Europacampus Hainburg sorgt für Verkehrssorgen

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Im Bezirk Bruck an der Leitha soll ein Bildungscampus entstehen. Die Initiative Bildung im Bestand (BIB) kritisiert die Planung auf dem Kasernengelände in Hainburg und befürchtet massive Verkehrsprobleme für die Stadt.

Für den Bezirk Bruck an der Leitha ist die Errichtung eines Bildungscampus geplant. Die Initiative Bildung im Bestand begrüßt grundsätzlich die Idee einer Bildungsstätte in Hainburg, sieht aber in der aktuellen Planung auf dem Kasernengelände unter dem Schlossberg erhebliche Risiken für den Ort.

Das Projekt Europacampus Hainburg ist auf einer Grundstücksfläche von 46.000 Quadratmetern vorgesehen. Die Gebäudefläche soll bis zu 68.000 Quadratmeter betragen.

Späte Information der Bevölkerung

Nach drei Jahren fand am 15. Juli 2026 erstmals eine öffentliche Infoveranstaltung statt. Die Hainburger Bevölkerung wurde lediglich sieben Tage zuvor eingeladen – mitten in der Urlaubszeit. Statt eines Vortrags mit Diskussion wurde eine Ausstellung mit 21 thematischen Inseln geboten, bei der Vertreter der Projektbeteiligten Fragen beantworteten.

Das Vorhaben würde nach Fertigstellung die Bevölkerung und Beschäftigten um rund 20 Prozent erhöhen.

Rund 2.000 zusätzliche Personen erwartet

Neben dem Bildungscampus ist auch ein neues Wohnquartier geplant. Erwartet werden etwa 1.300 Personen in Bildungseinrichtungen und Dienstleistung sowie knapp 700 weitere Personen als neue Stadtbewohner in bis zu 300 Wohnungen.

Dies würde deutlich mehr Verkehr auf der bereits belasteten Kreuzung beim Wienertor und der Zufahrtstraße Landstraße (Bundesstraße B9) sowie Hummelstraße bedeuten.

Im Jänner 2026 kamen rund 200 Forschende der TU Wien hinzu. Die Labore mit geschätzten 12.000 Quadratmetern Gebäudefläche nehmen den größten Bauplatz ein. Bei der Veranstaltung im Juli 2026 gab der Vertreter der TU Wien 122 bis 153 Personen an. Die Architektin-Vertreterin konnte trotz fertiger Einreichungspläne keine genauen Gebäudeflächen für die Bildungseinrichtungen nennen und verwies an den Projektentwickler. Dieser war nicht bereit, konkrete Fragen zu beantworten, und forderte den BIB-Vertreter Peter Sedlak zweimal auf, die Veranstaltung zu verlassen.

Kritik an Mobilitätskonzept

Zum Thema Mobilität wurden die Entfernungen zu den Hainburger Bahnhöfen mit 0,9 bis 1,4 Kilometer (tatsächlich 750 Meter bis 1,2 Kilometer mit 37 bis 60 Höhenmetern) und zum Stadtzentrum mit 700 bis 780 Meter (tatsächlich 560 bis 640 Meter mit 34 Höhenmetern) als „kurze Wege“ bezeichnet. Dass es sich teilweise um steile Straßen handelt, sei nie berücksichtigt worden.

Eine mögliche Bushaltestelle beim Campus soll in 300 bis 400 Meter Entfernung zum Areal auf einem steilen Hang liegen und sei eindeutig nicht barrierefrei.

Nähere Daten und Maßnahmen zum Verkehr sollen in den kommenden Monaten in einem Mobilitätskonzept ersichtlich werden. Dieses Konzept solle erst nach dem Festlegen der Gebäude erfolgen.

Die Initiative Bildung im Bestand hat aufgrund der neu angekündigten Forschungsplätze der TU Wien eine neue Verkehrsanalyse in Auftrag gegeben. Eine andere Verkehrsplanerin habe bestätigt, dass die alte Verkehrsuntersuchung (aktualisiert Mitte 2025) vor allem wegen der Änderung 2026 nicht mehr gelten könne.

Falls erst die Gebäude geplant und danach der Verkehr gelöst werden soll, könne die Bundesstraße B9 später nicht vergrößert werden, da vor der Ampelkreuzung beidseitig Häuser stehen. Man rechne somit mit unverzichtbaren Beschränkungen im bestehenden Straßennetz. Der neu erzeugte Verkehr erhöhe neben der Autopräsenz auch die Luftverschmutzung. In den letzten 16 Jahren seien die PM10-Werte sechsmal am Limit gewesen oder überschritten worden. Hainburg leide bereits jetzt unter regelmäßigen Staus.

Alternative Standorte vorgeschlagen

Die Initiative Bildung im Bestand hat mehrmals darauf hingewiesen, dass sich in Hainburg bereits Großgebäude befinden, die leer stehen oder nicht optimal genutzt werden. Die Position zu den Bahnhöfen sei hier wesentlich günstiger: 270 bis 430 Meter, keine Steigung und somit ideal für öffentlich pendelnde Studierende.

Das Grundstück der leerstehenden Alten Walzmühle wurde Ende 2025 – trotz Kritik der politischen Opposition – im Gemeinderat zum verdichteten Wohnen umgewidmet (Bauland Kerngebiet). Das Gebäude sei nur 10 Meter vom Bahnviadukt entfernt und mit Modernisierungspotenzial von 3.000 bis 5.000 Quadratmetern Gesamt-Gebäudefläche ideal für eine mittelgroße Bildungseinrichtung geeignet.

Im Sommer 2025 habe der Hainburger Gemeinderat eine Beschränkung der Wohndichte für allgemeine Bürger beschlossen. Im Herbst 2025 beschloss er die Umwidmung der Alten Walzmühle zum Bauland Kerngebiet – anstatt maximal etwa 80 Wohnungen laut alter Widmung seien beim neuen Entwurf nun 200 neue Wohneinheiten geplant – nur von einem Investor.

Ein weiteres Gebäude ist der Bauhof der Stadt Hainburg. Hier werde das Erdgeschoss zur Abstellung von LKWs und diverser Technik genutzt. In einem dritten Gebäude (Eigentum des Landes Niederösterreich), der Kulturfabrik, befänden sich neben einer Arbeitsstätte großflächig gelagerte archäologische Funde.

Kritik an Transparenz und Finanzierung

Die Initiative Bildung im Bestand und auch ein Teil der Bürgerschaft Hainburgs fühlen sich hintergangen. Die Fragen hätten seit 2023, also drei Jahre lang, nicht öffentlich gestellt werden können. Derzeitige Einreichspläne seien nur für die Anrainer zur Einsicht zugänglich. Es handle sich laut dem Bauamt rechtlich nur um ein Privat-Projekt auf einem Privat-Grundstück.

Beim Europacampus Hainburg (Bildungscampus und neues Wohnquartier) handle es sich um ein Projekt mit 90 bis 100 Millionen Euro Kosten, wovon rund 20 Millionen Euro vom Bund, aber vor allem auch vom Land Niederösterreich gefordert werden sollen – also auch von den Geldern der Steuerzahler in Niederösterreich.

Quelle: OTS

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