Erasmus+-Projekt qualifiziert Fachkräfte für nachhaltigen Tourismus

Das europäische Projekt WeNaTour setzt auf die Verbindung von Natur, Gesundheit und nachhaltigem Destinationsmanagement. Österreichische Hochschulen und Forschungseinrichtungen entwickeln gemeinsam mit elf weiteren Partnern Weiterbildungsangebote für die Tourismusbranche.
Wirtschafts- und Umweltkrisen haben in den vergangenen Jahren zu einem Wandel im Tourismussektor geführt. Urlauber suchen zunehmend nach Naturerlebnissen, die einen bewussteren Zugang zur Umwelt ermöglichen und gleichzeitig einen positiven Beitrag zur lokalen Bevölkerung und regionalen Entwicklung leisten.
Diese Entwicklung stellt neue Anforderungen an die Branche. Nachhaltige Praktiken müssen stärker in touristische Angebote und Managementprozesse integriert werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse und internationale Standards wie jene des Global Sustainable Tourism Council (GSTC) sollen dabei berücksichtigt werden.
Gleichzeitig entstehen neue Marktchancen. Green-Care-Tourismus an der Schnittstelle von Natur, Landwirtschaft und Tourismus sowie Angebote zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden bieten Potenzial für innovative Produkte und neue Perspektiven für Destinationen und Betriebe.
Zwölf europäische Partner entwickeln Bildungsangebote
Das Erasmus+-Projekt WeNaTour (Welfare, Nature and Tourism) verfolgt das Ziel, Fachkräfte für einen nachhaltigeren Tourismus zu qualifizieren und neue Marktsegmente im Bereich Natur, Gesundheit und Wohlbefinden zu erschließen. Das dreijährige europäische Vorhaben vereint zwölf Partner aus Hochschulen, Beratungsunternehmen und Non-Profit-Organisationen.
In Österreich wird das Projekt von der IMC Hochschule für Angewandte Wissenschaften Krems, der FH Kärnten und dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) getragen. Die drei Institutionen bringen ihre Expertise in den Bereichen nachhaltiger Tourismus, Destinationsentwicklung, Gesundheit und Natur sowie Wald- und Umweltforschung ein. Koordiniert wird das internationale Konsortium von der Universität Padua in Italien.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Ermittlung zukünftiger Kompetenzanforderungen und Bildungsbedarfe in der Tourismusbranche. Dazu wurden Trends und Herausforderungen analysiert sowie zahlreiche Fallstudien aus unterschiedlichen Ländern untersucht. Auf dieser Grundlage entwickelte das Konsortium ein umfassendes Weiterbildungsangebot für Studierende und Fachkräfte.
176 Zertifikate an Teilnehmende aus 72 Ländern
Zu den Ergebnissen des Projekts zählen:
- zwei multidisziplinäre E-Learning-Kurse für Studierende und Tourismusexperten
- zwei internationale Spezialisierungsprogramme in Österreich und Italien
- ein universitär akkreditierter Micro-Credential-Kurs
- vier frei zugängliche Webinare mit internationalen Experten
- die Schaffung eines internationalen Netzwerks zum qualifizierten Austausch – WeNaTour Alliance
Die Programme wurden bereits erfolgreich durchgeführt. Insgesamt konnten bislang 176 Zertifikate an Teilnehmende aus 72 Ländern vergeben werden. Das internationale Interesse an den Kursen bestätigt die Relevanz des Themas und die Qualität des Angebots.
Traditionelle Europäische Heilkunde im Salzburger Pinzgau
Die Traditionelle Europäische Heilkunde (TEH) im Salzburger Pinzgau bewahrt und vermittelt jahrhundertealtes Wissen über Kräuter, Bäume und natürliche Heilmethoden. Durch Ausbildungen, Seminare und Workshops wird dieses Wissen weitergegeben und gemeinsam mit Tourismuspartnern für Gäste erlebbar gemacht – etwa bei Kräuterwanderungen oder im alpinen Kräutergarten „Berg der Sinne“ in Leogang.
Claudia Bauer-Krösbacher von der IMC Hochschule für Angewandte Wissenschaften Krems erklärt: „TEH zeigt eindrucksvoll, wie traditionelles Wissen über Generationen hinweg bewahrt und gleichzeitig in zeitgemäße touristische Angebote integriert werden kann. Dadurch entstehen authentische Erlebnisse mit einer starken regionalen Verankerung und einem klaren Bezug zur Nachhaltigkeit.“
Heilwald Göttweig als innovativer Gesundheitsraum
Mit dem Heilwald Göttweig wurde im Juni 2025 Österreichs erster zertifizierter Heilwald eröffnet. Das Angebot verbindet Natur, Gesundheit und Tourismus und schafft einen Raum für Erholung, Gesundheitsförderung und Naturerlebnis. Das Areal umfasst die Themenbereiche Soziales, Entspannung, Bewegung und Spiritualität und bietet gesundheitsfördernde, waldpädagogische und waldtherapeutische Angebote.
„Der Heilwald Göttweig verdeutlicht, wie Natur nicht nur als Kulisse für touristische Aktivitäten dient, sondern selbst zum zentralen Gesundheits- und Erfahrungsraum werden kann“, betont Bauer-Krösbacher.
Green-Care-Tourismus verbindet Landwirtschaft und Gesundheit
Green-Care-Tourismus verbindet Land- und Forstwirtschaft, Natur, Gesundheit, Bildung und soziale Verantwortung. Im Mittelpunkt stehen Angebote, die Menschen Naturerfahrungen ermöglichen und gleichzeitig einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten. Solche Konzepte eröffnen neue Einkommensmöglichkeiten für land- und forstwirtschaftliche Betriebe, stärken ländliche Regionen und schaffen touristische Erlebnisse mit sozialem und ökologischem Mehrwert.
Dominik Mühlberger vom Bundesforschungszentrum für Wald erläutert: „Green-Care-Angebote zeigen, wie Land- und Forstwirtschaft, Natur, Gesundheit und Tourismus erfolgreich miteinander verbunden werden können. Dadurch entstehen innovative Angebote mit einem klaren gesellschaftlichen und regionalen Mehrwert.“
Dark-Sky-Tourismus macht Dunkelheit erlebbar
Dark-Sky-Tourismus schafft besondere Naturerlebnisse durch die bewusste Wahrnehmung natürlicher Dunkelheit und des Nachthimmels. Gleichzeitig sensibilisiert er für die Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf den Menschen, die Tierwelt und ganze Ökosysteme. Durch Sternenbeobachtungen, geführte Nachtwanderungen und Bildungsangebote entstehen neue touristische Produkte, die Naturerleben, Umweltbildung und Nachhaltigkeit miteinander verbinden.
Klaus Friedrich von der FH Kärnten sagt: „Dark-Sky-Tourismus macht natürliche Dunkelheit als wertvolle Ressource erlebbar. Gleichzeitig schafft er Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Naturschutz und eröffnet Destinationen neue Möglichkeiten zur touristischen Positionierung.“
Mit WeNaTour wurden die erforderlichen Kompetenzen, Bildungsangebote und internationalen Netzwerke aufgebaut. Das Projekt leistet damit einen Beitrag, um Fachkräfte auf die zukünftigen Anforderungen der Tourismusbranche vorzubereiten und nachhaltige Entwicklungen in Destinationen und Betrieben zu unterstützen.
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