E-Scooter: 400 Kinderunfälle in Graz in acht Jahren

Pia ProdingerPia Prodinger
© DIETMAR STIPLOVSEK

An der Grazer Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie wurden in den vergangenen acht Jahren knapp 400 Unfälle mit E-Scootern bei Kindern behandelt. 83 Prozent der verunfallten Kinder trugen keinen Helm.

Die Grazer Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie hat zwischen 2017 und 2025 insgesamt 392 junge Patientinnen und Patienten nach E-Scooter-Unfällen versorgt. Dabei wurden 620 Verletzungen dokumentiert. Ein Kind starb nach einer Kollision mit einem Auto an den Folgen seiner schweren Verletzungen, wie Studienleiterin Margarita Eibisberger am Mittwoch per Aussendung des Uniklinikums mitteilte.

Mehr als jedes dritte Kind erlitt mehrere Verletzungen, jedes zehnte sogar mehr als drei. Besonders häufig waren der Kopf- und Halsbereich sowie die oberen Extremitäten betroffen. 83 Prozent der Kinder waren zum Unfallzeitpunkt ohne Helm unterwegs. „Hier liegt ein großes Potenzial, schwere Verletzungen zu verhindern“, betonte Eibisberger.

Niedrige Helmtragequote trotz hoher Verletzungsgefahr

Die Helmtragequote lag im Beobachtungszeitraum bei lediglich 17 Prozent. „Unsere Studie zeigt jedoch, dass sie bei Kindern und Jugendlichen mit teils schweren Verletzungen verbunden sind“, erklärte Eibisberger. E-Scooter würden vielerorts als harmloses Freizeitgerät angesehen, was die Daten jedoch widerlegen.

Holger Till, Vorstand der Grazer Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie und Präsident des Vereins „Große schützen Kleine“, hob hervor: „Viele der schweren Kopfverletzungen würden durch einen Helm vermutlich weniger schwer ausfallen.“ Seit 1. Mai 2026 gilt in Österreich eine Helmpflicht bis zum Alter von 16 Jahren.

Operationen und stationäre Aufenthalte häufig

Bei den Bruchverletzungen waren die Unterarme am stärksten gefährdet. Mehr als sieben Prozent der Kinder mussten operiert werden, rund jedes sechste Kind wurde stationär aufgenommen. Die meisten Unfälle ereigneten sich durch Stürze ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. Jeder zehnte Unfall war eine Kollision mit einem Kraftfahrzeug.

Experten empfehlen Schutzausrüstung und Fahrtraining

Die Grazer Kindersicherheitsexperten empfehlen neben dem Helm „bei jeder Fahrt und in jedem Alter“ auch die Nutzung von Knie-, Ellbogen- und Handgelenkschützern. Eltern sollten mit ihren Kindern das sichere Fahren üben, einschließlich vorausschauendem Fahren mit angepasster Geschwindigkeit und ohne Ablenkung durch das Handy.

Das Mindestalter beträgt neun Jahre mit Fahrradausweis, sonst zwölf Jahre. Fahren ist auf Radwegen oder der Fahrbahn erlaubt, nicht aber auf Gehsteigen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 25 km/h.

Internationale Maßnahmen gegen E-Scooter-Unfälle

Die griechische Regierung kündigte im Frühsommer einen Gesetzentwurf an, der Minderjährigen die Nutzung von E-Scootern auf Straßen verbieten soll. In Italien gilt seit Mitte Juli eine Versicherungspflicht für E-Scooter. Eine Haftpflichtversicherung soll Schäden abdecken, die beim Fahren Dritten zugefügt werden.

Brüssel hat im Juni heuer den Verleih von E-Scootern in den Städten wegen häufiger Unfälle verboten. Zuvor hatten bereits Paris (2023) und Madrid (2024) entsprechende Verbote erlassen.

Quelle: APA

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