung als wesentlicher Faktor

Letztlich zeige sich durch den heurigen Sommer nochmals der wissenschaftlich klare Befund, „dass die Renaturierung ganz wesentlich ist, um die Landschaften im schon deutlich spürbaren Klimawandel anpassungsfähiger zu machen und die Folgen abzumildern“. Vor allem an manchen Flüssen passiert schon länger einiges, zum Beispiel werden Verbauungen entfernt. In anderen Bereichen geschieht aber wenig. Das gilt etwa für den bleibend hohen Bodenverbrauch. Er liegt derzeit bei rund 6,5 Hektar pro Tag. Das Ziel sind 2,5 Hektar jährlich, davon ist man weit entfernt. Neben weniger Bodenverbrauch braucht es weitere Maßnahmen. Die Landschaft soll bei Dürre mehr Wasser halten können. Bei Hochwasser soll das Wasser in Böden und Flüsse fließen und nicht in die Siedlungen. Der Biodiversitätsrat fordert außerdem ein „nationales Grundwasser- und Bodenfeuchte-Monitoring”. Auch die derzeit beispiellose Gletscherschmelze soll in die künftigen Strategien für den Wasserbau einfließen. Zudem dürfen die Naturschutzstandards in ganz Europa nicht aufgeweicht werden.

Einsicht bei Betroffenen gestiegen

Auf der politischen Ebene seien diese Probleme und Lösungsansätze insgesamt „noch nicht ausreichend erkannt worden“, betonte Essl. Bei den Menschen, die direkt vom Klimawandel betroffen sind, ist die Einsicht zuletzt „deutlich gestiegen”, dass man auf die Veränderungen richtig reagieren sollte. „Weil sie es einfach wahrnehmen.”

Quelle: APA

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