Erdäpfelernte bricht wegen Hitze um 42 Prozent ein

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Extreme Hitze und Trockenheit haben die heimische Erdäpfelernte massiv einbrechen lassen. Laut Statistik Austria werden heuer nur 468.000 Tonnen erwartet – im Vorjahr waren es noch 813.000 Tonnen. Die Landwirtschaftskammer fordert nun eine langfristige Wasserstrategie.

Die Erdäpfelernte in Österreich fällt heuer deutlich schwächer aus als gewohnt. Nach einer Schätzung der Statistik Austria wird mit einer Gesamtmenge von 468.000 Tonnen gerechnet. Das entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr, als noch 813.000 Tonnen geerntet wurden. Grund dafür sind die wochenlange Hitze und die anhaltende Dürre. Auch der durchschnittliche Wert von rund 700.000 Tonnen wird damit klar verfehlt.

Bei einem Erntegespräch der Landwirtschaftskammer Niederösterreich am Freitag in Niederhollabrunn (Bezirk Korneuburg) wurde zudem der Drahtwurm als zusätzliches Problem genannt. Die Landwirtschaftskammer forderte unter anderem den Aufbau einer zukunftsfähigen Wasserinfrastruktur.

Regen im September kam zu spät

Im Frühjahr hatten zunächst noch günstige Bedingungen für den Erdäpfelanbau geherrscht. Ab Juni dominierten jedoch Hitze und Trockenheit. Niederschläge im September kamen für das Pflanzenwachstum zu spät, wie die Landwirtschaftskammer in einer Aussendung festhielt.

„Das heurige Jahr zeigt sehr deutlich, unter welchem Druck die Landwirtschaft steht. Wo Wasser fehlt, können wir Bäuerinnen und Bauern selbst mit bestem Know-how keine Erträge herbeizaubern“, sagte Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Wenn gleichzeitig der Drahtwurm auftrete und wirksame Bekämpfungsmöglichkeiten fehlten, werde die Lage doppelt schwierig. Fraßschäden würden die Betriebe in einem ohnehin ertragsschwachen Jahr zusätzlich belasten.

Langfristige Wasserstrategie gefordert

Die Wasserversorgung rücke nun in den Mittelpunkt, betonte Mayr. Einzelbetriebliche Maßnahmen wie Investitionen in wassersparende Bewirtschaftung und Bewässerungssysteme reichten nicht aus. „Wir brauchen eine langfristige Strategie - von effizienten Lösungen auf den Betrieben über regionale Projekte bis hin zu einer überregionalen Wasserinfrastruktur“, so der Vizepräsident. Wer auch in zehn oder zwanzig Jahren Lebensmittel aus Niederösterreich wolle, müsse heute die Voraussetzungen dafür schaffen.

Wie lange Österreich mit heimischen Erdäpfeln versorgt werden könne, sei derzeit noch offen. Entscheidend sei, wie viel der eingelagerten Ware nach Waschen und Sortierung vermarktungsfähig bleibe. Ein klareres Bild dürfte es im Laufe des Winters geben.

Appell an Handel und Konsumenten

Michael Bachl, Obmann der InteressenGemeinschaft Erdäpfelbau (IGE), richtete eine Forderung an den Handel. „Wir erwarten von den Abnehmern, dass die Erzeugerpreise für heimische Ware zumindest auf dem Niveau möglicher importierter Erdäpfel liegen“, sagte er. Gerade in einem Jahr wie diesem dürfe nicht schon jetzt auf ausländische Ware gesetzt werden, solange noch ausreichend heimische Erdäpfel verfügbar seien.

Auch an die Konsumentinnen und Konsumenten erging ein Appell. „Auch kleinere Knollen schmecken genauso gut wie große. Wir sollten wertvolle heimische Lebensmittel nicht allein deshalb aussortieren, weil sie optisch nicht einem gewohnten Ideal entsprechen“, so Bachl.

Quelle: APA

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