Eiszeitmenschen jagten bevorzugt weibliche Mammuts

Menschen im Jungpaläolithikum haben offenbar gezielt weibliche Mammuts gejagt. Das zeigt eine DNA-Analyse von über 500 Wollhaarmammut-Knochen aus drei Kontinenten, an der auch österreichische Forschende beteiligt waren.
Ein internationales Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung hat die Erbsubstanz aus Knochen von mehr als 500 Wollhaarmammuts aus Nordamerika, Asien und Europa untersucht. Das Ergebnis: An Fundorten mit großen Knochenansammlungen, die vermutlich auf menschliche Jagd zurückgehen, waren die meisten Tiere weiblich. Die Studie erschien im Fachjournal "Current Biology".
Für die Menschen im Jungpaläolithikum – der Zeit vor rund 45.000 bis 12.000 Jahren – waren Mammuts eine zentrale Lebensgrundlage. Die Jäger- und Sammlergesellschaften verwendeten Fleisch und Fett als Nahrung, fertigten aus Elfenbein Werkzeuge und Schmuck und nutzten Skelettteile zum Bau von kreisförmigen Unterständen.
DNA-Analyse von 521 Mammuts
Das Team um Hannah Moots vom Zentrum für Paläogenetik in Stockholm analysierte insgesamt 521 Wollhaarmammuts. Daran beteiligt waren auch Forschende des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und des Naturhistorischen Museums Wien (NHM).
Die Überreste von 421 Tieren stammten von verstreuten Fundorten aus überwiegend natürlichen Umgebungen – ein Hinweis darauf, dass diese Mammuts eines natürlichen Todes starben. Die Knochen der restlichen 100 Tiere kamen dagegen von elf Fundstellen mit größeren Knochenansammlungen und zahlreichen Spuren menschlicher Aktivität. Hier gehen die Forschenden davon aus, dass die Tiere gejagt wurden.
Fundstelle Langmannersdorf in Niederösterreich
Aus Österreich wurde die Fundstelle in Langmannersdorf (NÖ) in die Studie einbezogen. Analysiert wurden Knochen von zehn Individuen aus Grabungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts, die im NHM aufbewahrt werden, wie Studien-Coautor Marc Händel vom ÖAI gegenüber der APA erklärte. Insgesamt sind in Langmannersdorf die Überreste von zumindest mehreren Dutzend Tieren belegt. Bei den neuen Untersuchungen im Vorjahr und heuer wurden bisher über ein Dutzend Individuen nachgewiesen.
Bei Langmannersdorf handelt es sich um einen menschlich geprägten Fundplatz. Dort wurden auch Steinwerkzeuge, Holzkohle und gebrannte Knochen gefunden. Zudem fanden sich Schlag- und Schnittspuren an Knochen. Außerdem wurden nicht alle Knochen der Tiere nachgewiesen – Fußknochen etwa sind sehr selten. „Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass eine Sortierung durch den Menschen stattgefunden hat“, so der Archäologe. Offensichtlich wurden die Tiere außerhalb des untersuchten Areals erlegt, an Ort und Stelle grob zerlegt und die Teile schließlich erst an der späteren Fundstelle weiterverarbeitet.
70 Prozent weibliche Tiere an Jagdplätzen
Bei den elf menschlich geprägten Knochenanhäufungen waren 70 Prozent der Tiere weiblich. Bei den verstreut gefundenen Tieren dagegen waren 66,5 Prozent der Individuen männlich. Auch in Langmannersdorf waren von den zehn analysierten Mammuts sieben weiblich. „Das spricht dafür, dass die eiszeitlichen Menschen bestimmt haben, welche Mammuts sie nutzen – offenbar bevorzugt weibliche Tiere bzw. Herden, in denen weibliche Tiere häufiger vorkommen“, so Händel.
Herden waren leichter aufzuspüren
Die Sozialstruktur der Wollhaarmammuts könnte eine mögliche Erklärung dafür sein: Ähnlich wie heute Elefanten dürften weibliche Mammuts mit ihren Jungtieren in Herden gelebt haben, während ausgewachsene Männchen die Herden verließen und eher einzeln unterwegs waren. Damit waren die Herden mit den Weibchen für die Eiszeitmenschen möglicherweise leichter aufzuspüren und ihre Bewegungen besser vorhersehbar. Weibchen mit Nachwuchs könnten zudem weniger mobil und damit leichter zu erbeuten gewesen sein.
Dass sich an den verstreuten Fundstellen mehrheitlich Knochen von Männchen fanden, könnte mit der höheren Risikofreudigkeit von männlichen Tieren zusammenhängen. Sie könnten dadurch in gefährliches Terrain gelangt sein, etwa steile Hänge an Flussufern oder sumpfige Gebiete mit instabilem Untergrund.
Weitere Untersuchungen geplant
Ob tatsächlich gezielt Herden mit Weibchen und Jungtieren oder bestimmte Altersgruppen bejagt wurden, wollen die Forschenden in weiterer Folge durch die Kombination von Geschlechts- und Altersbestimmung untersuchen. So ließe sich die Struktur der Mammutherden rekonstruieren, etwa ob männliche Tiere an den Fundstellen mit Knochenansammlungen überwiegend Jungtiere sind.
Zudem sollen Isotopenanalysen von den Zähnen der Tiere Hinweise auf die Wanderungen der Mammuts und deren jahreszeitlichen Verlauf liefern. Damit wollen die Forschenden klären, ob die Menschen im Jungpaläolithikum diese Wanderungsbewegungen kannten und zu ihrem Vorteil genutzt haben.
Quelle: APA
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