Dürre zwingt Bauern zu Notschlachtungen

Mathias FischerMathias Fischer
Dürre in Österreich: 1/3 Niederschlag, 3x Schlachtkühe, 25% Preissturz
© Mit KI (Gemini) generiert

Wegen Futtermangel verkaufen Landwirte derzeit dreimal so viele Schlachtkühe wie üblich. Die Kapazitäten der Schlachthöfe stoßen an ihre Grenzen, die Preise sind um bis zu 25 Prozent eingebrochen. Politik und Interessensvertreter fordern rasche Hilfe.

Die anhaltende Trockenheit führt zu einem massiven Anstieg bei den Schlachtungen. In den vergangenen Wochen kamen laut ARGE Rind, der Dachorganisation von acht Rindererzeugergemeinschaften, rund dreimal so viele Schlachtkühe zur Vermarktung wie normalerweise. Die Schlacht- und Zerlegebetriebe würden dadurch an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Grund für die Notschlachtungen ist die klimawandelbedingte Rekord-Trockenheit, die heuer zu massiven Ausfällen beim Grünschnitt sowie Körnermais führt. Laut GeoSphere Austria gab es österreichweit von Jänner bis Juli durchschnittlich ein Drittel weniger Niederschlag als in den Jahren 1991 bis 2020. Besonders hoch ist das Niederschlagsdefizit in Oberösterreich und Ostösterreich.

Appell gegen Lebendimporte

Die ARGE Rind appelliert an Schlachthöfe und Viehhändler, die Lebendimporte von Schlachtrindern aufgrund der dramatischen Futterknappheit vorübergehend auszusetzen. In normalen Wochen werden dem Dachverband zufolge bis zu 1.000 Kühe lebend zur Schlachtung nach Österreich importiert. Viele Betriebe sähen sich gezwungen, vor allem Schlachtkühe vorzeitig zu verkaufen, um die Versorgung des verbleibenden Tierbestandes sicherzustellen.

Die hohen Vermarktungsmengen haben zu einem Preisrückgang von bis zu 25 Prozent am Schlachtkuhmarkt geführt, wie die ARGE Rind mitteilte. Bei den Fleischwerken Marcher, die Standorte in der Steiermark, Kärnten, Oberösterreich und Niederösterreich sowie auch in Bayern haben, sei ein vermehrtes Schlachtaufkommen aufgrund von Futter- und Wassermangel zu verzeichnen. Für die verarbeitenden Betriebe sei das eine Herausforderung, teilte die Unternehmenssprecherin mit.

Der Fleischhof Raabtal erklärte, dass es beim Schweinefleischbereich keine Auswirkungen gebe, da die Futterversorgung für das ganze Jahr üblicherweise bereits im Herbst eingelagert werde. Was Rinder und Schafe betrifft, sei aber zuletzt ein leichter Anstieg feststellbar, dieser sei derzeit aber nicht beträchtlich und daher auch bewältigbar. Von Steirerfleisch hieß es, dass es derzeit keine Auswirkungen gebe, da sie nur Schweinefleisch verarbeiten.

Befürchtungen wegen Winterversorgung

Werner Habermann, Geschäftsführer der ARGE Rind sowie der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf in Niederösterreich, berichtete von einem massiven Anstieg bei Schlachtkühen in den vergangenen zwei bis drei Wochen. „Betriebe bauen Bestände ab, weil sie befürchten, dass sie mit dem Futter nicht über den Winter kommen“, sagte Habermann. Um Kapazitäten für österreichische Ware aufrechtzuerhalten, wurde appelliert, Lebendimporte aus dem Ausland zu reduzieren. Das sei teilweise bereits erfolgt.

Forderungen nach raschem Hilfspaket

Die FPÖ sah Versäumnisse bei Totschnig und pochte auf rasche Hilfe für die von Dürre betroffenen Landwirte. „Die massiven Schäden durch die Dürre und die drohende Futterknappheit waren seit Wochen, wenn nicht seit Monaten, absehbar. Ebenso kämpfen unsere Bäuerinnen und Bauern mit einem massiven Preisverfall bei zahlreichen landwirtschaftlichen Produkten“, so FPÖ-Agrarsprecher Peter Schmiedlechner in einer Aussendung. Rasche und wirksame Unterstützung für die Betriebe forderte auch der Präsident der Interessensvertretung Land&Forst Betriebe, Konrad Mylius. Außerdem brauche es verlässliche Rahmenbedingungen für Klimawandelanpassung und Waldbrandprävention.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) hatte zu Beginn der Woche ein Dürre-Maßnahmenpaket in Aussicht gestellt, ohne Details zu nennen. Totschnig sei in enger Abstimmung mit den Bundesländern und der Landwirtschaftskammer, um mögliche wirksame Maßnahmen auf den Weg zu bringen, hieß es aus dem Landwirtschaftsministerium. Es gehe in erster Linie um kurzfristige Entlastungsmaßnahmen, aber auch um langfristige Maßnahmen, um die Landwirtschaft besser an den Klimawandel anzupassen.

Erste Schadenszahlen kommende Woche

Die Dürreschäden der heimischen Landwirtschaft lassen sich laut dem Agrar-Spezialversicherer Hagelversicherung noch nicht finanziell beziffern. Kommenden Montag will der Versicherer erste Zahlen liefern und lädt zu einer Pressekonferenz mit dem Titel „Katastrophale Dürreschäden in der Landwirtschaft: Ursachen und Folgen“. In Österreich sind laut Hagelversicherung rund 80 Prozent der Ackerbauern und 40 Prozent der Grünlandbetriebe gegen Dürre versichert.

Die extreme Trockenheit und Hitze haben den Getreideanbau heuer stark belastet. Mit rund 2,5 Millionen Tonnen liegt die Getreideproduktion ohne Mais laut Agrarmarkt Austria (AMA) um 19 Prozent unter dem guten Vorjahreswert und um 14,4 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Für den noch am Feld stehenden Mais wird ebenfalls eine unterdurchschnittliche Ernte erwartet.

Quelle: APA

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