„Erinnerungen eines Waldes“ läuft bei der Viennale

Katharina Rabls Spielfilm wird bei der 64. Viennale gezeigt. Der Film erzählt von einer Doktorandin, die nach dem Tod ihrer Großmutter auf den elterlichen Hof zurückkehrt und zwischen Familienverantwortung und eigenem Leben in Wien hin- und hergerissen wird.
Der Tod ihrer Großmutter zwingt Doktorandin Frieda (Julia Windischbauer) zur Rückkehr in ihre niederösterreichische Heimat. Geplant ist ein Kurzaufenthalt von zwei Nächten, doch daraus wird mehr. Zwischen Traktor, Wald und Familiengeschichte gerät ihr Wiener Leben ins Wanken.
Eigentlich möchte die junge Wissenschafterin nur kurz vorbeischauen und erst zum Begräbnis wiederkommen. Die kühle Begrüßung durch ihre Mutter (Johanna Orsini-Rosenberg) und die trostlose Stimmung am elterlichen Hof machen den Aufenthalt nicht gerade einladend. Zudem wartet an der Uni ein Job, sofern sie die Deadline für ihre Dissertation einhält.
Zwischen Borkenkäfer und Familiengeheimnissen
Trotz anfänglicher Vorbehalte entschließt sich Frieda, der finanziell angeschlagenen Familie unter die Arme zu greifen. Sie hat gerade einen Wald geerbt, den ihre Großmutter sehr geliebt hat. Verkaufen komme nicht infrage, stellt die Mutter klar. Also beschließt Frieda, einige Bäume zu fällen und zu verkaufen – mit Unterstützung ihrer Jugendliebe, der inzwischen Vater geworden ist. Doch der Borkenkäfer macht einen Strich durch die Rechnung. Gleichzeitig stößt die Protagonistin beim Wühlen in der Vergangenheit auf unerwartete Enthüllungen.
Kritischer Blick aufs Landleben
Mit ihrem ersten Spielfilm reiht sich Regisseurin Katharina Rabl in die Riege österreichischer Filmemacher ein, die das Landleben kritisch beleuchten. Gelacht wird kaum, das Dasein fernab der Stadt zeigt sich hart, voller Sorgen und Verzicht. Obwohl Rabl mitunter zu Klischees greift, gelingt es der Mittdreißigerin, die depressive Atmosphäre und die innere Zerrissenheit ihrer Hauptfigur überzeugend einzufangen. Zentrale Fragen durchziehen den Film: Wie viel ist man der Familie schuldig? Darf man alles zurücklassen für ein anderes Leben in der Großstadt?
Das Debüt erfindet nichts Neues, ist aber durchaus gelungen und macht neugierig auf weitere Arbeiten der Filmemacherin. Viele, die selbst vom Land in die Stadt gezogen sind, dürften sich in dem düsteren, aber nicht hoffnungslosen Werk wiedererkennen.
„Erinnerungen eines Waldes“ wird am 28. Oktober um 18 Uhr im Stadtkino im Künstlerhaus und am 29. Oktober um 16 Uhr im Metro-Kinokulturhaus gezeigt. Weitere Informationen unter www.viennale.at und verleih.polyfilm.at.
Quelle: APA
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