Elektroauto als Stromspeicher: So funktioniert V2H

Pia Prodinger
© go-e

Mit Vehicle-to-Home können E-Autos den eigenen Haushalt mit Strom versorgen. Die Technologie ermöglicht es, Stromkosten zu senken und bei Ausfällen eine Notstromversorgung bereitzustellen. Doch für Privatpersonen rechnet sich die Investition derzeit noch kaum.

Vehicle-to-Home (V2H) bezeichnet eine Technologie, bei der ein Elektrofahrzeug seinen gespeicherten Strom an das eigene Zuhause abgibt. In Kombination mit einem bidirektionalen Ladegerät wird das E-Auto zur Energiequelle für den Haushalt. Seit heuer gelten in Deutschland neue Regelungen, die doppelte Netzentgelte für im Auto gespeicherten und später im selben Haushalt genutzten Strom abschaffen.

Wie V2H funktioniert

Ein V2H-System überträgt Strom zwischen dem Elektroauto und dem Gebäude. Es kann bei Stromausfällen Notstrom liefern oder Energie speichern, wenn die Preise niedrig sind, um sie später bei höheren Tarifen wieder abzugeben.

Wird das Ladekabel angeschlossen, kommunizieren Fahrzeug und Wallbox über den Standard ISO 15118-20. Das Auto übermittelt Informationen wie den Ladezustand und bestätigt die Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb. Ein Home Energy Management System (HEMS) überwacht kontinuierlich den Strombedarf des Hauses. Steigt dieser, sendet das HEMS einen Befehl an die bidirektionale Wallbox, Energie aus dem Auto zu nutzen.

Der Gleichstrom aus der Batterie wird über das Kabel zur Wallbox geleitet. Eine bidirektionale DC-Wallbox wandelt den Gleichstrom in Wechselstrom um, der dann in den Hauptverteilerkasten des Hauses fließt. Der Netzbezug sinkt dadurch auf null. Um die Batterie zu schützen, lässt sich ein Mindestladestand festlegen – etwa 40 Prozent. Wird dieser erreicht, beendet das HEMS den Entladevorgang automatisch.

Vorteile: Solarenergie nutzen und Kosten senken

Mit V2H lässt sich überschüssige Solarenergie im Auto speichern, statt sie zu geringer Vergütung ins Netz einzuspeisen. Später kann diese Energie genutzt werden, um Haushaltsgeräte zu versorgen. Auch ohne Photovoltaikanlage sind Einsparungen möglich: Das Auto wird nachts geladen, wenn Strom günstiger ist, und versorgt den Haushalt abends während teurer Spitzenlastzeiten.

Eine Beispielrechnung zeigt: Ein Haushalt mit 10.500 kWh Jahresverbrauch und einer Solaranlage mit 4.800 kWh Erzeugung könnte mit V2H rund 1.280 Euro pro Jahr sparen – etwa 330 Euro mehr als mit einem klassischen Heimspeicher. Die tatsächlichen Einsparungen hängen jedoch stark vom individuellen Nutzungsverhalten ab.

Bei einem Stromausfall kann ein vollständig geladenes E-Auto mit 60 bis 100 kWh Kapazität wichtige Geräte wie Licht, Kühlschrank oder WLAN-Router zwei bis drei Tage lang versorgen. Im Gegensatz zu Generatoren arbeitet V2H geräuschlos und ohne CO₂-Emissionen.

Technische Voraussetzungen

Für V2H werden mehrere Komponenten benötigt: ein kompatibles Elektrofahrzeug, eine bidirektionale Wallbox, ein HEMS sowie eine geeignete Elektroinstallation mit Schutzeinrichtungen. Optional kann eine Solaranlage das System ergänzen.

Nicht jedes E-Auto unterstützt die Technologie. Das Fahrzeug muss Energie aus der Batterie wieder abgeben können. Vorreiter ist derzeit der Volkswagen-Konzern, der V2H schrittweise über mehrere Marken einführt. Zu den kompatiblen Modellen zählen unter anderem der Audi A6 e-tron, Kia EV6, Renault Megane E-Tech und Volkswagen ID.3.

Bidirektionale DC-Wallboxen kosten derzeit zwischen 2.000 und 10.000 Euro. AC-Wallboxen unterstützen V2H aktuell noch nicht, viele Modelle sind jedoch technisch vorbereitet. Ein HEMS kostet ab etwa 1.000 Euro und steuert die Energieflüsse im Haushalt. Die Installationskosten variieren zwischen 500 und 3.000 Euro, je nach System und erforderlichen Elektroarbeiten.

Hohe Kosten bremsen Verbreitung

Für die meisten Hausbesitzer rechnet sich V2H finanziell noch nicht. Selbst wenn bereits ein kompatibles Auto vorhanden ist, müssen für Ladestation, Energiemanagementsystem und Installation meist 5.000 bis 15.000 Euro eingeplant werden. Bei jährlichen Einsparungen von rund 490 Euro dauert es etwa 10 bis 30 Jahre, bis sich die Anschaffung amortisiert.

Muss das gesamte System neu angeschafft werden – inklusive E-Auto – liegen die Gesamtkosten zwischen 35.000 und über 100.000 Euro. Ein V2H-kompatibles Elektroauto kostet je nach Modell 30.000 bis 90.000 Euro oder mehr.

Für Unternehmen kann sich V2H deutlich eher lohnen. Sie haben einen höheren Stromverbrauch und verfügen oft über Elektrofahrzeugflotten, die längere Zeit auf dem Betriebsgelände stehen. Ein Unternehmen mit fünf E-Autos könnte bei günstigen Rahmenbedingungen rund 3.750 Euro pro Jahr einsparen.

Rechtslage und Zukunftsausblick

V2H ist in vielen europäischen Ländern, darunter Deutschland und Österreich, rechtlich zulässig. Da der Strom ausschließlich innerhalb des eigenen Haushalts genutzt wird und nicht ins öffentliche Netz zurückfließt, sind die regulatorischen Anforderungen geringer als bei Vehicle-to-Grid (V2G). Vor der Einrichtung sollte jedoch immer das lokale Netzunternehmen kontaktiert werden, da besondere Anforderungen gelten können.

Die praktische Umsetzung befindet sich vielerorts noch in einem frühen Stadium. Die Auswahl an kompatiblen Fahrzeugen und bidirektionalen Ladegeräten ist begrenzt. Viele AC-Ladesysteme sind zwar technisch vorbereitet, können V2H aufgrund fehlender regulatorischer Rahmenbedingungen jedoch noch nicht nutzen. Zudem sind Elektrofachbetriebe mit Erfahrung in der Installation bidirektionaler Systeme noch vergleichsweise selten.

Mit der zunehmenden Verbreitung des bidirektionalen Ladens und neuer Standards wie ISO 15118-20 werden künftig mehr V2H-fähige Elektroautos auf den Markt kommen. Gleichzeitig dürften bidirektionale Wallboxen erschwinglicher werden und sich einfacher installieren lassen. Dadurch wird die Technologie nach und nach auch für private Haushalte attraktiver.

Quelle: https://go-e.com/de-at/magazin/vehicle-to-home

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