Erstes Gold-Tiefkühllager Österreichs in Loosdorf eröffnet

Mathias FischerMathias Fischer
© Tiger Lily / Pexels (Symbolbild)

In Loosdorf wurde am Mittwoch ein Tiefkühllager mit Gold-Zertifizierung übergeben. Die Anlage mit über 4.500 Quadratmetern nutzt GMS GOURMET für Kühllogistik. Eine Photovoltaikanlage deckt drei Viertel des Energiebedarfs.

In der niederösterreichischen Gemeinde Loosdorf ist am 14. Oktober das erste Tiefkühllager mit Gold-Zertifizierung in Österreich an den Betreiber übergeben worden. Die Entwickler F & S Real Estate Solutions aus Straßwalchen und SCHISERNIG Real Estate Investor aus Salzburg übergaben die Anlage im Green Logistics Park an GMS GOURMET, einen führenden Anbieter für Menü-, Catering- und Gastronomieservices in Österreich. Vertreter der Standortgemeinde waren bei der Übergabe anwesend.

Das Gebäude verfügt über mehr als 4.500 Quadratmeter Nutzfläche und wurde nach dem Deutschen Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert. Diese international anerkannte Auszeichnung bestätigt höchste nachhaltige Standards bei Errichtung und Betrieb. Die Bewertung umfasst technische, ökologische, ökonomische sowie soziokulturelle Kriterien. Aufgrund des hohen Erfüllungsgrades erhielt das Tiefkühllager erstmals in Österreich ein Goldzertifikat für diese Nutzungskategorie.

Nachhaltigkeit von Bodenaushub bis Betrieb

Walter Schisernig von SCHISERNIG Real Estate Investor betonte, dass das Tiefkühllager in der gesamten Wertschöpfungskette vom Bodenaushub bis zum laufenden Betrieb auf dem aktuell höchstmöglichen Green Building Level sei. Sein Unternehmen versuche bei jeder Logistikimmobilie, den höchsten Stand an Nachhaltigkeit zu verwirklichen. Dadurch werde die langfristige Werthaltigkeit der Immobilie sichergestellt. Die Zertifizierung sei sowohl für Mieter als auch für Investoren der bestmögliche Nachweis dafür.

Die Entwicklung und der Bau des Gebäudes wurden durchgängig vom Zertifizierer in einer eigenen Koordinationsstelle begleitet, erläuterte Ing. Alexander Liebewein, Geschäftsführer von FS Solutions. Bereits beim Aushub müsse man mit einem Minimum an Erdbewegungen auskommen und das anfallende Erdreich wieder an Ort und Stelle verwenden. Die Wärmedämmung in einem Tiefkühllager mit Temperaturen bis minus 22 Grad sei eine besondere Herausforderung. Die gesamte Gebäudehaut mit allen Komponenten müsse die extremen Temperaturen für die Lagerung von Lebensmitteln erhalten, unabhängig von Jahreszeit und Wettersituation.

Photovoltaik liefert drei Viertel des Strombedarfs

Für die notwendige Energie sorgt eine PV-Anlage mit 1,2 Megawatt Leistung, die drei Viertel des Gesamtverbrauchs liefert. Der Standort wurde weiters voll an den öffentlichen Verkehr angebunden.

Dipl.-Ing. Hannes Hasibar, Geschäftsführer von GOURMET, betonte, dass das neue Tiefkühllager die Verlässlichkeit gegenüber den Kunden steigere und die Zukunftsorientierung unter Beweis stelle. Das moderne Energiekonzept mit Photovoltaikanlage und vier Stromspeichern ermögliche es, den Großteil des benötigten Stroms vor Ort selbst zu erzeugen. Eine Notstromvorsorge erhöhe die Widerstandsfähigkeit des Standorts in herausfordernden Situationen. Die Auszeichnung mit dem Goldzertifikat für nachhaltige Logistikgebäude bestätige diesen Weg. Er dankte allen Projektpartnern, die das anspruchsvolle Vorhaben in nur zehn Monaten umgesetzt haben.

Gewerbegebiet mit drei Green Buildings abgeschlossen

Mit den drei Green Buildings ist die Entwicklung des Gewerbegebietes Loosdorf an der Westautobahn vorläufig abgeschlossen. FS Solutions sowie SCHISERNIG Investor haben 2021 eine gewidmete Grundfläche von mehr als 20 Hektar übernommen. Der Altbestand mit rund 55.000 Quadratmetern Nutzfläche wurde für Mieter aus Logistik, Handel und Industrie adaptiert. Darüber hinaus sind rund 20.000 Quadratmeter neue Nutzfläche entstanden. Aktuell befinden sich zehn Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten vor Ort. FS Solutions sowie SCHISERNIG Investor haben in den vergangenen fünf Jahren etwa 110 Millionen Euro in den Standort investiert.

Bürgermeister sieht Einnahmen für Infrastruktur

Der Loosdorfer Bürgermeister Thomas Vasku gratulierte den Betreibern für die rasche und zielgerichtete Entwicklung. Die Gemeinde und ihre Partner hätten immer auf Augenhöhe und mit Handschlagqualität agiert. Das habe sich für beide Seiten ausgezahlt. Die Gemeinde habe ganz bewusst als Drehscheibe zwischen Betreiber, Behörden und Mieter agiert, um aktiv zum Erfolg beizutragen. Man habe die national und international agierenden Unternehmen immer wieder beim Verständnis der regionalen Bauvorschriften unterstützt und sich umgekehrt für die Sichtweise der Projektwerber bei den befassten Behörden eingesetzt.

Bei Vollbetrieb rechnet der Bürgermeister mit Einnahmen von zehn bis 15 Prozent des Gemeindebudgets. So könne die Gemeinde weiterhin in qualitätvolle Infrastruktur und soziale Einrichtungen investieren.

Forderung nach mehr politischer Initiative

Bürgermeister Vasku plädiert für mehr politische Initiative bei der Entwicklung von Gewerbe- und Logistikstandorten. Er schlägt vor, häufiger interkommunal zu planen, um die Versiegelung von Grünland zu verringern und die Verfügbarkeit von Ansiedlungsflächen zu steigern.

Die beiden Projektentwickler sehen bei Logistikimmobilien hohe Nachfrage, aber wenig Angebot. Das liege vor allem an den zögerlichen Bewilligungsverfahren, unterstrich Walter Schisernig. Diese Praxis halte Eigentümer ab, Grundstücke anzubieten, auch wenn diese bereits als Gewerbeflächen gewidmet sind. Die Projektentwickler regen wie der Bürgermeister an, dass sich die Politik auf regionaler und nationaler Ebene dieser Thematik intensiver annehmen solle.

Quelle: OTS

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