Dusapins „Passion“ begeistert bei Salzburger Festspielen

Pia ProdingerPia Prodinger
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Die konzertante Aufführung von Pascal Dusapins Oper „Passion“ in der Kollegienkirche zeigte am Donnerstagabend die Stärke des Werks. Ohne Bühnenbild entfaltete die 2008 uraufgeführte Oper ihre volle Wirkung durch Klang und Stimmen.

Die schlichte weiße Kollegienkirche erwies sich als idealer Rahmen für Pascal Dusapins Werk. Während der Raum das Auge nahezu leer ausgehen ließ, schärfte er das Gehör umso mehr. Zwischen den Solisten Sarah Aristidou und Georg Nigl im Altarraum, den Musikern des Ensemble Modern und der dahinter positionierten Schola Heidelberg entstand ein Klangraum, in dem jede instrumentale Farbe und jede vokale Nuance greifbar wurde.

Dirigent Franck Ollu hielt die feingliedrige Partitur jederzeit sicher zusammen. Er widerstand der Versuchung, aus der Musik künstlich große Dramatik herauszudirigieren, sondern vertraute ihren langen Spannungsbögen. Das Ensemble Modern dankte es ihm mit einem transparenten, bis ins kleinste Detail ausgehörten Klang. Immer wieder blitzten kleine musikalische Kostbarkeiten auf, verschwanden wieder und machten neuen Farben Platz.

Aristidou und Nigl mit eindringlicher Darstellung

Sarah Aristidou meisterte die enorm anspruchsvolle Partie der Lei mit beeindruckender Selbstverständlichkeit. Ihre Stimme wechselte mühelos zwischen gläserner Zerbrechlichkeit, schneidender Expressivität und großer Verletzlichkeit. Nie wirkte einer dieser Wechsel demonstrativ, vielmehr schien sich jeder neue Klang unmittelbar aus dem seelischen Zustand ihrer Figur zu entwickeln.

Georg Nigl begegnete ihr mit einer ebenso eindringlichen wie körperlich durchdrungenen Darstellung. Wenige Sänger verstehen es, selbst einer konzertanten Aufführung so viel szenische Präsenz zu verleihen. Jede Geste schien aus der Musik herauszuwachsen, jeder Blick erzählte von der Distanz und gleichzeitigen Anziehung zwischen den beiden Figuren.

Meditative Atmosphäre ohne spektakuläre Effekte

Auch die Schola Heidelberg fügte sich organisch in dieses fein austarierte Klanggefüge ein. Mal schien sie den Raum selbst zum Schwingen zu bringen, mal verschmolz sie beinahe unmerklich mit den Instrumenten. Dadurch entstand kein Nebeneinander von Vokalensemble, Orchester und Solisten, sondern ein einziger atmender Klangkörper.

Das Beeindruckendste an diesem Abend war, wie unmerklich sich Dusapins Musik ihrer Zuhörer bemächtigte: Anfangs noch fast zurückhaltend, entwickelte sie mit jeder Minute mehr Sogkraft. Ohne große Ausbrüche und ohne spektakuläre Effekte entstand eine beinahe meditative Atmosphäre, die den Blick zunehmend nach innen richtete.

Die Konzertreihe „Ouverture Spirituelle“ bewies damit einmal mehr, dass ihre Programme häufig zu den spannendsten musikalischen Entdeckungen der Salzburger Festspiele gehören. Das Konzert wurde mit großem Applaus beschlossen und wird nicht wiederholt.

Quelle: APA

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