Energiearmut betrifft 1,07 Millionen Menschen in Österreich

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Rund 13 Prozent aller Haushalte in Österreich leiden unter Energiearmut. Eine Expertin der Universität für Weiterbildung Krems fordert sozial gerechte Gebäudesanierung, damit auch einkommensschwache Haushalte profitieren können.

Tania Berger vom Department für Bauen und Umwelt der Universität für Weiterbildung Krems hat bei einer Pressekonferenz des NÖ Armutsnetzwerks in St. Pölten auf die Dringlichkeit sozial gerechter Sanierungsmaßnahmen hingewiesen. Die Sanierung von Gebäuden spiele dabei eine zentrale Rolle.

Laut der Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von Energiearmut (kea) waren im Jahr 2025 etwa 13 Prozent aller Haushalte in Österreich von Energiearmut betroffen – das entspricht rund 1,07 Millionen Menschen. Besonders gefährdet sind Haushalte mit niedrigem Einkommen, Mieterinnen und Mieter, Einpersonenhaushalte sowie Bewohnerinnen und Bewohner älterer, energetisch mangelhafter Gebäude.

Schlechte Gebäudequalität als Hauptursache

Das Problem entstehe meist nicht durch übermäßigen Energieverbrauch, sondern durch das Zusammenspiel von geringem Einkommen, hohen Energiekosten und mangelhafter Gebäudequalität, betonte Berger. „Energiearmut entsteht meist nicht, weil Menschen zu viel Energie verbrauchen, sondern weil sie in Wohnungen leben, die zu viel Energie benötigen“, sagte sie. Gerade jene Haushalte, die unter hohen Energiekosten besonders leiden, müssten von Sanierung und Energiewende erreicht werden.

Wer in schlecht gedämmten Wohnungen lebt, benötigt mehr Energie zum Heizen und läuft Gefahr, die eigene Wohnung im Winter nicht ausreichend warm zu bekommen.

Sanierung darf nicht zu neuen Belastungen führen

Energetische Verbesserungen können Heizkosten dauerhaft senken, die Gesundheit schützen und Energiearmut vorbeugen. Sie dürfen jedoch weder zusätzliche finanzielle Belastungen noch Verdrängungseffekte verursachen, warnte die Expertin. Berger hatte sich bereits 2019 in einer Fallstudie in Krems mit der Frage beschäftigt, ob energiearme Haushalte von der thermischen Sanierung von Mietwohnungen profitieren. Die Studie wurde im Fachjournal Energy Policy veröffentlicht.

Damit die Energiewende sozial gerecht gelingt, müssen auch Haushalte mit niedrigem Einkommen von Sanierungsförderungen und Effizienzmaßnahmen profitieren können.

Wie knapp viele Menschen kalkulieren müssen, zeigt eine weitere Zahl: Laut kea und Statistik Austria geben 28,5 Prozent der Haushalte an, ihren Energiebedarf nur decken zu können, weil sie ihren Verbrauch eingeschränkt haben. Viele leben damit an der Grenze ihrer finanziellen Belastbarkeit.

Förderungen erreichen Betroffene nicht ausreichend

Mit Sanierungsförderungen und dem Sozialtarif für Strom verfügt Österreich grundsätzlich über wirksame Instrumente. Dennoch bestehen Lücken: Viele Förderungen verlangen finanzielle Vorleistungen, kommen bei Mieterinnen und Mietern nur eingeschränkt an oder berücksichtigen soziale Verwundbarkeit zu wenig.

Wer armutsgefährdet ist und zur Miete wohnt, ist bei der Sanierung auf die Vermieterinnen und Vermieter angewiesen. Diese haben jedoch kaum einen Anreiz zu sanieren, weil sie von den niedrigeren Energiekosten ihrer Mietparteien nicht profitieren.

Hitzebelastung im Sommer verschärft Problem

Wie wichtig die Qualität von Gebäuden ist, zeigt sich zunehmend auch bei der Hitzebelastung im Sommer. Menschen, die von Armut betroffen sind, wohnen häufiger in Wohnungen mit geringer thermischer Qualität und haben weniger Möglichkeiten, diese zu kühlen.

Die zentrale sozialpolitische Herausforderung bleibt die Leistbarkeit von Wohnen und Wärmeversorgung. Gebäude, die im Winter mit weniger Heizenergie auskommen und im Sommer besser vor Überhitzung schützen, leisten einen wichtigen Beitrag zu sozialer Sicherheit und Gesundheit.

Quelle: https://www.donau-uni.ac.at/de/aktuelles/news/2026/energiearmut-erfordert-sozial-gerechte-sanierung.html

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