Erste Frau bei New Yorker Philharmonikern war Wienerin

Mona HopfingerMona Hopfinger
Harfe im Koffer vor Wiener und New Yorker Skyline mit Notenblättern
© Mit KI (Gemini) generiert

Steffy Goldner wurde 1922 als erste Musikerin in das Orchester der New Yorker Philharmoniker aufgenommen. Die Harfenistin aus Wien ist nun Thema einer multimedialen Installation im Jüdischen Museum Wien.

Die Wiener Harfenistin Steffy Goldner war das erste weibliche Ensemblemitglied der New Yorker Philharmoniker. Ihr außergewöhnliches Leben zwischen Wien und New York zeigt die Künstlerin Nives Widauer in einer multimedialen Installation, die von 20. Oktober 2026 bis 22. März 2027 im Project Space des Jüdischen Museums Wien läuft.

Goldner kam 1896 in einer jüdischen Familie in Wien zur Welt. Alle Geschwister wurden Musiker. Bereits mit acht Jahren erhielt sie Harfenunterricht, unter anderem bei Vicky Baum, die später als Schriftstellerin bekannt wurde. Mit neun Jahren wurde sie an der Universität für Musik und Darstellende Kunst aufgenommen.

Erfolgreiche Karriere in Wien

Ihre Lehrerin war Therese Zamara, eine der ersten Frauen, die an dem Institut unterrichteten und die erste, die ein Orchesterinstrument lehrte. Zamara durfte allerdings nur Vorbildung erteilen, im Gegensatz zu ihrem Bruder, bei dem Goldner ihre Ausbildung fortsetzte.

Nach dem Abschluss war Goldner die einzige Solo-Harfenistin Wiens und stark gefragt. Sie spielte in Kammerorchestern mit ihren Schwestern, ging häufig auf Konzerttouren und war mit 18 bereits regelmäßig an der Staatsphilharmonie Nürnberg engagiert. Ihre Fähigkeiten wurden in Musikkreisen und in der Presse wiederholt hervorgehoben.

Die Allgemeine Sport-Zeitung berichtete im Mai 1916 über ihren Auftritt im Apollotheater: „Die Harfenspielerin Stephanie Goldner meistert dieses Instrument nicht nur technisch aufs vollendetste, sondern enthüllt auch, insbesondere in einer Phantasie über Schubertlieder, seinen wundervollen Reichtum an Seele; es ist reifste – reinste Kunst – und vielleicht der stärkste Erfolg dieses Varietéprogramms.“

Sie gab nicht nur klassische Konzerte. Im Dezember 1918 trat sie auch bei der Chanukkafeier des Zionistischen Zentralvereins im Musikverein auf. 1919 war sie an einem Märchenabend für jüdische Kinder beteiligt. Dort wurden unter anderem Märchen von Shalom Asch und Martin Buber vorgetragen.

Wiener Philharmoniker lehnten sie ab

Oskar Nedbal, von 1906 bis 1919 Chefdirigent des von ihm begründeten Wiener Tonkünstler-Orchesters, schrieb ihr herausragende Empfehlungen für die Wiener Philharmoniker – ohne Erfolg. Es liegt nahe, dass die Ablehnung von Frauenfeindlichkeit geprägt war. Das erste weibliche Mitglied wurde erst 80 Jahre später aufgenommen: Der Harfenistin Anna Lelkes wurde 1997 eine fixe Ensemblestelle angeboten.

Obwohl Goldner in Europa stark gefragt war, blieb ihr Einkommen überschaubar. Ihr Vater war schwer krank und die Familie auf zusätzliches Einkommen angewiesen. 1921 ging Goldner nach New York.

Erste Frau im Capitol Theatre und bei den Philharmonikern

Dort bekam sie gleich eine Stelle im Orchester des Capitol Theatre. Es war damals eines der prächtigsten Kinos am Broadway. Auch hier war sie das erste weibliche Mitglied des Ensembles. In diesem Orchester lernte sie den Dirigenten Eugene Ormandy kennen, ihren späteren Ehemann. Schon 1922 heirateten die beiden. Ormandy stammte wie Goldners Eltern aus Ungarn.
Noch im selben Jahr bot man Goldner eine Stelle bei den New Yorker Philharmonikern an. Dort sollte sie zehn Jahre lang als zweite Harfe spielen. Besonders eng arbeitete sie mit Arturo Toscanini zusammen, der das Orchester von 1928 bis 1936 leitete. Beide schätzten einander sehr. 1930 gehörte Goldner zur ersten internationalen Tournee des Orchesters. Sie trat dabei in allen europäischen Hauptstädten auf, auch in Wien.

Karriereende

1931 sprang Ormandy für Toscanini ein. Toscanini sollte als Gastdirigent beim Philadelphia Orchester auftreten, musste aber wegen einer Krankheit absagen. Durch diesen Auftritt wurde Ormandy Chefdirigent des Minnesota Orchesters.
Deshalb gab Goldner ihre Stelle bei den New Yorker Philharmonikern auf. Sie übersiedelte mit ihrem Mann nach Minneapolis, um ihn und seine Karriere zu unterstützen. Die New Yorker Philharmoniker hatten danach 34 Jahre lang keine Frau mehr im Orchester. Vier Jahre später holte das Philadelphia Orchester Ormandy, und Goldner zog wieder mit. Sie unterrichtete hin und wieder an der Musikakademie Philadelphias. Als Solistin trat sie aber nicht mehr auf. Stattdessen war sie Hausfrau und Managerin ihres Mannes.
In dieser Zeit reiste das Ehepaar oft nach Wien und besuchte die Familie Goldner. Sie erinnerte sich später gern an die beeindruckenden Auftritte der Ormandys mit Cadillac und passender Garderobe.

Familie vor Verfolgung gerettet

Kurz vor dem „Anschluss“ 1938 gelang es Ormandy, der mittlerweile über ausreichend finanzielle Ressourcen verfügte, die gesamte Familie aus Wien in die USA zu bringen und sie so vor Verfolgung und Ermordung zu bewahren. In den USA wohnten die Familien viele Jahre gemeinsam in einem Anwesen mit mehreren Hausangestellten. Goldner richtete als Gastgeberin die Empfänge des Philadelphia Orchesters aus.
Der frühe Tod ihrer beiden Kinder belastete die Ehe schwer. Ormandy stürzte sich in die Arbeit, und 1947 ließ sich das Paar scheiden. Er machte weiter Karriere und heiratete erneut. Um Steffy Goldner wurde es dagegen still. Sie lebte mit ihrer Familie, und 1952 zog sie wieder nach New York. Dort trat sie hin und wieder als Harfenistin auf. Eine professionelle Karriere konnte sie aber nicht mehr aufbauen. 1962 starb sie an Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreas-Krebs), der falsch diagnostiziert worden war.

Installation thematisiert Ungleichheit

Nives Widauer wurde in Basel geboren und wohnt heute in Wien. Seit den 1980er-Jahren arbeitet sie mit Installations- und Videokunst, Malerei und Skulptur. In ihrer Installation zu Steffy Goldner zeigt sie Bilder und Filmausschnitte aus dem Leben der Harfenistin. Sie werden auf den historischen Harfenkasten projiziert. Widauer erzählt den außergewöhnlichen Weg einer jungen Wiener Jüdin in New York. Dieser Weg endete mit einem Schicksal, das für Frauen allzu typisch war.
Die Installation nutzt diese Geschichte, um auf die Ungleichheiten hinzuweisen, mit denen Frauen im Kunstbereich zu kämpfen haben, früher wie heute.

Quelle: https://www.jmw.at/museumsblog/news_detail?j-cc-id=1790052998762&j-cc-node=news&j-cc-name=hybrid-content

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