Ex-Kika/Leiner-Chef wegen Betrugsverdachts in U-Haft

Der frühere Geschäftsführer der Möbelkette Kika/Leiner sitzt seit 30. August in Untersuchungshaft. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft Hermann W. systematischen Betrug vor. Der mutmaßliche Schaden beläuft sich auf rund 16,1 Millionen Euro.
Hermann W. wurde am 28. August festgenommen, wie die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) am Dienstag mitteilte. Die Staatsanwaltschaft St. Pölten hat den Fall abgetreten, berichtete der „Kurier“.
Die Signa des ebenfalls in U-Haft befindlichen Rene Benko hatte die Immobilien von Kika/Leiner im Jahr 2023 an den Grazer Immobilienentwickler Supernova veräußert. Das operative Möbelgeschäft ging an den Handelsmanager Hermann W. über. Wenig später kam es zur ersten Insolvenz. Nach der zweiten Pleite im November 2024 gelang es W. nicht, neue finanzielle Mittel oder einen Investor zu finden.
Hochwasseropfer als Ziel einer Rabattaktion
Laut WKStA soll der Beschuldigte die Notlage von Hochwasseropfern im September 2024 gezielt ausgenutzt haben. In sozialen Medien wurde eine „Unwetter-Soforthilfe-Aktion“ beworben, bei der Kunden 20 Prozent Rabatt auf Möbelkäufe erhielten. Ziel sei gewesen, rasch liquide Anzahlungen zu generieren.
Diese Aktion soll Teil eines systematischen Betrugs gewesen sein. Obwohl das Handelsunternehmen ab Ende Jänner 2024 tatsächlich zahlungsunfähig gewesen sei, habe der Beschuldigte weiterhin Anzahlungen für Möbelkäufe entgegennehmen und Wertgutscheine vertreiben lassen. Eine Lieferung sei mangels Liquidität unmöglich gewesen, so die Staatsanwaltschaft.
Mindestens 4.700 Kunden waren von diesem Vorgehen betroffen. Sie leisteten Anzahlungen, erhielten jedoch keine Lieferung. Der Gesamtschaden beträgt laut WKStA zumindest 15 Millionen Euro.
Vermögen vor Insolvenz beiseitegeschafft
Zusätzlich besteht der dringende Verdacht, dass der Beschuldigte kurz vor der Insolvenzeröffnung gezielt Vermögen der Möbelkette beiseitegeschafft hat. Dadurch sollte die Befriedigung der zahlreichen Gläubiger im Insolvenzverfahren des Landesgerichts St. Pölten vereitelt oder geschmälert werden.
Er soll Zahlungen für Rechnungen ohne adäquate Gegenleistungen freigegeben und so insgesamt 1,1 Millionen Euro abgezogen haben. Die Zahlungen sollen nach der aktuellen Verdachtslage an eine kooperierende Gesellschaft sowie an ein eigenes Unternehmen des Beschuldigten gegangen sein.
Die Verhängung der U-Haft zeigt laut Staatsanwaltschaft, dass das Gericht die Rechtsansicht der WKStA teilt und ebenfalls von einem dringenden Tatverdacht bei den genannten Straftaten ausgeht. Zudem lägen die weiteren U-Haftgründe Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr und Tatbegehungsgefahr vor. Laut „Kurier“ soll W. die Anschuldigungen bestreiten.
Quelle: APA
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