Erdäpfelernte in Österreich um 42 Prozent eingebrochen

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Hitze, Trockenheit und Drahtwurmbefall haben die heimische Erdäpfelernte massiv reduziert. Statt 813.000 Tonnen wie im Vorjahr werden heuer nur 468.000 Tonnen erwartet. Landwirtschaftskammer und Erdäpfelbauern fordern besseren Pflanzenschutz und Investitionen in die Wasserinfrastruktur.

Die Erdäpfelernte 2026 fällt in Österreich deutlich geringer aus als im Vorjahr. Laut aktuellen Schätzungen der Statistik Austria werden insgesamt 468.000 Tonnen geerntet – ein Rückgang gegenüber den 813.000 Tonnen des Jahres 2025. In einem durchschnittlichen Jahr liegt die Gesamterntemenge bei rund 700.000 Tonnen.

Bei einem Erntegespräch in Niederfellabrunn zogen die Landwirtschaftskammer Niederösterreich und die InteressenGemeinschaft Erdäpfelbau (IGE) eine ernüchternde Bilanz. Nach guten Bedingungen beim Legen im Frühjahr setzten ab Juni Hitze und Trockenheit ein. Im Juli verschärften extreme Temperaturen die Lage weiter. Niederschläge im September kamen für das Wachstum der Erdäpfel zu spät.

Drahtwurm verschärft die Situation

Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, betonte die schwierige Lage der Betriebe: Wo Wasser fehle, könnten Bäuerinnen und Bauern selbst mit bestem Know-how keine Erträge herbeizaubern. Komme gleichzeitig der Drahtwurm hinzu und fehlten wirksame Bekämpfungsmöglichkeiten, werde die Situation doppelt schwierig.

Der Drahtwurm verursacht Fraßschäden, die dazu führen, dass ein Teil der ohnehin knappen Ernte nicht vermarktet werden kann. Befallene Partien müssen mit hohem Personal- und Kostenaufwand aufbereitet und sortiert werden. Mayr verwies darauf, dass auch für diese Erdäpfel Boden, Wasser, Energie, Betriebsmittel und Arbeitszeit eingesetzt wurden.

Forderung nach fairen Preisen und Vorrang für heimische Ware

Michael Bachl, Obmann der IGE, forderte von den Abnehmern, dass die Erzeugerpreise für heimische Ware zumindest auf dem Niveau möglicher importierter Erdäpfel liegen. Gerade in einem Jahr wie diesem dürfe nicht schon jetzt auf ausländische Ware gesetzt werden, solange noch ausreichend heimische Erdäpfel verfügbar seien.

Wie lange Österreich mit heimischen Erdäpfeln versorgt werden kann, ist derzeit noch offen. Entscheidend ist, wie viel der eingelagerten Ware nach Waschen und Sortierung tatsächlich vermarktungsfähig bleibt. Ein klareres Bild erwartet die Branche erst im Laufe des Winters.

Bachl appellierte auch an Handel und Konsumentinnen und Konsumenten: Auch kleinere Knollen schmeckten genauso gut wie große. Wertvolle heimische Lebensmittel sollten nicht allein deshalb aussortiert werden, weil sie optisch nicht einem gewohnten Ideal entsprächen. Beim Einkauf empfiehlt die IGE, gezielt auf die österreichische Herkunft und das AMA-Gütesiegel zu achten.

Viele Betriebe denken an Ausstieg

Eine aktuelle Branchenumfrage der IGE zeigt die Dringlichkeit der Situation: 40 Prozent der befragten Betriebe geben an, ihre Erdäpfelfläche weiter reduzieren zu wollen, wenn es nicht bald Möglichkeiten zur Bekämpfung des Drahtwurms gibt. Weitere elf Prozent wollen den Erdäpfelbau deshalb ganz aufgeben. IGE-Geschäftsführerin Anita Kamptner erklärte, für die Betriebe stelle sich ganz konkret die Frage, wie sie die nächsten Jahre überstehen könnten.

Langfristige Strategie für Wasserversorgung gefordert

Nach dem Dürrejahr 2026 rückt die Wasserversorgung noch stärker in den Mittelpunkt. Die Betriebe investieren bereits in wassersparende Bewirtschaftung, effiziente Bewässerungssysteme, neue Sorten, Digitalisierung und Prognosemodelle. Für Mayr reicht die einzelbetriebliche Anpassung allein jedoch nicht aus.

Man dürfe beim Wasser nicht von einem Extremjahr zum nächsten denken, so Mayr. Es brauche eine langfristige Strategie – von effizienten Lösungen auf den Betrieben über regionale Projekte bis hin zu einer überregionalen Wasserinfrastruktur. Wer auch in zehn oder zwanzig Jahren Lebensmittel aus Niederösterreich wolle, müsse heute die Voraussetzungen dafür schaffen.

Mayr und Bachl betonten abschließend: Versorgungssicherheit gebe es nur mit wirtschaftlich lebensfähigen Betrieben. Wenn man auch künftig heimische Lebensmittel im Regal haben wolle, müssten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass sie in Österreich produziert werden könnten.

Quelle: OTS

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