Efko will Tiefkühlgemüse-Produktion in Österreich retten

Nach der angekündigten Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf suchen heimische Unternehmen nach Alternativen. Der oberösterreichische Gemüseverarbeiter efko zeigt sich bereit, gemeinsam mit Partnern eine neue Produktion aufzubauen.
Der Gemüseverarbeiter efko aus Eferding in Oberösterreich will zusammen mit dem Familienbetrieb Schneider's Gemüseland und der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) eine neue Tiefkühlgemüse-Produktion in Österreich etablieren. Voraussetzung sei ein gemeinsames Engagement von Politik, Handel und Industrie.
Das belgische Unternehmen Ardo hält trotz zweier Gespräche mit der Politik an der geplanten Schließung seines Standorts in Groß-Enzersdorf im Jahr 2027 fest. Nun wird nach Ersatzlösungen gesucht.
Efko fordert verbindliche Zusagen
„Tiefkühlgemüse würde gut zu uns passen. Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen“, erklärte efko-Geschäftsführer Thomas Krahofer gegenüber dem „Standard“. Er bestätigte intensive Gespräche auf politischer Ebene sowie mit Industrie und Handel. „Wir lassen die Bauern nicht im Stich“, betonte er.
Krahofer forderte ein verbindliches Bekenntnis aller Beteiligten zu einem Schulterschluss: „Wir brauchen mehr als Lippenbekenntnisse.“
Schneider's Gemüseland prüft Beteiligung
„Es gibt Gespräche, inwieweit wir Teil einer Lösung sein können“, sagte Barbara Kargl, Geschäftsführerin von Schneider's Gemüseland, am Freitag zur APA. Denkbar seien ein Ausbau der bestehenden Anlagen von Schneider's oder ein Neubau auf der grünen Wiese, berichtete der „Standard“.
Das Unternehmen in Groß-Enzersdorf hatte bereits diese Woche bekanntgegeben, dass es ab Sommer 2027 fünf weitere Marchfelder Tiefkühlgemüseprodukte für Spar übernimmt. Diese wurden bisher von Ardo hergestellt. Schneider's produziert bereits 20 Produkte für den Handelskonzern.
Wirtschaftliche Lage von Ardo Austria
Der Jahresabschluss 2024/25 (bis Ende Juni) der Ardo Austria Frost GmbH zeigt die wirtschaftliche Situation des Tiefkühlgemüse-Produzenten. Der Umsatz belief sich auf 80,5 Millionen Euro, der Personalaufwand für 212 Beschäftigte betrug rund 14 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 1,8 Millionen Euro. Über die Jahre hat sich jedoch ein Bilanzverlust von über 23 Millionen Euro angehäuft.
„Die Zusammenarbeit mit der Erzeugerorganisation ETG eGen. - als Lieferant der frischen Rohware aus der Marchfeld-Region - funktionierte reibungslos“, heißt es im Jahresabschluss-Lagebericht 2024/25. Ziel der Unternehmensleitung sei eine weitere Verbesserung des betrieblichen Ergebnisses und der Rentabilität gewesen, um die Position als lokaler Produzent langfristig zu stärken.
Veralteter Standort als Problem
Der mehr als 60 Jahre alte Ardo-Standort in Groß-Enzersdorf gilt laut „Standard“ als veraltet. Als Kältemittel komme flüssiges Ammoniak zum Einsatz, Abbau und Entsorgung des giftigen Gases seien teuer. Die belgische Gruppe hatte die Schließung mit zu hohen Kosten für eine Modernisierung begründet. Die Anlagen sollen an andere bestehende Standorte verlagert werden.
Wifo-Agrarökonom Franz Sinabell sieht in der Angst vor dem Verlust heimischer Lebensmittelversorgung ein Warnsignal an die Wirtschaftspolitik, „das hoffentlich gehört wird“. Er ortet auch angesichts hoher Kosten ein Standortproblem der Industrie in Österreich, wie auch das Ö1-„Morgenjournal“ des ORF berichtete.
Betroffene Beschäftigte und Bauern
Das Ardo-Tiefkühlgemüsewerk in Groß-Enzersdorf produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Von der geplanten Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte.
Ardo hat 2025 in Niederösterreich eigenen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die ETG, die für Ardo produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.
Quelle: APA
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